
Sie dürfte in Frankfurt noch immer zu den bekanntesten Telefonnummern gehören: unter 23 00 01 ist die Taxizentrale zu erreichen. Angerufen wird sie längst nicht mehr so oft wie früher, denn heutzutage werden viele Fahrten per App gebucht – über Plattformen wie Uber, Bolt oder Freenow. Nun will ausgerechnet der Uber-Partner Safe Driver Group die Taxizentrale kaufen. Das Berliner Unternehmen und die Genossenschaft Taxi Frankfurt, der bislang die Taxizentrale gehört, bestätigten auf Anfrage einen entsprechenden Bericht der Onlinepublikation „Taxi Times“.
Die Safe Driver Group, genauer gesagt ihre Tochtergesellschaft Safe Driver Ennoo, ist Generalunternehmer von Uber in Deutschland. Das bedeutet: Sie organisiert die Fahrten, die über die Uber-App bestellt werden. Ennoo betreibt dafür eine eigene Flotte, arbeitet aber auch mit zahlreichen kleineren Betrieben zusammen, die Fahrzeuge und Fahrer zur Verfügung stellen.
Dass die Safe Driver Group Interesse an einer Taxirufzentrale zeigt, überrascht. Man bekenne sich „ausdrücklich zum Fortbestand der Dienstleistung Taxi“, schrieb Geschäftsführer Thomas Mohnke auf Anfrage in einer E-Mail. Man wolle „die Taxizentrale zukunftssicher fortführen, die Auftragslage der angeschlossenen Taxibetriebe verbessern und die Arbeitsplätze absichern“. Zu der Frage, ob über die Rufnummer 23 00 01 künftig außer Taxis auch Fahrten mit Wagen der Safe Driver Group oder ihrer Subunternehmer vermittelt werden sollten, wollte Mohnke sich nicht äußern. Zur Begründung verwies er darauf, dass die Übernahme noch nicht abgeschlossen sei.
Verkaufsgespräche laufen
Zwar sprach sich auf einer Genossenschaftsversammlung in der vergangenen Woche „die übergroße Mehrheit der Anwesenden“ für einen Verkauf der Taxizentrale an die Safe Driver Group aus, wie Marten Clüver mitteilte, einer der drei Vorstände der Taxi Frankfurt eG. Trotzdem sei für die Übertragung der Genossenschaftsanteile noch die persönliche Zustimmung der einzelnen Anteilseigner erforderlich. Das sind laut „Taxi Times“ etwa 60, Clüver wollte keine Zahl nennen. Er sagte aber, bei einer Annahmequote „unter, aber nahe 100 Prozent“ habe sich die Safe Driver Group zur Übernahme verpflichtet.
Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft befürworten den Verkauf Clüver zufolge, weil er eine Möglichkeit sei, die Taxizentrale mit ihren 60 Mitarbeitern „zukunftsfest aufzustellen“. Viele Taxiunternehmer nähmen längst Aufträge sowohl über die Taxizentrale als auch über Plattformen wie Uber oder Freenow an. „Die haben kein Interesse daran, dass wir uns mit Werbekampagnen oder vor Gericht bekämpfen, weil die Kosten dafür nur die Vermittlungsgebühren in die Höhe treiben“, sagte Clüver. Die Kosten für den Betrieb der Taxizentrale würden zu 98 Prozent von den angeschlossenen Taxiunternehmen bezahlt und nur bei Rechnungsfahrten auf die Fahrgäste umgelegt.
