Der Irankrieg und die in der Folge deutlich gestiegenen Energiepreise wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Erholung in Deutschland aus. Das geht aus der Konjunkturprognose des Münchner Ifo-Instituts hervor. Demnach sinkt das Wachstum voraussichtlich um mindestens 0,2 Prozentpunkte. Je länger der Krieg andauert, desto schwerwiegender werden den Wirtschaftsforschern zufolge die Auswirkungen. Zudem erwarten sie, dass die Inflation zumindest vorübergehend ansteigt.
Ganz zum Erliegen kommen würde die konjunkturelle Erholung laut den Ökonomen jedoch auch dann nicht, wenn der Krieg länger dauern sollte als erwartet. Trotz der gestiegenen Kosten für Energie “dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen”, sagte Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut.
Prognosen für Deeskalations- und Eskalationsszenario
Wegen der Unsicherheit hinsichtlich der weiteren politischen Entwicklung veröffentlichte das Institut in seiner diesjährigen Frühjahrsprognose zwei mögliche Szenarien für das laufende Jahr: Bei baldigem Kriegsende könnte die deutsche Wirtschaft laut “Deeskalationsszenario” in diesem Jahr noch um 0,8 Prozent wachsen – 0,2 Prozentpunkte weniger als ansonsten zu erwarten gewesen wäre. 2027 könnte sich das Wachstum demnach weiter beschleunigen auf 1,2 Prozent.
Sollte der Krieg jedoch länger dauern, wären im “Eskalationsszenario” die negativen Auswirkungen auf die Konjunktur deutlich größer: Das Bruttoinlandsprodukt würde laut Ifo-Institut demnach in diesem Jahr nur noch um 0,6 Prozent zulegen, 2027 um 0,8 Prozent.
Im Fall eines schnellen Kriegsendes erwarten die Ökonomen in diesem Jahr, wie schon 2025, eine Inflationsrate von 2,2 Prozent. Der erwartete leichte Rückgang um 0,2 Prozentpunkte bleibt demnach aus. Kurzzeitig könnte die Inflationsrate gar auf 2,5 Prozent steigen. Im “Eskalationsszenario” könnte die Inflationsrate in diesem Jahr bei 2,5 Prozent liegen – und in der Spitze bei bis zu drei Prozent.
Aufschwung nicht durch Export getrieben
Grund dafür, dass in der Prognose weiter von einem Aufschwung ausgegangen wird, sind laut Ifo-Institut primär die von Bundesregierung und Bundestag beschlossenen
Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung. Diese hätten einen positiven Effekt auf die Nachfrage. Die Wirkung der
Sondervermögen der Bundesregierung – insbesondere im Verteidigungsbereich – habe sich sogar “etwas schneller” entfaltet als ursprünglich erwartet,
schreiben die Forscher. “In diesem und im kommenden Jahr dürfte sich
diese Erholung fortsetzen, wenngleich ihr die mit dem Beginn des
Irankrieges kräftig gestiegenen Preise für Rohöl und Erdgas einen
Dämpfer verpassen.”
Die Erholung ist laut Ifo-Institut untypisch
für Deutschland, da sie nicht durch das Exportgeschäft getragen ist.
Vielmehr seien die Warenausfuhren weiter gesunken. Der Aufschwung sei
hingegen durch inländische Impulse eingeleitet worden, die im
Zusammenhang mit der staatlichen Finanzpolitik stehen. So legten im
vierten Quartal 2025 insbesondere die staatlichen
Ausrüstungsinvestitionen sowie die öffentlichen Konsumausgaben deutlich
zu.
Am Arbeitsmarkt kommt die konjunkturelle Erholung mit etwas Verzögerung an. “Wann hier die Trendwende kommt, hängt wiederum von der Länge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost und den damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten ab”, sagte Wollmershäuser.
