„Völlig unerwartet“ habe ihn die „verstörende“ Geschichte im „Spiegel“ getroffen, schreibt der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre in einem Statement, das er auf Instagram postete und das er auch an den „Spiegel“ schickte. Die Vorwürfe, die Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann erhebe, seien „einfach nur fürchterlich“, so Stuckrad-Barre. „Digitale sexualisierte Gewalt ist Gewalt. Und bei Gewalt endet alles, wirklich alles.“
Er habe Christian Ulmen seit mehr als 30 Jahren gekannt, es habe sie eine enge Freundschaft verbunden, so schreibt der Autor weiter. Er habe geglaubt, Ulmen recht gut zu kennen. „Mit meinem Freund Christian konnte ich das ihm vorgeworfene entwürdigende Verhalten zwar überhaupt nicht zusammenbringen, ich muss das aber jetzt tun, das ist die Lage.“ Sein Mitgefühl und seine Solidarität gehörten in dieser Lage „alleiniglich“ Collien Fernandes.
Christian Ulmen bewarb Stuckrad-Barres Buch „Noch wach?“
In einem „Spiegel“-Bericht und später auf Instagram hatte Collien Fernandes Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Komiker Christian Ulmen, erhoben. Der Fünfzigjährige sei für die Verbreitung von gefälschten Nacktfotos und Sexvideos von ihr verantwortlich, die „privat anmuten und so wirken sollten, als habe ich mich selbst nackt fotografiert und heimlich beim Sex gefilmt“. Er habe diese Aufnahmen „Hunderten von Männern“ geschickt. Der Anwalt Ulmens spricht gegenüber der F.A.Z. von „unwahren Tatsachen“ und kündigt rechtliche Schritte an; es gilt die Unschuldsvermutung.
Benjamin von Stuckrad-Barre hat sich als Autor schon in der Vergangenheit mit Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt beschäftigt. In seinem 2023 erschienenen Roman „Noch wach?“ geht es um Machtmissbrauch durch den Chefredakteur eines Medienhauses. Für diesen Roman hatte unter anderen Christian Ulmen auf Instagram geworben.
In einem im „Spiegel“ erschienenen Interview erklärte Stuckrad-Barre 2023, einst selbst Opfer von sexuellem Missbrauch geworden zu sein. Er habe mit 19 Jahren einen Übergriff von einem mächtigen Mann in der Musikindustrie erlebt.
Auf Instagram führt Stuckrad-Barre seine Distanzierung von Christian Ulmen weiter aus: „Die Beschäftigung mit diesem Thema hat mich leider gelehrt, dass wir, vor allem wir Männer, uns einen Satz wirklich abgewöhnen müssen: ‚Das kann ich mir nicht vorstellen.‘“ Er müsse sich ganz klar von seinem Freund Christian distanzieren, so Stuckrad-Barre, „weil Schweigen nicht ganz zu Unrecht aufgefasst werden könnte als Billigung“. Die meisten Gewalttaten gegenüber Frauen fänden in Beziehungen statt, und unter den Tätern befänden sich auch Menschen, „die wir bewundern oder lieben“. Männer hätten nun die Aufgabe, aufmerksamer zu werden gegenüber gewaltvollem Verhalten. „Wir dürfen keine Täter beschützen.“
