Eine Kollegin sagte mir, eher ironisch, dass ich doch mal mit zu ihren Eltern kommen könne, es sei da sehr schön, landschaftlich, und die Eltern seien tolle Gastgeber. Ich sagte unironisch zu. Tatsächlich finde ich es nämlich hervorragend, Eltern kennenzulernen. Als Kind und Teenager war das ja schlimm: Eltern waren überall. Ich musste Freunde noch auf dem Festnetz anrufen. Die Eltern gingen ran, “Hallo hier ist Anna ist Alex da”, ich sagte das mehr wie ein langes Wort als wie eine Frage. Die Eltern legten den Hörer weg, riefen: “ALEX, ANNA!” die Treppe hoch, ich wartete endlose Sekunden. Bei den Verabredungen waren die Eltern dann wieder vor Ort, sie fuhren uns mit Autos irgendwohin oder saßen in Wohnzimmern, manche boten Getränke an. Ich hatte so viel Respekt, dass ich nichts trank, und nie wusste ich, ob “Sie” oder “Du” die richtige Anrede war.
