
Für Präsident Donald Trump läuft es nicht nach Plan: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve verweigert ihm erneut die gewünschte Leitzinssenkung. Fed-Chef Jerome Powell sagte, höhere Energiepreise würden die Gesamtinflation kurzfristig nach oben treiben. Noch sei es jedoch zu früh, um abzuschätzen, wie lange die möglichen Folgen für die Wirtschaft anhalten werden. Zugleich steigt ein besonders sensibler Signalpreis in politisch gefährliche Höhen: In den USA gelten mehr als 3 Dollar pro Gallone Benzin als heikel.
Der durchschnittliche Benzinpreis stieg nach Angaben des Automobilclubs AAA am Donnerstag auf 3,84 Dollar pro Gallone, knapp einen Dollar mehr als vor einem Monat. Das ist zwar immer noch etwas weniger als 1 Euro je Liter, liegt aber deutlich oberhalb der Toleranzschwelle vieler Amerikaner. Sie erinnern sich schmerzhaft daran, dass die Gallone unter Präsident Joe Biden im Schnitt um die 3,50 Dollar kostete, in den schlimmsten Phasen des Jahres 2022 aber auf rund 5 Dollar stieg. Preise deutlich höher als 3 Dollar gelten vielen als Zeichen dafür, dass das Leben weiterhin zu teuer ist. Dafür straften sie die Demokraten ab und brachten Trump zurück ins Weiße Haus.
Vor allem Pick-up-Fahrer trifft der Preisanstieg
Seine Wähler trifft der Preisanstieg besonders hart, weil sie überdurchschnittlich oft große Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fahren. Ihr bevorzugtes Modell ist der Ford F-150, gefolgt vom Chevrolet Silverado, ebenfalls ein Pick-up. Beide verbrauchen rund 13 Liter auf 100 Kilometer und gehören zu den meistverkauften Fahrzeugen Amerikas. Datenanalysen zeigen, dass Ford-Pick-ups in republikanisch geprägten Regionen besonders beliebt sind und dort einen beachtlichen Anteil des Fahrzeugbestands ausmachen.
Pick-ups gelten in konservativen Gegenden zudem als Ausdruck kultureller Identität. Sie werden so vermarktet, dass sie Robustheit, Unabhängigkeit und eine konservative Lebenshaltung verkörpern. Eine Auswertung von Fahrzeugzulassungen in Pennsylvania ergab, dass Ford-Trucks und andere große Pick-ups vor allem in Regionen mit hohem republikanischem Wähleranteil verbreitet sind, während in städtischen und liberalen Gebieten eher importierte Marken wie Toyota oder Subaru dominieren.
Bei Elektroautos überwiegen dagegen derzeit die Demokraten unter den Besitzern. Studien zufolge bezeichnen sich rund 54 bis 60 Prozent der heutigen E-Auto-Halter als Demokraten, gegenüber 26 bis 30 Prozent Republikanern.
Auch Düngermittel sind teurer
Das zweite große Problem für Trump sind die Düngerpreise. Wie ernst das Weiße Haus das Thema nimmt, zeigt sich daran, dass Trumps wichtigster Wirtschaftsberater Kevin Hassett damit befasst ist. Er treibt die Suche nach Ersatz für kriegsbedingt ausgefallene Düngemittellieferungen voran. Um Engpässe vor der Aussaat abzufedern, setzt die Regierung auf zusätzliche Produktion in Venezuela und sondiert Lieferungen aus Marokko.
Die Maßnahmen versteht Hassett als eine Art Versicherung für die amerikanische Landwirtschaft, die von den Verwerfungen des Iran-Kriegs schon getroffen ist: Die Preise für verfügbare Düngemittel sind laut Reuters seit Kriegsbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen.
Gregg Ibendahl, Agrarprofessor an der Kansas State University, rechnet vor: Auf einem typischen Getreidebetrieb in Kansas könnten allein die Dieselausgaben um rund 10.000 Dollar steigen; hinzu kämen Mehrkosten für Dünger von 12.000 bis 15.000 Dollar. Insgesamt verteuere sich die Produktion damit um mindestens 25.000 Dollar je Betrieb.
Amerikanische Bauern bauen weniger Mais an
Amerikas Bauern stehen kurz vor der Aussaat und damit vor der Frage, ob sie angesichts deutlich teureren Düngers Mais drillen sollen, der viel Stickstoff braucht, oder auf genügsamere Sojabohnen ausweichen. Damit sind Zweitrundeneffekte verbunden. Schon vor der Düngerkrise ging der Trend in den USA weg vom Mais, berichtet Ibendahl. Dieser Trend dürfte sich nun verstärken. Mais ist das wichtigste Futter für Rinder, deren Preise ohnehin schon so hoch sind wie lange nicht, weil die Herden historisch klein sind.
Ibendahl fürchtet daher, dass die Rindfleischpreise auf absehbare Zeit hoch bleiben werden. „Je größer die Risiken und Unsicherheiten in der Landwirtschaft sind, desto eher schrecken Rinderhalter davor zurück, mehr weibliche Jungtiere zur Vergrößerung ihrer Herden zurückzuhalten.“ Deshalb dürften die Rindfleischpreise in den USA wohl noch mindestens einige Jahre auf hohem Niveau bleiben, kalkuliert der Agrarökonom.
Die Blockade von Hormus verteuert damit Steaks und Hamburger. Das belastet nicht nur Trumps eigenen Speiseplan, sondern ist auch politisch riskant: Seine Wähler essen mehr Fleisch.
