
Von einem „Rückschlag für die körperliche Selbstbestimmung“ spricht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Weltfrauentags an diesem Sonntag. Demnach kann nicht einmal jede zweite erwachsene Frau auf der Welt über ihren eigenen Körper selbstbestimmt entscheiden. Das heißt, sie kann weder zu einem Arzt gehen, ohne ihre Eltern oder ihren Ehemann um Erlaubnis zu fragen, noch kann sie ohne Zustimmung eine Schwangerschaft verhüten.
Besonders dramatisch stellt sich die Situation für Frauen in Krisen- und Konfliktregionen dar. Sie sind ganz besonders Leidtragende der stetig wachsenden Zahl an globalen Konflikten, wie der aktuelle Bericht „Sicherstellung und Stärkung des Zugangs zur Justiz für alle Frauen und Mädchen“ des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) zeigt.
Straflosigkeit der Täter bleibt weit verbreitet
Demnach lebten schon im Jahr 2024 rund 676 Millionen Frauen und Mädchen maximal 50 Kilometer von einem tödlichen Konflikt entfernt, das war der höchste Wert seit den Neunzigerjahren – und er ist seither noch einmal angestiegen. Infolgedessen stieg die Zahl der konfliktbedingten sexuellen Gewaltverstöße um 87 Prozent. Laut UNFPA betraf das allein in den vergangenen zwölf Monaten etwa jede zehnte Frau weltweit.
Von den Überlebenden suchten danach weniger als 40 Prozent irgendeine Form von Hilfe. „Ein noch geringerer Anteil wendet sich an staatliche Stellen wie die Polizei“, schreibt die DSW. „So bleibt die Straflosigkeit der Täter weit verbreitet.“
Mindestens ebenso wichtig wie die strafrechtliche Verfolgung ist laut der DSW aber die Vorbeugung sexueller Gewalt. Dazu gehöre neben Präventionsprogrammen vor allem eine umfassende Sexualaufklärung. Ultrakonservative Bewegungen bekämpften inzwischen aber die über Jahrzehnte mühsam erlangten Fortschritte.
Besondere Sorgen bereitet der Kurs der amerikanischen Regierung
Besondere Sorgen bereitet der Kurs der amerikanischen Regierung, der diesen Bewegungen neuen Aufschwung gebe. „Aktuellstes Beispiel ist die von Donald Trump erlassene Erweiterung der Global Gag Rule, mit der sämtliche Hilfsgelder für Organisationen gestrichen werden, die sich für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte einsetzen“, schreibt die DSW.
Darüber hinaus würden auch nationale Regierungen in die Pflicht genommen, wenn diese mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten wollten. „Damit wird dem Recht auf körperliche Selbstbestimmung die Grundlage entzogen – das trifft nicht nur, aber insbesondere die jungen Frauen und Mädchen in den ärmeren Ländern.“
In der Hälfte der Länder ist Vergewaltigung keine Straftat
Das bestätigen auch Zahlen von UNFPA: Demnach erlebt fast jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt, in mehr als der Hälfte der Länder der Welt (54 Prozent) wird eine Vergewaltigung nicht einmal als eine Straftat verfolgt. Denn vielerorts wird Vergewaltigung immer noch nicht auf der Grundlage der fehlenden Zustimmung definiert, was bedeutet, dass eine Frau vergewaltigt werden kann, ohne dass ein Gesetz dies als Straftat anerkennt.
Nach nationalem Recht kann ein Mädchen auch noch in mehr als zwei Drittel aller Länder zu einer Heirat gezwungen werden. In 44 Prozent der Länder schreibt kein Gesetz gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit vor, Frauen können also legal für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer.
Das niederschmetternde Fazit der UN-Agentur für Geschlechtergleichstellung zum diesjährigen Weltfrauentag lautet denn auch: „Kein Land der Welt hat die vollständige rechtliche Gleichstellung zwischen Frauen und Männern erreicht.“
