
Gut drei Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada hat der Präsident des Bundesligaklubs FC St. Pauli, Oke Göttlich, seine Kritik an der fehlenden Positionierung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verstärkt.
„Fahren wir dahin, wie fahren wir dahin, wenn wir dahin fahren: Was ist die Aussage?“, fragte Göttlich in einer Radiosendung des NDR: Dies wünsche er sich „von einem Verband wie dem DFB: Wenn man in ein Land fährt, welches Krieg treibt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dass man sich zumindest Gedanken darüber macht: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir dahin fahren – ohne vom Kapitän oder vom Linksverteidiger einzufordern, wie er sich denn jetzt zu verhalten hat.“ Er wünsche sich vom Verband „eine Meinung und eine Haltung“.
„Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es bin“
Göttlich, Mitglied des DFB-Präsidiums, hatte sich vor rund fünf Wochen öffentlich eine Auseinandersetzung des Verbandes mit den politischen Implikationen des Turniers gewünscht, auch im Hinblick auf einen möglichen Boykott. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte infolge der Kritik vor fünf Wochen verkündet, die Debatte komme „zur Unzeit“, ein Boykott der WM sei kein Thema.
Der DFB-Chef hatte außerdem erklärt, man müsse solche Themen intern besprechen, und Göttlichs kurze Zeit im Präsidium erwähnt: „Der Kollege ist noch nicht so lange dabei.“ Bei Göttlich stieß das auf wenig Verständnis: „Herr Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es in einem Funktionärsamt bin.“ Das Echo auf seine Aussagen habe ihn überrascht: „Ich dachte: Das ist der größte Fußballverband der Welt – der hat sich doch mit Sicherheit vorher auch kommunikativ Gedanken dazu gemacht.“
Unterdessen hat der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Weikert, den Mitgliedsorganisationen empfohlen, sich über die Sicherheitslage der jeweiligen Länder zu informieren: „Wir beobachten die Entwicklungen im Nahen Osten mit großer Sorge, insbesondere hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die Sicherheit von Athletinnen und Athleten bei internationalen Sportveranstaltungen in der Region.“ Man stehe im Austausch mit dem Auswärtigen Amt.
Weikert verwies auch auf die begrenzte Wirkung des Sports: „Uns ist bewusst, dass sich das Frieden stiftende Miteinander bei aller Kraft, die im Sport und in Olympischen Spielen als Vorbild steckt, nicht auf die aktuell komplexe, angespannte geopolitische Lage übertragen lässt.“ Er forderte die Politik auf, die Konflikte mit diplomatischen Bemühungen zu beenden.
