Die fünfte Woche im Trainingslager für spätere Ex-Spielerfrauen, das aus nostalgischen Gründen weiterhin „Germany’s Next Topmodel“ heißt, startet mit einer ziemlich mutigen Ankündigung. Jurychefin Heidi Klum verrät: „Nach Los Angeles nehme ich nur Kandidatinnen mit, die das Potential für ein Supermodel haben.“ Im Prinzip auch ein guter Satz für ein Kabarett-Programm über Deutschlands zweiterfolgreichste Influencer-Legebatterie nach „Love Island“.
Stichwort Comedy: Bevor das finale Auswahlverfahren für den Umzug in die Stadt der Engel startet, haben Aurélie, Bianca und Anna noch ihren großen Auftritt im Friedrichstadtpalast. Dort aber leider nicht im „Quatsch Comedy Club“. Dabei wäre ein Stand-up von Klum eine quotensichere Erweiterung des GNTM-Franchise. Und Klum ist bekannt dafür, sich vor Ausflügen in Tätigkeitsfelder nicht zu scheuen, von denen sie absolut gar nichts versteht: Singen, Tanzen, Schauspielern – und sogar Moderieren.
Drei Arbeitsproben für Heidi Klum
Nachdem ich gelegentlich als Gag-Schreiberin für TV-Formate arbeite, biete ich Klum hiermit meine Fähigkeiten, Witze zu schreiben, die niemand lustig findet, gratis an, sobald sie zum Mario Barth der Fashionbranche werden möchte. Und weil Bewerbungen stets mit Arbeitsproben einhergehen, hier drei schnelle GNTM-Jokes zum Mitnehmen:
Kristian Schuller: „Jetzt mache ich noch ein Bild von dir nackt!“
Model: „Wenn dir dabei nicht zu kalt wird, meinetwegen!“
Markus Lanz: „Was darf ein Model heutzutage maximal wiegen?“
Model: „Frag’ mich was Schwereres!“
Thomas Hayo: „Du hast echt Model-Maße!“
GNTM-Bewerberin: „Wirklich?“
Thomas Hayo: „Klar! Du bist 0,5 Models groß, acht Models schwer und vier Models breit!“
Okay, soviel zur Frage, warum ich noch keine eigene Comedy-Show habe. Viel zu lachen gibt es im Friedrichstadtpalast aber auch nicht. Obwohl, Nana haut irgendwann doch einen Kracher raus: „Ein Event ist toll, da kannst du den ganzen Abend mit Heidi quatschen, als wärt ihr alte Freunde“. Und wenn Heidi Klum für eins bekannt ist, dann dafür, dass sie ihre Freizeit gerne mit GNTM-Kandidatinnen verbringt.
„Den Abend habt ihr euch verdient gehabt!“
Ganz andere Event-Probleme hat Aurélie: „Hoffentlich gibt es kein Foto, auf dem ich stehe wie ein Kartoffelsack!“ Ihr Red-Carpet-Moment läuft aber reibungslos. Vor lauter Euphorie versagt bei Klum sogar der Plusquamperfekt-Blocker: „Den Abend habt ihr euch verdient gehabt!“
Die Aftershowparty lassen alle sausen, denn schon am nächsten Morgen ruft GNTM-Methusalem Kristian Schuller zum Blumen-Shooting. Im obligatorischen Vorstellungstrailer kokettiert der bodenständige Hobbyfotograf damit, es wäre ihm unangenehm, aufzuzählen, welche Promis er schon vor der Linse hatte. Kein Problem, das erledige ich: Cate Blanchett, Penélope Cruz, Sharon Stone, Toni Garrn, Karolína Kurková, Irina Shayk, Candice Swanepoel und natürlich Heidi Klum.
„Wow mit großem W!“
Schuller gilt als Fotograf, der Models sehr viele Anweisungen gibt. Das spürt auch Kim. Von ihr verlangt er, was man sonst nur von radikalen Religionskritikern hört: „Bitte weniger Jesus“. Aber auch Satzikonen wie „Deine Hände müssen zu Zweigen werden“ hat Schuller im Repertoire.

