
Der größte Flugzeugträger der Welt, die amerikanische USS Gerald R. Ford, muss ihren gegenwärtigen Einsatz im Roten Meer zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“ gegen Iran unterbrechen. Wie internationale Medien unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen am Mittwoch berichteten, befinde sich das Schiff auf dem Weg nach Kreta. Dort soll es in der Basis Souda vor Anker gehen, um notwendige Reparaturen vorzunehmen. Der Abzug des Schiffs ist eine signifikante Schwächung der amerikanischen Feuerkraft in der Region, auch wenn die USS George H. W. Bush sie angeblich in den nächsten Wochen ablösen soll.
Anlass für den Trip nach Kreta ist ein Feuer, das in der vorigen Woche an Bord ausgebrochen war. Wie das zuständige Marinekommando am vergangenen Donnerstag auf der Plattform X mitteilte, sei der Brand in der Wäscherei des Schiffs ausgebrochen und habe nichts mit den Kampfhandlungen gegen Iran zu tun gehabt. Der Atomantrieb des Schiffs sei nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, hieß es weiter.
Zwei Besatzungsmitglieder hätten Verletzungen erlitten, die jedoch nicht lebensbedrohlich seien, und die Einsatzbereitschaft sei nicht beeinträchtigt, hieß es damals in der Mitteilung. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete allerdings, dass fast 200 Seeleute auf Rauchvergiftungen untersucht werden mussten und ein Besatzungsmitglied wegen Verletzungen ausgeflogen worden sei.
Eine Untersuchung soll stattfinden
Wie die „New York Times“ berichtete, habe es 30 Stunden gedauert, bis das Feuer gelöscht worden sei. Es habe unter anderem auch auf Schlafquartiere der Besatzung übergegriffen, sodass bis zu 600 Mitglieder der mehr als 4000 Mann starken Besatzung ihre Schlafplätze verloren hätten. Diese hätten auf Tischen oder dem Boden schlafen müssen, hieß es weiter.
Die Marine habe daraufhin rund 1000 Matratzen von der noch im Bau befindlichen USS John F. Kennedy eingeflogen, berichtete das Fachportal USNI News. Außerdem seien rund 2000 Trainingsanzüge zur Gerald R. Ford gebracht worden, da wegen der Schäden in der Wäscherei die Kleidung der Besatzung nur noch unzureichend gereinigt werden könne.
Einem Bericht der griechischen Zeitung „Kathimerini“ zufolge soll in Souda auch die Brandursache untersucht werden. Explizit nennt die Zeitung die Möglichkeit, das Feuer sei von der erschöpften Besatzung selbst verursacht worden. Die Gerald R. Ford befindet sich derzeit im neunten Monat auf See. Normalerweise dauern die Einsätze nur rund ein halbes Jahr.
Dann gibt es noch das Problem mit den Toiletten
Der Einsatz der Gerald R. Ford wurde aber schon zweimal verlängert. Beim ersten Mal ging es um die Teilnahme an der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar, danach wurde sie ins Rote Meer für die Operationen gegen Iran beordert.
Der frühere amerikanische Admiral John Kirby sagte der „New York Times“, dass sowohl das Schiff als auch die Besatzung über einen solch langen Zeitraum ermüdeten. Sollte die Gerald R. Ford wie angedacht tatsächlich frühestens im Mai in ihren Heimathafen zu den schon für vergangenes Jahr geplanten Überholungen zurückkehren, könnte sie einen neuen Rekord für die längste Einsatzzeit eines amerikanischen Marineschiffs aufstellen.
Das Feuer war allerdings nicht das erste Problem, welches auf dem größten jemals gebauten Kriegsschiff auftrat. Quasi seit ihrer Indienststellung hatte die Gerald R. Ford Probleme mit dem installierten Toilettensystem. Wie der amerikanische Sender NPR schon im Januar berichtete, sei dies immer wieder ausgefallen. Beim Bau des Flugzeugträgers habe man sich entschieden, ein System zu installieren, welches auch auf Kreuzfahrtschiffen in Betrieb ist.
Die Besatzung trägt Mitschuld
Dabei handelt es sich um ein Vakuumsystem, das weniger Wasser verbrauchen soll als herkömmliche Systeme. Schon 2020 hatte der Oberste Rechnungshof festgestellt, dass es zu klein und schlecht geplant worden sei. Es wurde wohl nicht bedacht, dass ein Kriegsschiff gänzlich andere Anforderungen hat als ein Kreuzfahrtschiff, das alle paar Tage in einem Hafen vor Anker geht. Einmal habe es auf der Gerald R. Ford über einen Zeitraum von vier Tagen mehr als 200 Störungen gegeben, heißt es bei NPR. Das System ist demnach in zehn Abteilungen aufgeteilt, und bei einer Störung falle der ganze Abschnitt aus.
Einerseits beruhen die Probleme wohl auf einer natürlichen Ursache. Dies sind Kalkablagerungen, die die engen Rohre verstopfen. Dem Bericht des Rechnungshofs zufolge kostet es rund 400.000 Dollar, das System einer Säurespülung zu unterziehen, um die Rohre wieder frei zu bekommen. Das sei seit 2023 mehr als zehnmal geschehen und könne nur im Hafen vorgenommen werden.
Andererseits liegen die Probleme wohl an der Besatzung. So hätten Techniker auch Gegenstände aus den Rohren entfernen müssen, die dort nicht hingehören: Seilstücke oder T-Shirts beispielsweise.
