
Auch eine Woche nach Beginn der amerikanischen Spezialoperation im Nahen Osten rätselt die Welt noch, was den bekennenden Nichtinterventionisten, Friedensratgründer und FIFA-Friedenspreisträger Trump dazu brachte, von seinen ehernen Grundsätzen abzuweichen. Dabei liegen die Gründe doch auf der Hand. Wer einen Krieg beenden will, um den an der Trophäenwand noch fehlenden Friedensnobelpreis zu bekommen, muss erst einmal einen Krieg haben. Ölquellen und Wassergrundstücke sind für Trump immer eine Versuchung. Und dann musste er, wie er sagte, doch den anderen erwischen, bevor der ihn erwischte. Das lernt man schon in jedem schlechten Western, in dem das Völkerrecht auch nie eine Rolle spielt.
Um das Duell mit „einem der bösartigsten Menschen der Geschichte“ für sich zu entscheiden, nahm Trump sogar in Kauf, dass dieser Unmensch jetzt im Paradies ist und dort als Märtyrer die Premium-Behandlung durch die hundert Jungfrauen erfährt. Diese ewige Fürsorge wäre Khamenei entgangen, wenn er seine Seele ganz gewöhnlich auf einer Pflegestation ausgehaucht hätte. Vielleicht hat der Oberste Führer sich, er war ja schon 86, und man weiß ja nie, auch deshalb so leicht von Trump erwischen lassen.
Hat Trump „Wag the dog“ gesehen?
Der könnte für die – klar rechtswidrige – Sterbehilfe für Khamenei noch einen weiteren Grund gehabt haben. Möglicherweise hat Trump nicht nur die B-Movies mit Ronald Reagan geschaut, sondern auch „Wag the Dog“ (Deutscher Titel: „Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“). In der prophetischen Satire von 1997 sorgt der amerikanische Präsident sich um seine Umfragewerte, weil ihm sexuelle Belästigung einer Minderjährigen vorgeworfen wird. Sein Spindoktor erfindet zur Ablenkung der Öffentlichkeit einen nur im Filmstudio stattfindenden Krieg gegen Albanien, das die USA mit einer Atombombe bedroht haben soll.
Und auch Trump leidet, wie seine Sprecherin sagte, unter einem „Gefühl der kumulativen Bedrohung“, womit sie wohl nicht nur die iranischen Atombomben meinte, sondern auch die Sprengsätze in den Epstein-Akten. Gerade musste der Bericht einer Frau entschwärzt werden, die behauptet, als Minderjährige von Trump missbraucht worden zu sein. Gut möglich also, dass auch der real existierende Präsident sich Ablenkung von diesem Skandal gewünscht hat.
Hegseth wie Dönitz: Angriff, ran, versenken!
Ein Fake-Krieg kam für den sich der Wahrheit verpflichtet fühlenden Obersten Führer Amerikas natürlich nicht infrage. Da traf es sich gut, dass es auch Trumps Kriegsminister schon langweilte, immer nur in der Karibik kleine Rauschgiftschmugglerboote aus dem Wasser zu blasen. Haben Sie gesehen, wie begeistert Hegseth von der Versenkung der iranischen Fregatte im Indischen Ozean berichtete? Es stimmte zwar nicht, dass das der erste erfolgreiche U-Boot-Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen ist; da hat er die Briten vor den Falklands vergessen. Aber sein Auftritt war filmreif. Als Hegseth stolz wie Oskar zeigte, wie der Torpedo die Fregatte erwischte, musste man zwangsläufig an Dönitz denken und an „Angriff, ran, versenken!“
Und wir hätten doch auch ein paar U-Boote, mit denen wir den Israelis in ihrem Krieg gegen Iran beistehen könnten, was ja eigentlich unsere verdammte Pflicht und Staatsräson ist. Aber wenn unsere Boote so kopflastig sind wie die ganze Bundeswehr, sollten wir uns, da hat Markus Söder, der Schirmherr der Pauschalurlauber, schon recht, lieber auf die Rettung unserer in der Kriegsregion gestrandeten Landsleute konzentrieren.
Selbstverständlich müssen die jetzt auf Staatskosten von ihren schwimmenden Touristentransportern geholt werden, insbesondere wenn „all inclusive“ gebucht worden war. Und Rückzug können wir ja. Wie damals im Kessel von Stalingrad muss dabei natürlich gelten: Die Vulnerablen zuerst!
Dann könnte Putin jedenfalls uns Deutschen nicht eine „zynische Missachtung aller Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts“ vorwerfen, wie er es in seinem Kondolenzschreiben an die Mullahs nach dem „Mord“ an Khamenei tat. Wieso haben Baerbock, Reichinnek und Weidel ihn nicht dafür gelobt? Einen so mächtigen Anhänger und Verteidiger des Völkerrechts findet man heutzutage nicht mehr oft.
