Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich enttäuscht über das Scheitern des milliardenschweren deutsch-französischen Rüstungsprojekts für einen neuen Kampfjet geäußert. Das Aus des Vorhabens schmerze ihn sehr, sagte Pistorius. Zugleich betonte er, dass das Ende des Projekts nicht überraschend komme, da zuletzt keine Einigung mehr erreichbar gewesen sei.
FCAS steht für Future Combat Air System und war ein deutsch-französisches Projekt zur Entwicklung eines neuen Luftverteidigungssystems. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten das Vorhaben 2017 nach der ersten Wahl von Donald Trump angekündigt. Ein mit Tarnkappentechnik ausgestatteter Kampfjet sollte bei der deutschen Luftwaffe den Eurofighter Typhoon und bei den französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen.
Pistorius sagte, FCAS sei ein ambitioniertes europäisches Großprojekt gewesen, das an der Realität gescheitert sei. Es gebe jedoch keinen Anlass für die Annahme, dass das deutsch-französische Verhältnis dadurch belastet werde. Die Zusammenarbeit beider Länder in Europa bleibe weiterhin von großer Bedeutung.
Unterschiedliche Anforderungen der Luftwaffen
Als ein Grund für das Scheitern gelten die unterschiedlichen Anforderungen der beiden Luftwaffen. Französische Kampfjets sollen auch auf Flugzeugträgern landen und Atomwaffen tragen können. Die deutsche Luftwaffe benötigt hingegen ein schnelles Jagdflugzeug.
Auch ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögerte das Projekt. Der französische Rüstungskonzern Dassault beanspruchte bei der Entwicklung des Kampfjets eine Führungsrolle. Bei Airbus vertrat man die Auffassung, Dassault halte sich damit nicht an bestehende Absprachen.
Frankreich und Deutschland hatten sich auf politischer Ebene bis zuletzt um eine Fortsetzung des Vorhabens eingesetzt. Ende März setzten beide Länder ein deutsch-französisches Vermittlerteam ein, um einen Kompromiss zu finden.
Alternativprojekt geplant
Ein Bündnis aus acht Rüstungsfirmen plant nun die Entwicklung eines europäischen Alternativprojekts. Das »Team Gen 6« habe ein Positionspapier erarbeitet und dieses dem Bundesverteidigungsminister übermittelt, sagte ein Sprecher des deutschen Rüstungskonzerns Hensoldt. Weitere Informationen zu dem Vorhaben sollen am Donnerstag auf der Luftfahrtmesse ILA bekannt gegeben werden.
Das Bündnis »Team Gen 6« ist ein Zusammenschluss von Airbus Defence and Space, Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA, MTU Aero Engines sowie Rohde und Schwarz.
Pistorius nannte nach dem FCAS-Aus mehrere Optionen: Die Bestellung weiterer F35 US-Kampfjets, den Einstieg in ein bestehendes und bereits laufendes internationales Projekt sowie den Start eines neuen, unter deutscher Führung geleiteten Projekts bei Airbus.
Die europäische Zusammenarbeit ist in der aktuellen politischen und militärischen Lage wichtig, um Herausforderungen wie Kriegen, Aufrüstung, wirtschaftlichem Druck und geopolitischen Spannungen wirksam begegnen zu können.
