
Die Bundesanwaltschaft erhebt vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt Anklage gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette. Der Siebenundsechzigjährigen werfen die Ermittler zweifachen versuchten Mord, die Beteiligung an versuchten und vollendeten Sprengstoffanschlägen, erpresserischen Menschenraub sowie besonders schweren Raub in Mittäterschaft vor.
Klette hatte viele Jahre unentdeckt unter falschem Namen im Berliner Stadtteil Kreuzberg gelebt. Ende Februar 2024 wurde sie enttarnt und festgenommen. Seit März 2025 läuft gegen sie ein Verfahren in Verden. Dort ist Klette wegen mehrerer Überfälle auf Geldtransporter angeklagt, die sie gemeinsam mit ihren Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg nach der Selbstauflösung der RAF verübt haben soll. Die Anklage der Bundesanwaltschaft in Frankfurt betrifft nun Taten, die Klette während ihrer Zeit bei der RAF begangen haben soll. An drei Anschlägen soll sie zwischen 1990 und 1993 mitgewirkt haben.
Anschläge in Eschborn, Bonn und Weiterstadt
So werfen ihr die Ermittler vor, im Februar 1990 an einem Sprengstoffanschlag auf ein Deutsche-Bank-Gebäude in Eschborn beteiligt gewesen zu sein. Vor dem Gebäude hatten die Terroristen einen mit 45 Kilogramm Sprengstoff beladenen VW-Golf abgestellt. Zur Explosion kam es nicht, weil die Zündvorrichtung versagte. Klette habe am Einbau des Sprengstoffs in den Kofferraum des Autos mitgewirkt, sagen die Ermittler. Laut Bundesanwaltschaft hätten bei einer Explosion drei Sicherheitskräfte getötet werden können.
Vorgeworfen wird Klette außerdem die Mittäterschaft beim RAF-Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Bonn im Februar 1991. Sie soll damals zu den drei Schützen gehört haben, die von der gegenüberliegenden Rheinseite aus mindestens 250 Schüsse auf das Botschaftsgebäude abgaben. 20 Menschen seien durch die Schüsse in Gefahr gewesen, heißt es in der Anklage.
Mittäterin soll Klette auch beim letzten Anschlag, den die RAF vor ihrer Selbstauflösung im April 1998 verübte, gewesen sein: Den Sprengstoffanschlag auf die neu gebaute, noch leer stehende Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt führte die Gruppe im März 1993 aus. Die RAF-Terroristen kletterten über die Gefängnismauer, überwältigten die Wächter mit einer Maschinenpistole und brachten sie in einem Transporter vom Gelände. Klette soll laut Bundesanwaltschaft mehrere Sprengsätze in dem Gefängnis angebracht haben. Durch die Explosionen entstand ein Schaden in Höhe von rund 63 Millionen Euro.
Das Oberlandesgericht muss nun im sogenannten Zwischenverfahren entscheiden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Diese Prüfung dauere üblicherweise einige Monate, teilt das Gericht mit. Nach Staub und Garweg, den mutmaßlichen Komplizen von Klette, wird weiterhin gefahndet.
