
Wie viele Folgen schaffen wir, bis wir gecancelt werden?“, fragte die Influencerin Suki im Herbst des vergangenen Jahres zum Start des „Brave Mädchen“- Videopodcasts beim öffentlich-rechtlichen Jugendportal „funk“. Die „Braven Mädchen“ sind Suki und Henna, die sich anekdotisch über Themen unterhalten, mit denen sich Frauen in ihren Zwanzigern identifizieren sollen: sogenannte „Red und Green Flags“ beim Dating, WG-Leben, Freundschaften, die „heißesten“ Schauspieler, das vermeintliche Elend im kalten Deutschland.
Sukis Frage ist inzwischen beantwortet: Zehn Folgen haben die Influencerinnen geschafft, dann zog „funk“ den Stecker. Dem Publikum teilte das Portal das schmucklos in einem Kommentar unter dem letzten Beitrag der „Braven Mädchen“ mit: „Rahmenbedingungen und Zielsetzungen haben nicht so zusammengepasst, wie es für eine zweite Staffel nötig wäre“, heißt es unbestimmt.
Zwei Influencerinnen mit einem Läster-Konzept
Bei „funk“ gelandet waren Henna und Suki, nachdem sie dort das Konzept für einen Videopodcast eingereicht hatten. Henna Arshad hatte durch ihre Teilnahme an Reality-Formaten wie „Are you the one?“ auf sich aufmerksam gemacht, Suki Tegan als Influencerin. Doch ging es für die beiden, die in ihren Gesprächen gerne über andere ablästern, bei „funk“ gleich mit Gegenwind los.
Bereits nach der Auftaktfolge hieß es von Zuschauern, hier würden „diskriminierende und respektlose Inhalte“ verbreitet. Gemeint waren Einlassungen wie Suki Tegans Spruch: „Ich zieh mir einfach keinen Content von Männern rein, denn ich brauche mir deren Takes nicht anhören.“ Der Youtuberin Sashka warfen die „Braven Mädchen“ vor, sie sei ein „Pick Me Girl“ – ein abwertender Begriff für eine Frau, die sich von anderen Frauen distanziert, um Männer zu beeindrucken. Dem bot die angegriffene Youtuberin selbstverständlich Paroli.
Dass derlei Geplänkel, vermarktet unter der Ankündigung „Suki & Henna liefern Storys, Haltung & Chaos“, nicht unbedingt dem öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag entspricht, dürfte den Verantwortlichen bei „funk“ da schon geschwant haben. Bei Themen wie Identität und Gesundheit wurde es nicht eben besser. Schönheitschirurgische Eingriffe liefen bei den „Braven Mädchen“ unter „Anpassungsmaßnahme“, und den Internet-Trend „Skinny Talk“ gab es in unkritischer Wiedergabe auch.
Bei dem fordern Influencer andere auf, abzunehmen, und verherrlichen ein Körpergewicht der Magerstufe. „Es fühlt sich ein bisschen heimelig an“, sagte Henna Arshad in der zehnten und letzten Folge von „Brave Mädchen“, „dass jemand genauso obsessed mit dem Gewicht ist wie ich.“ Will heißen: Schön, dass andere auch so aufs Dünnsein versessen sind wie ich.
„funk“ verabschiedet die „Braven Mädchen“
„funk“ verteidigte das Format zunächst mit dem Hinweis, es handele sich hier um eine rein „unterhaltende Gesprächssituation“. Man habe nicht den Anspruch, alle Zielgruppen anzusprechen. Gleichwohl machte der Videopodcast, kaum dass er gestartet war, vier Monate Pause. Im Januar ging es wieder los, doch hatte sich das oberflächliche Geschwätz von Henna und Suki nicht verändert. „Nicht alles, was eine Frau macht, muss feministisch sein“, hören wir da, „die Schule lässt uns bis zu einem gewissen Grad verblöden“ oder „es öffnet mir Türen, wenn ich nicht aussehe wie die letzte Schnarchnase“.
Anfang März war damit Schluss. Warum und wie es in der Zwischenzeit zuging, das verrät „funk“ auf Anfrage nicht. Mehr als eine Paraphrase der Null-Aussage unter dem letzten Video gibt es nicht. „Ein riesiges Dankeschön an unsere Hosts Suki und Henna für eure Offenheit und euer Vertrauen“, hat „funk“ gepostet. Die Influencerinnen kündigten derweil auf Tiktok an, sie würden die „Wahrheit“ über das erzählen, was sich hinter den Kulissen abgespielt habe. „funk“ habe viele ihrer Aussagen geschnitten, nun wollten sie einen „unzensierten Podcast“ produzieren. Auf den muss man nicht gespannt sein.