Nach Einschätzung des Genossenschaftsvorstandes ist eine Telefonzentrale auch für Unternehmen, die ihre Aufträge bislang ausschließlich per App erhalten, attraktiv. „80 Prozent der Anrufe, die bei uns eingehen, werden mit Mobiltelefonen getätigt. Diese Anrufer könnten also auch über eine App buchen, tun das aber nicht.“
Ziel ist der Aufbau einer überregional aktiven Zentrale
„Klar ist aber auch: Am Ende wird es nicht mehr in jeder Stadt eine vor Ort betriebene Vermittlungszentrale geben“, sagte Clüver weiter. Schon heute disponiere Taxi Frankfurt die Fahraufträge beispielsweise in Hanau, Offenbach und Fulda und auch außerhalb des Rhein-Main-Gebiets in Dortmund und Heidelberg. Die dortigen Kunden riefen über lokale Nummern an, die Anrufe gingen aber in Frankfurt ein. „Künftig wird es wenige, große Callcenter geben, und wir wollen eines davon sein.“
Treffen würde ein Verkauf der Genossenschaft nicht nur deren Mitglieder, sondern alle Taxiunternehmen in Frankfurt. Die Zahl der Konzessionen liegt nach Angaben des Ordnungsamts seit Jahren bei 1712. Etwa 900 Taxiunternehmen sind in der Taxi-Vereinigung Frankfurt organisiert. In deren Vereinszeitschrift, dem „Taxi Journal“, werden die Verkaufspläne kritisiert. Warum der Vorstand der Genossenschaft die Taxizentrale „ausgerechnet an den verkaufen möchte, der für die Schwierigkeiten der eG als Uber-Generalunternehmer mitverantwortlich ist, das ist sehr undurchsichtig!“, heißt es in der Zeitschrift. Auf dem Titelbild ist ein Schiff mit der Aufschrift „Taxi Frankfurt eG“ zu sehen, das gegen einen Eisberg mit der Aufschrift „Uber“ fährt.
Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte der Vorsitzende der Taxi-Vereinigung, Ergin Koc, bei aller Skepsis sehe er in der geplanten Neuordnung auch Chancen. Die überregionalen Aktivitäten der Taxizentrale auszubauen, halte er für sinnvoll. Zugleich bestehe aber das Risiko, dass die Safe Driver Group „den letzten Teil des Taximarkts übernimmt und damit alles unter Kontrolle hat“. Genossenschaftsvorstand Clüver sagte der F.A.Z., er habe von vielen Taxi-Unternehmern positive Rückmeldungen erhalten.
Die Taxi-Vereinigung wiederum stehe mit Uber selbst in Verhandlungen darüber, dass Taxis in der App einen prominenteren Platz bekämen, sagte Koc. Wer heute bei Uber eine Fahrt buchen will, bekommt zwar in vielen Städten auch Taxis angezeigt, diese stehen aber meist unter den von Uber-Partnern angebotenen Fahrzeugen.
Der größere Wettbewerbsnachteil dürfte sein, dass der Taxitarif in der Regel über den Preisen der Konkurrenz liegt, der sogenannten Mietwagenfahrer. Allerdings lässt das Ordnungsdezernat derzeit prüfen, ob Mindestentgelte für Mietwagenfahrten festgelegt werden könnten. Wenn eine solche Untergrenze käme, „wären wir nicht mehr viel teurer als Mietwagen“, sagte Koc. In Städten, die schon einen Mindestpreis für Mietwagen festgelegt hätten, liege dieser fünf bis sieben Prozent unter dem Taxitarif. Die zunehmende Regulierung des Mietwagengeschäfts, vermutet Koc, sei der wesentliche Grund dafür, warum die Safe Driver Group sich für die Vermittlung von Taxis interessiere.
Der Vorstand der Taxi eG wiederum, Clüver, sieht auch bei den Taxiunternehmen Veränderungsbedarf: „Der Taxitarif ist für viele Kunden privat einfach zu teuer geworden.“ Festgelegt werden die Entgelte zwar von der Stadt Frankfurt, allerdings auf Antrag der Taxi-Vereinigung. Deren Vorsitzender Koc sagte, niedrigere Tarife wären nur dann möglich, wenn beispielsweise nach einer verstärkten Vermittlung von Taxis durch Uber deren Auslastung wieder stiege.
