Die Pflicht hat der FSV Mainz 05 in den vergangenen Wochen gemeistert, nun dürfen sich die Rheinhessen auf die Kür freuen. Ohne die ganz großen Abstiegssorgen und mit viel Euphorie im Rücken will der Fußball-Bundesligist an einem außergewöhnlichen Europapokal-Abend seine einmalige Chance nutzen und weiter vom ganz großen Coup in der Conference League träumen.
Das erste Europapokal-Viertelfinale in der Mainzer Vereinsgeschichte sei «ein spezielles Spiel, ein historisches Spiel für den Club», sagte Trainer Urs Fischer vor dem Hinspiel zu Hause am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL+). Eine Woche später findet in Straßburg der Showdown im Kampf ums Halbfinale statt. «In zweimal 90 Minuten gegen einen starken Gegner haben wir alle Möglichkeiten», sagte Sportdirektor Niko Bungert vor dem prickelnden Duell.
Vorfreude bei Fans, Spielern und Verantwortlichen
Auf die Unterstützung ihrer Fans können sich die FSV-Profis jedenfalls verlassen. «Alle in Rot» heißt das Motto der Mainzer Anhänger vor dem Heimspiel. Das stand auch auf einem Banner, das die Fans den Spielern nach dem 2:1 zuletzt bei der TSG 1899 Hoffenheim übergaben. «Ich habe keine Ahnung, was da drauf stand. Ich spiele nicht in Rot», sagte Torhüter Daniel Batz lachend.
Gerade mal rund 160 Kilometer Luftlinie trennen Mainz und Straßburg. Für das Rückspiel in Frankreich nahe der deutschen Grenze war das Auswärtskontingent mit 2.000 Karten schnell vergriffen. «Das haben wir uns verdient – mit Spielern und Fans, dass wir diese Spiele jetzt weiter genießen können. Da freuen wir uns total drauf», äußerte Bungert.
Geheimniskrämerei um Amiri-Rückkehr
Ob am Donnerstag Nationalspieler Nadiem Amiri nach seiner Fersenverletzung in den Kader zurückkehren wird, daraus machte Fischer einen Tag vor dem Spiel noch ein Geheimnis. «Also eines kann ich zu 100 Prozent sagen: Wenn er auf der Bank sitzt, kann er spielen. Sonst würde er nicht auf der Bank sitzen», äußerte der Coach.
Auf die Nachfrage, ob Amiri denn auch tatsächlich auf der Bank sitzen werde, antwortete Fischer: «Das werden Sie morgen sehen.» Immerhin nahm der Mittelfeldspieler in dieser Woche wieder am Training teil.
Auch ohne Amiri machten die Rheinhessen in den vergangenen Wochen in der Bundesliga große Schritte Richtung Klassenverbleib. Nach drei Siegen in Folge in der Bundesliga und einem Polster von acht Punkten auf den Relegationsrang können die 05er ihren Fokus deshalb fast schon ganz auf die Conference League legen. Doch Fischer will trotzdem nicht zu euphorisch werden. «Es hört sich profan an, aber es ist wirklich wichtig, von Spiel zu Spiel zu denken», sagte der 60-Jährige zuletzt dem «Kicker».
Straßburg als bisher größte Hürde in der Conference League
Mit Straßburg wartet auf die Mainzer die bislang stärkste Mannschaft dieser Conference-League-Saison. Die Ligaphase schloss der dreimalige französische Pokalsieger und nationale Meister der Spielzeit 1978/1979 mit fünf Siegen und einem Remis auf dem ersten Platz ab. Im Achtelfinale taten sich die Elsässer gegen HNK Rijeka aus Kroatien überraschend schwer, setzten sich am Ende aber durch.
Der FSV wiederum kam gegen den tschechischen Verein Sigma Olmütz weiter. Straßburg aber dürfte ein anderes Kaliber und die bisher größte Hürde in dieser Europapokal-Saison für die Mainzer werden.
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