Im Südosten Finnlands sind am Sonntag zwei Drohnen abgestürzt. Eine davon war ukrainischer Herkunft, die andere konnte zunächst nicht identifiziert werden. Das gab am Sonntagabend der Kommandant der Luftwaffe, Timo Herranen, bekannt.
Die Drohnen stürzten in der Nähe der Stadt Kouvola ab. Der ehemalige Forschungsleiter der Streitkräfte und Sachbuchautor Jyri Kosola sagte am Montag dem Sender YLE, eine der beiden Drohnen sei offenbar explodiert, sie habe mutmaßlich zwischen 50 und 75 Kilogramm Sprengstoff getragen. Die Behörden hatten eine Explosion bisher nicht bestätigt. Kosola zufolge stammen beide Drohnen aus der Ukraine.

Laut den Streitkräften handelt es sich bei der südlich von Kouvola abgestürzten Drohne um ein ukrainisches Gerät vom Typ AN-196. Das hat Fachleuten zufolge eine Reichweite von etwa 1200 Kilometern, die Spannweite beträgt 6,7 Meter, das Gewicht bis zu 300 Kilogramm. Mit Drohnen dieses Typs hat die Ukraine Berichten zufolge bereits mehrfach russische Energieinfrastruktur zerstört.
Angriffe auf russische Häfen
Die Ukraine hatte zuletzt die russischen Ostseehäfen in der Region Leningrad angegriffen, etwa den von Ust-Luga. Der für Russland wichtige Hafen wurde auch am Wochenende von Drohnen getroffen. Es entstand ein Brand, der vom Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, bestätigt wurde. Videos in sozialen Netzwerken zeigen eine große schwarze Rauchwolke über dem Hafen. Über die Ostsee exportiert Russland einen großen Teil seines Öls. Die Ukraine will den Export eindämmen und so die russischen Einnahmen schmälern. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verfügen die Russen infolge der Attacken auf die Ölindustrie nur noch über 40 Prozent der Kapazitäten im Leningrader Gebiet.
Finnland hatte deswegen zuletzt die Überwachung seines Luftraums verstärkt. Bei dem Vorfall stiegen finnische Kampfflugzeuge auf, schossen die Drohnen aber aus Sorge vor Kollateralschäden nicht ab. Als Grund für den Absturz der Drohnen werden in Helsinki die von Russland in der Region immer wieder massiv gestörten GPS-Signale genannt. Damit will Moskau Drohnenangriffe unterbinden.
Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo sagte am Sonntag, die Ukraine habe das Recht, sich selbst gegen Russland zu verteidigen. Doch dürfe kein Staat den finnischen Luftraum verletzen. Die Ukraine habe in der vergangenen Woche Angriffe auf die Nachbarregionen Finnlands durchgeführt. „Es ist offensichtlich, dass dies eine Folge davon ist.“ Präsident Alexander Stubb sagte, es bestehe keine militärische Bedrohung für Finnland. „Finnland ist bereit, unser Hoheitsgebiet zu überwachen und zu sichern“, so Stubb. Verteidigungsminister Antti Häkkänen gab an, die finnischen Behörden nähmen die Vorfälle sehr ernst.
