Der Chef des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung befürwortet höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie eine neue Steuer auf zuckerhaltige Getränke. “Lieber etwas teureres Bier und Zigaretten als die
milliardenteuren Folgeerkrankungen vom Trinken und Rauchen”, sagte der
Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, der Rheinischen Post. “Wir müssen als Gesellschaft dahin kommen, dass nicht mehr so viele Menschen an sogenannten Volkskrankheiten leiden”, sagte er.
Blatt bezog sich dabei auf Vorschläge der
Expertenkommission für eine Reform des Gesundheitswesens. Ihre 66
Empfehlungen haben insgesamt ein Volumen von 42 Milliarden Euro. Was
davon umgesetzt wird, will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nun
prüfen. Schon für 2027 wird eine Finanzlücke von rund 15 Milliarden Euro
in der gesetzlichen Krankenversicherung erwartet.
Blatt begrüßte auch die Idee der Fachleute, vor
teuren Operationen an Knien oder Hüfte eine Zweitmeinung einzuholen.
Andere Empfehlungen bewertete der Verbandsvertreter skeptisch, so etwa
die Streichung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehegatten ohne
Kleinkinder. “An anderen Stellen ließe sich einfacher und schneller mehr
Einsparpotenzial erreichen”, sagte er.
Drohungen von Ärzten hält Blatt für unangemesesn
Blatt kritisierte Äußerungen der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung, im Falle von Einschnitten bei
Honorarzuschlägen womöglich weniger Termine anzubieten. Solche
“Drohungen” seien nicht angemessen, meinte Blatt. Die Ärzte müssten sich
Veränderungen stellen.
Gefragt nach dem Sparbeitrag der Krankenkassen
verwies Blatt darauf, dass den Kassen bereits ein Sparbeitrag von 100
Millionen Euro auferlegt sei. Zugleich sagte er: “Ich bin mir sehr
sicher, dass wir wahrscheinlich in zehn Jahren auch nicht mehr die
gleiche Zahl der Krankenkassen haben werden.” Schon heute würden ökonomisch wirtschaftliche Zusammenschlüsse geprüft.
