
Man ist ja schon überrascht, wenn in Deutschland etwas pünktlich fertig wird. Egal, ob der Flughafen BER, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie in Hamburg: Großprojekte dieser Art werden oft Sinnbilder dafür, wie man es nicht macht.
Doch es steht da, im Süden des Flughafens Frankfurt, das neue Terminal 3. Pünktlich und budgetgerecht fertig. Kein Brandschutzdrama, kein Politgezerre, keine Kostenexplosion.
Dass das Terminal ein erfolgreicher Bau geworden ist, hat auch damit zu tun, dass letztlich ein Kapitalmarktunternehmen es umgesetzt hat. Die Projektgesellschaft konnte als Tochter der Fraport AG vorausschauend und überlegt planen, anstatt einzelne politische Symbolprojekte mit der Brechstange durchzudrücken. Sie hat ein erfahrenes und kompetentes Team an Bord, das den Bau in viele Einzelprojekte unterteilt und die jeweiligen Verantwortlichen benannt hat. Jeder wusste, was er zu tun hatte, und auch, wofür er die Verantwortung trug.
Corona hat auch Zeit verschafft
Zudem war der frühe sogenannte Design-Freeze zentral. Wer baut, während er noch plant, tritt eine Chaosspirale los. In Frankfurt galt: erst festlegen, dann bauen, und Änderungen nur dann zulassen, wenn sie bezahlbar sind und in den Terminplan passen. Dabei streute man die Risiken: mindestens zwei Anbieter je Gewerk, 300 Einzelprojekte in der Vergabe, nacheinander erfolgende Abnahmen. Verzögerte sich etwas, konnte die Struktur das abfedern, statt dass das ganze System betroffen war. Selbst Lieferkettenprobleme und Pandemie brachten den Bau nicht ernsthaft ins Wanken.
Corona hat dem Projekt große Probleme bereitet, aber auch Zeit verschafft: Ursprünglich war für die Inbetriebnahme des gesamten Terminals das Jahr 2023 genannt worden. Pier G sollte schon von 2021 an den seit 2019 überquellenden Norden entlasten. Dazu kam es nicht, nachdem 2020 die Fluggastzahlen eingebrochen waren und schlicht kein Bedarf für ein schnell eröffnetes drittes Terminal bestand. Es war wirtschaftlich geboten, die durch die bereits geschlossenen Verträge entstehenden Mittelabflüsse in Zeiten wegbrechender Einnahmen zu strecken, um Liquidität zu sichern.
Das schmälert aber nicht die Leistung der Ausbaugesellschaft und der rund 1000 Partnerunternehmen, die den Bau ermöglicht haben. Trotz eines zeitweise gesperrten Suezkanals, trotz der Insolvenz eines großen Unternehmens am Beginn des Projekts, trotz massiv wegbrechender Einnahmen der Fraport während der Pandemie: Das Terminal 3 steht und kann ein Gewinn für den Betreiber und die Region werden. Dafür nötig sind aber auch die entsprechenden Passagierzahlen.
