
Volkswagen plötzlich wieder an der Spitze, BYD abgehängt, die Elektroautos schwächeln, und nur der Export rettet die Hersteller: 2026 ist auf dem chinesischen Automarkt bisher ein Jahr voller unerwarteter Kapriolen. In manchen chinesischen Automedien ist von einem „Höllenstart“ die Rede. „Noch blutiger und brutaler“ werde der Wettbewerb, hieß es von Xpeng-Chef He Xiaopeng. Die Folgen sind auf der ganzen Welt zu spüren.
Die Hauptursache dieser Verwerfungen ist eine Reduktion der Steuererleichterungen für Elektroautos. Bis Ende vergangenen Jahres wurde die Mehrwertsteuer für Elektroautos bis 300.000 RMB komplett erlassen, umgerechnet rund 37.500 Euro. Seit dem Jahreswechsel werden nun aber fünf Prozent fällig, die Hälfte des gewöhnlichen Steuersatzes. Die maximalen Erleichterungen je Fahrzeug wurden auf 15.000 RMB, etwa 1900 Euro, gedeckelt. Viele Kunden kauften ihre Autos einige Monate zuvor.
Autoproduktion in China eingebrochen
Die Folge sind enorme Verwerfungen auf dem Automarkt. Die gesamte Autoproduktion, die den heimischen Absatz und die Ausfuhren zusammenfasst, büßte im ersten Quartal knapp ein Zehntel gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein und fiel damit unter die Marke von sechs Millionen Autos, heißt es laut Daten, die das chinesische Ministerium für Industrie am Freitag veröffentlichte.
Dass das Minus nicht noch viel größer ausfiel, lag einzig an den Ausfuhren. Die chinesische Autowelle rollt und wird immer schneller. Allein in den ersten drei Monaten lieferte China 2,2 Millionen Fahrzeuge in alle Welt – ein Plus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn 2025 und mehr als im gesamten Jahr 2021. Knapp eine Million davon waren Elektroautos, deren Lieferungen in alle Welt sich mehr als verdoppelte. Fast jedes dritte Auto, das in China produziert wird, ist damit inzwischen für den Export bestimmt.
„Die Autoausfuhren haben eine Phase extrem hohen Wachstums erreicht und unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Autoverbandes CPCA. Wie in so vielen Branchen sind es die Ausfuhren, die Chinas Industrie vor einem „Blutbad“ retten. China ist damit auf bestem Weg, den Rekord von sieben Millionen exportierten Autos im vergangenen Jahr zu pulverisieren, und setzt damit andere Fabrikstandorte wie etwa Deutschland enorm unter Druck.
Chinas E-Autohersteller kämpfen ums Überleben
Peking hat mit dem neuen Fünfjahresplan deutlich gemacht, dass die Elektroautos in eine neue Phase eingetreten sind. Sie sind aus der Liste der bevorzugten Industrien rausgefallen und erhalten damit weniger politische Unterstützung. Stattdessen steht nun eine Konsolidierung an. Die Hersteller kämpfen ums Überleben und wollen verhindern, dass sie zu Opfern einer Bereinigung werden.
Der Anteil der Elektroautos sank in den ersten drei Monaten aufgrund der höheren Steuern deutlich. Ende 2025 hatten elektrifizierte Autos, die sowohl reine Elektroautos als auch Hybride beinhalten, über mehrere Monate hinweg mehr als die Hälfte der Neuwagenverkäufe ausgemacht. Im Januar und Februar fiel der Anteil in einem insgesamt schwachen Markt auf zwei Fünftel. Dies spülte den Volkswagen-Konzern, der bisher kaum Elektroautos in China verkauft, plötzlich wieder an die Spitze der Rangliste, die etwa das Beratungshaus Automobility Monat für Monat aufstellt. Doch der Sondereffekt ist von kurzer Dauer, weil der Anteil der elektrifizierten Autos am Gesamtverkauf im März auf mehr als 50 Prozent zulegte.
Als großer Gewinner gilt aktuell der Geely-Konzern, dessen Aktienkurs in Hongkong seit Anfang März um mehr als drei Fünftel gestiegen ist. Geely, Großaktionär von Mercedes und in Europa für die Marke Volvo bekannt, meistert die Transformation viel besser als andere Konzerne, die aus der Verbrennerwelt kommen. Das Unternehmen hat zuletzt auch den schwächelnden BYD-Konzern überholt, der zeitweise auf Rang vier abrutschte.
Es gibt in China jedoch sehr viele unterschiedliche Ranglisten, weil die verschiedenen Gemeinschaftsunternehmen zwischen westlichen Marken und chinesischen Herstellern unterschiedlich zugeordnet werden können. Der BYD-Absatz sinkt indes seit mehr als einem halben Jahr, das Ziel für 2025 wurde deutlich verfehlt. Inzwischen verkauft das Unternehmen fast jedes zweite seiner Autos im Ausland.
Für Deutschlands Autohersteller scheint der plötzliche Erfolg von Volkswagen dagegen wenig mehr als ein Flackern zu sein. Der Niedergang von Porsche ist ungebremst, die Verkäufe sanken um ein weiteres Fünftel auf nur noch 7500 Autos. Der chinesische Markt, einst ein Eckpfeiler des stolzen Sportwagenherstellers, machte nur noch rund ein Achtel der gesamten Porscheverkäufe aus. Mercedes verkaufte in den ersten drei Monaten nur noch 111.000 Autos in die Volksrepublik, ein Minus von 27 Prozent. Damit fiel der China-Anteil am Gesamtabsatz auf nur noch etwas mehr als ein Fünftel. Die Stuttgarter sprachen von einem weiteren Übergangsjahr.
Nachdem sie sich auf dem größten Automarkt der Welt lange etwas besser behaupten konnten als die Konkurrenz aus den USA oder Japan, verlieren deutsche Hersteller inzwischen schneller an Boden. Im vergangenen Jahr büßten sie insgesamt knapp ein Zehntel ein, während japanische Hersteller laut Daten von Automobility nur rund 5 Prozent verloren und US-Marken sogar wieder minimal zulegten.
