
In den 20 Jahren des Bestehens der Show „Germany’s Next Topmodel“ sind Maßstäbe dessen gesetzt worden, was man an überdrehten Ansprüchen an einen weiblichen Körper, zum Teil auch an den Geist, stellen kann.
Daran ändert die Tatsache nichts, dass nun auch Männer mitlaufen. Die Gnadenlosigkeit, mit der in einer Show Frauen abgewertet werden, die sich, aus welchen Gründen auch immer, einer Wirkungskonkurrenz unterziehen, liegt nicht nur am viel gescholtenen Kasernenhofton der Showmasterin Heidi Klum.
Im Grunde wird, in einem populären Format, nur deutlicher sichtbar, was im Netz zielgruppenspezifisch abläuft und daher oft unbemerkt eine Radikalisierung des Blicks betreibt.
Es ist ein schleichendes Gift, das viel Selbstbewusstsein und die oft angeführte Resilienz erfordert, um sich nicht permanent als ungenügend zu empfinden: Reiche Tradwives legen mühelos erst einmal eine Plantage an, wenn sie Apfelkuchen backen.
Wer Stylingtipps sucht, trifft auf Personen, deren körperliche Erscheinung jenseits realistischer Erwartungen liegt. Und wehe, man liest die Kommentare. Es tut sich der Höllenschlund von Frauenfeindlichkeit, Häme, Besserwisserei und allem anderen auf.
Es sind oft Frauen, die Frauen digital niedermachen. Um eigenen Druck abzuleiten? Wie toll, wenn dazwischen etwas steht, das für Milde plädiert und für den Blick auf das Gemeinsame. Denn gegen den Druck der Geschlechterverhältnisse helfen Komplizinnen mehr. Nicht nur am 8. März.
