Wegen des Aufrufs zum Streik der Vereinigung Cockpit (VC) für Piloten der Lufthansa Passage, Lufthansa Cargo und der Regionaltochter Lufthansa Cityline hat die Lufthansa am Mittwoch einen Sonderflugplan veröffentlicht. Demnach kann mehr als die Hälfte des ursprünglich geplanten Flugprogramms angeboten werden. Bei Langstreckenflügen sind es 60 Prozent, bei Lufthansa Cargo mehr als 80 Prozent des Frachtflugprogramms, wie der Konzern mitteilte. Lufthansa Cityairlines wird alle geplanten Flüge abheben lassen.
Die Regionaltochter Lufthansa Cityline wird am Donnerstag bestreikt, soll am Freitag aber wieder nahezu regulär fliegen. Zudem würden zahlreiche Flüge von und nach Frankfurt und auch München von anderen Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe und von Partnerairlines übernommen.
Kunden, deren Flüge betroffen sind, sollen per E-Mail benachrichtigt werden. Passagiere, die nicht kontaktiert werden, können laut dem Konzern davon ausgehen, dass ihr Flug nicht betroffen ist.
Der Hub-Manager der Lufthansa für Frankfurt, Francesco Sciortino, bedankte sich bei den Piloten, die sich freiwillig gemeldet haben und am Donnerstag und Freitag trotz des Streikaufrufs fliegen werden.
Am Dienstagnachmittag hatte die Vereinigung Cockpit (VC) angekündigt, dass sämtliche von deutschen Flughäfen startende Flüge der genannten Lufthansa-Gesellschaften am Donnerstag und Freitag (12.03. und 13.03.) bestreikt würden. Ausnahmen gälten für Krisenflüge in den Nahen Osten (was allerdings laut Lufthansa nur einen Flug von Frankfurt nach Riad am Donnerstag betreffe).
Piloten bekommen im Ruhestand rund 8400 Euro
Hintergrund des Streiks sind die Vergütung der Piloten von Lufthansa Cityline und die betriebliche Altersvorsorge der Cockpitcrews bei Lufthansa Passage und Lufthansa Cargo.

Die Pilotengewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, seit dem jüngsten Streik am 12. Februar kein verhandlungsfähiges Angebot zur Rente vorgelegt zu haben. Bei Cityline sei das zuletzt am 25. Februar präsentierte Paket der Lufthansa „nicht annehmbar“, unter anderem wegen einer geforderten umfassenden Friedenspflicht bis Ende 2027. Cityline soll perspektivisch abgewickelt werden. Die Strecken sollen auf die junge Gesellschaft City Airlines übertragen werden, für die es bislang keinen Tarifvertrag gibt.
Die Gewerkschaft begründet die Forderung mit einer Systemumstellung, die 2017 auf Betreiben des Arbeitgebers erfolgt sei: Bis dahin hätten die Piloten eine klassische Betriebsrente mit garantierten Auszahlungen erhalten, die nun durch ein kapitalmarktfinanziertes Modell ersetzt worden sei – mit spürbar geringerem Versorgungsniveau. Die Tarifrunde bei Cityline wiederum läuft seit August 2025.
Lufthansa reagierte mit deutlicher Kritik auf die Streikankündigung und verwies auf die kurzen Fristen, die für Fluggäste große Unannehmlichkeiten erzeugten. Personalvorstand Michael Niggemann nannte das Verhalten der VC „in keiner Weise nachvollziehbar“ in einer Zeit, in der Passagiere mit dem Irankrieg ein neues Ausmaß an Unsicherheit erlebten. Zudem biete die Lufthansa Passage bereits eine hohe betriebliche Altersversorgung, die „sowohl im internen Vergleich innerhalb der Lufthansa Group als auch mit anderen Airlines, Branchen und Unternehmen eine sehr gute Altersabsicherung gewährleistet“. Diese sei über die Anhebung der versorgungswirksamen Bezüge für die Piloten sogar noch verbessert worden. Auch bei Cityline sei die Eskalation unnötig, weil man bereits Vergütungserhöhungen angeboten und sich offen für Lösungen gezeigt habe.
Niggemann hatte bereits bei den Streiks im Februar erklärt, dass Lufthansa sehr wohl zu Gesprächen unter anderem über die Anlagestrategie bereit gewesen sei, um zu höheren Renditen zu kommen. Piloten im Ruhestand bekämen ohnehin etwa 8400 Euro aus gesetzlicher und betrieblicher Rente – je nach Beschäftigungsdauer und Laufbahn. Für weitere Erhöhungen gebe es bei der Kernmarke, die ohnehin unter hohem Kostendruck leide, keinen Spielraum.
Statt des Streiks müssten vielmehr Gespräche zur Modernisierung und zur künftigen Flottengröße aufgenommen werden, was sich direkt auf Karriereperspektiven von Piloten auswirke, sagte Niggemann.
