Man könnte die Geschichte des Adrian Reiter in Norbert Gstreins Im ersten Licht so erzählen: Geboren 1901 als Sohn eines Postbeamten im Salzburger Land. Der versetzt dem jugendlichen Adrian mit einer Axt den “goldenen Hieb” in den Unterschenkel und bewahrt ihn auf diese Weise davor, in den Ersten Weltkrieg geschickt zu werden. Adrian wird Gymnasiallehrer, schlängelt sich in einer Mischung aus Naivität und Opportunismus durch den Nationalsozialismus, schaut teilnahmslos dem Scheitern seiner Ehe zu, hat in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit bei diversen Englandaufenthalten die beste Zeit seines Lebens und findet sich im Jahr 1988 in seiner letzten Wohnung unter dem Bildnis eines Engels mit riesigen Schwingen wieder. Nichts davon wäre falsch, und doch braucht es den Autor Norbert Gstrein, um aus diesen biografischen Daten ein literarisches Kunstwerk zu machen.