Die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat Deutschland beim Thema Gewalt gegen Frauen als “Täterparadies” bezeichnet. “Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, dass man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeige nicht weiterverfolgt wird”, sagte Fernandes in den ARD-Tagesthemenund sprach von einem “Justizversagen”.
Zuvor hatte sie schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. In einem Instagram-Beitrag schrieb
die 44-Jährige am Donnerstag, dass unter ihrem Namen über Jahre hinweg
Fake-Profile auf verschiedenen Onlineplattformen erstellt worden seien.
Über diese Profile seien Männer aus ihrem beruflichen Umfeld kontaktiert
worden und hätten unter anderem angebliche Nacktfotos und Sexvideos von
ihr geschickt bekommen. Zuerst hatte der Spiegel über die Vorwürfe von Fernandes berichtet.
“Sehr bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen”
“Ich äußere mich ja nicht jetzt erst zu diesem Sachverhalt, sondern bereits seit Jahren – und dass ich mittlerweile weiß, wer der Täter ist, soll daran nichts verändern”, sagte Fernandes nun in den Tagesthemen. Ihr sei es wichtig, darauf hinzuweisen, welche gesetzlichen Schutzlücken es gebe.
“Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, weil in Spanien die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland”, sagte sie weiter. Wenn der Täter ein sehr umfangreiches Schreiben vorlege, in dem es nur darum gehe, dass “bitteschön Deutschland zuständig” sein solle – “das zeigt doch ein großes Versagen, eine große Schutzlücke in der Justiz”. Deutschland sei in dieser Hinsicht “ein absolutes Täterparadies”.
Der Oberste Gerichtshof der Balearen bestätigte auf ZEIT-Anfrage, dass ein Vorverfahren gegen Ulmen geführt werde. Die Ermittlungen würden vom Vorsitzenden Richter der Abteilung Gewalt gegen Frauen in
Palma de Mallorca geführt. Ulmens Anwalt spricht von “unwahren Tatsachen”. Eine Anfrage der ZEIT zu den Vorwürfen blieben von Ulmen bislang unbeantwortet.