Während Anika ihr Ticket nach Los Angeles im Reisebüro Schuller löst („Bei dir: Wow mit großem W!“), läuft es bei Aurélie holpriger: „Man merkt die Tension am Hals, dadurch ist das Gesicht verkrampft!“ Hä? Da komme ich nicht mehr mit. Am Mittwoch hatten die Fashion-Ikonen von den Elevator Boys noch dringend empfohlen, Tension zu zeigen. Jetzt plötzlich verkrampft sie das Gesicht. Crazy einfach, diese Modebranche. Für Aurélie hat Heidi daher auch ein großes W. Leider nicht für wow, sondern für „wuppt nicht so“.
Um das im Social Media Kommentarspaltenbereich vor Langeweile da bereits Richtung frühzeitigem Dämmerschlaf dahinsiechenden Zielpublikum zurückzugewinnen, schaltet Anzüglichkeiten-Queen Klum bei Julia geistesgegenwärtig in den Ferkelei-Modus: „Jetzt nicht wieder steif machen.“ Halleluja, da ist aber Kirmes im Feministinnenstadl. Vor allem, als Klum ergänzt: „Lass lieber schwabbeln!“ Hätten Sie es gedacht? Genau: Es geht um Julias Arme.
„Ich versuche, mich in die Blume reinzuversetzen, denn Blumen sind nie nervös“
Nana verfängt sich derweil in einer Self-Fulfilling-Prophecy-Schleife: „Je mehr ich denke, dass ich nicht nervös werden soll, desto nervöser werde ich!“ Zum Glück findet sie rechtzeitig einen botanischen Rettungsring: „Ich versuche, mich in die Blume reinzuversetzen, denn Blumen sind nie nervös!“ Gut, Vogelscheuchen und Kuhfladen sind auch nie nervös, aber andere Geschichte.
Alisa durchlebt anschließend einen denkwürdigen Sprachmoment. Ihr gelingt es, akkurates Hayo-Denglish und feinstes Hochdeutsch in einer einzigen Vokabel zu vereinen: „Selbst-Confidence“. Das ist wohl sowas wie Self-Bedienung. Abseits vom linguistischen Talent läuft es allerdings nicht so rund. Sie versagt beim Shooting, trägt daran aber keine Schuld: „Ich war mal taub und kann deshalb nicht so gut hören!“ Ausredenspürhund Klum hegt daran jedoch Zweifel: „Das hat sie vorher nie gesagt!“ Spontantaubheit, wer kennt sie nicht?

Alisa ist nach diesem Foto-Fauxpas panisch in Tränen aufgelöst. Das eigentliche Opfer hier ist aber Empathiewunder Antonia: „Alisa hat geweint, das hat mir nicht das beste Gefühl gegeben. Und dann ist sie auch noch im Raum geblieben!“ Skandalös. Kann die nicht lernen, heimlich zu weinen?
Das schönste Lob des Abends erhält dann Merret. Die erinnert sich zwar nicht, ob sie im Ost- oder Westteil von Berlin wohnt, ihr Foto ist aber 1a. Oder wie Heidi Klum zusammenfasst: „Wo komme ich her? Egal! Ich schieße jetzt hier ein Foto und sehe Bombe aus!“
Wie läuft man zickig?
Noch ernster als vor der Schuller-Linse wird es am Folgetag. Der letzte Final Walk in Berlin. Viele Highlights erleben wir nicht, mal von den grandiosen Fashion-Schmuckstücken von Designer Danny Reinke abgesehen. Mode von ihm ist immer eine Reinke Freude. Am meisten in Erinnerung bleibt so der Auftritt von Nana. Sie trägt ein Kleid, das kürzer ist als die Model-Karriere von Ildikó von Kürthy. Ihr Po bleibt gänzlich unbedeckt, ihr strenggläubiger Vater googelt zu Hause am TV-Bildschirm umgehend „rechtssicheres Enterben“.

Leider schwächelt Alisa auch beim Walk: „Sie läuft zu schnell und nicht sexy, sondern zickig!“ Die Erklärung, wie man zickig läuft, bleiben Klum und Gastjurorin Maria Koch schuldig. Ist aber auch egal, Alisa hätte sie ohnehin nicht gehört. Was sie allerdings gut hört, ist Klums legendärer Exmatrikulationssatz „Ich habe heute leider kein Foto für dich“. Der Traum von Los Angeles ist für Alisa geplatzt. Und auch Lola und Kim treten die Reise zum Flughafen nicht mehr mit an. Das betrübt vor allem Kim: „So kurz vor L.A. kein Foto zu bekommen, ist schon blöd!“
Blöder ist nur noch, 14 Stunden mitzufliegen, dann vor Ort aussortiert zu werden und ohne Übernachtung im Model-Penthouse nahtlos noch mal 14 Stunden zurückzufliegen. Auch ein solches CO2-Bilanzdesaster hat es in der GNTM-Historie bereits gegeben. Ob Kim das tröstet, weiß ich nicht. Klar ist nur: Kommende Woche landen wir alle in Los Angeles. Bis dann!
