Liebe Leserin, lieber Leser,
unserem Gastrokritiker Michael Allmaier, der Sie freitags an dieser Stelle begrüßt, will und kann ich
natürlich keine Konkurrenz machen. Schöne Grüße an dieser Stelle! Aber zum
Thema Spaghettieis muss ich ein paar Worte sagen.
Für mich bedeutet
Spaghettieis: Der Winter ist vorbei, es wird wärmer, erste Nachmittage auf der
Terrasse einer Eisdiele. Daher bestelle ich im Frühjahr, wenn sich die Sonne
zeigt, besonders gern Spaghettieis. So auch in den vergangenen Tagen. Mit dem
Ergebnis war ich aber nicht ganz zufrieden.
Am Freitag hörte ich in
meiner Straße das Klingeln des Eiswagens. Ich ging raus und kaufte ein
Spaghettieis (eine kleine Aufwertung des Home-Office-Alltags, die ich
uneingeschränkt empfehle). Aber das Eis … Es hatte nicht nur Sahne unter der Schicht aus
Vanilleeis, wo sie hingehört, sondern auch einen großen Klecks obenauf. Dazu kamen
Krokantsplitter. Fazit: Zu sahnig, der Krokant machte das Ganze zu süß, leider
nicht mein Fall.
Am Samstag aß ich in einem
gehobenen Fischrestaurant direkt an der Elbe ein weiteres Spaghettieis, es
stand auf der Dessertkarte. An sich: Lecker, nur war es mit rosa
Baiser-Kügelchen und ein paar Blättern Basilikum versehen. Gegen Basilikum habe
ich nichts, aber in Kombination mit dem zuckrigen Baiser leider eine
Fehlentscheidung.
Was wieder mal zeigt: Das Spaghettieis
schmeckt am besten pur. Das sieht auch dessen Schöpfer so, Dario Fontanella,
der das Eis im Jahre 1969 erfand. Mein Kollege Michael Allmaier hat Fontanella vor
längerer Zeit porträtiert (Z+). Auch ich habe ihn schon
interviewt und bei ihm gegessen – in seiner Mannheimer Eisdiele, wo er das
Spaghettieis noch heute serviert, gibt es nur das Original. Mit Sahne,
Vanilleeis, Erdbeersauce und weißer Schokolade.
Ich habe mir nun vorgenommen,
das beste Original-Spaghettieis in Hamburg zu suchen. Sollten
Sie Tipps haben, schreiben Sie gern eine Mail an hamburg@zeit.de, Betreff:
Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Yannick Ramsel
Wollen
Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten
sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.
WAS HEUTE WICHTIG IST
Am Donnerstag soll ab 17.30 Uhr am Hamburger
Rathausmarkt eine Demonstration für die Opfer sexualisierter Gewalt stattfinden. Aufgerufen hat
dazu die Bürgerschaftsabgeordnete Annika Urbanski (SPD). Anlass und Hintergrund
sind die schweren Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes
gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen.
Angesichts der aktuellen Debatte über digitale
Gewalt fordert auch Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina schärfere Gesetze
und ruft betroffene Frauen auf, Anzeige zu erstatten. So will die
Grünen-Politikerin Plattformen stärker in die Pflicht nehmen,
Strafbarkeitslücken schließen und ein digitales Gewaltschutzgesetz schaffen.
Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard
(SPD) hat den Warnstreiks im Nahverkehr Rückendeckung gegeben. Auf dem
SPD-Landesparteitag nannte sie das Thema Arbeitskampf und Streik eine “wichtige
Säule der sozialen Marktwirtschaft”. Am Samstag standen zum achten Mal in
diesem Jahr alle U-Bahnen und einige Busse in Hamburg still.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall will den Bau
der Marine-Fregatten deutlich beschleunigen und das erste Schiff der Klasse
F126 im zweiten Halbjahr 2031 ausliefern. Das sagte Divisionschef Tim Wagner.
Das milliardenschwere Programm liegt derzeit rund vier Jahre hinter Plan.
Nach dem Aus von Sportdirektor Sebastian Kehl in Dortmund wachsen die Spekulationen
über einen Wechsel zum HSV. Mehreren Medienberichten zufolge ist der
46-Jährige Kandidat für den Posten des Sport-Geschäftsführers und damit als
Nachfolger von Stefan Kuntz im Gespräch.
AUS HAMBURG
Ein Musterschüler bewirbt sich
Hamburg berechnet die Kosten
olympischer Sportstätten auf tausend Euro genau. Der Rest des Konzepts ist noch
seltsamer. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Kommentar von ZEIT-Redakteur Christof
Siemes.
Das muss man den Verantwortlichen lassen, die die
Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 nach Hamburg holen
wollen: Ihre Hausaufgaben haben sie gemacht. Das finalisierte
Bewerbungskonzept, das in dieser Woche vorgestellt wurde, ist ein Meisterstück
in der hohen Kunst des Pläneschmiedens. Es bietet Lösungen für nahezu alle
Probleme, die sich bei der Ausrichtung des größten Sportereignisses der Welt
stellen. Es beantwortet sogar Fragen, auf die man als Bürger dieser Stadt von
selbst wohl gar nicht gekommen wäre. Und es atmet auf jeder seiner vielen
Seiten auf beeindruckende Weise das, was man den Geist des Hanseatischen nennen
könnte: Mut zur Vision gepaart mit protestantischer Strenge; Selbstbewusstsein,
ohne angeberisch zu klingen; Verantwortungsbewusstsein gegenüber den
Bürgerinnen und Bürgern, aber auch ein gewisses Oberlehrertum, weil man in
dieser seit Jahrhunderten erfolgreichen Kaufmannsstadt immer alles ein bisschen
besser weiß. Ein Dokument wie aus einem Guss: logisch, vernünftig und so
seriös, wie es die Versammlung Ehrbarer Kaufleute zu Hamburg seit mehr als 500
Jahren sein will.
Zum Teil bis auf 1.000 Euro genau hat man schon
hochgerechnet, was die große Sause am Ende kosten könnte. Exakt 3.306.000 Euro
soll zum Beispiel die temporäre Anlage für die Vorrunde des Bogenschießens am
Aschberg in Hamm kosten, wo 1.000 Zuschauer Platz fänden. Das Finale würde auf
einem Ponton auf der Binnenalster stattfinden, wo zudem Plattformen für 3×3
Basketball und die Demonstrationssportart Padel-Tennis schwimmen sollen.
Kostenpunkt für den gesamten Dreierpack: 28.097.000 Euro.
So geht es in einem fort: Die etwas in die Jahre
gekommene Tennisanlage am Rothenbaum, vorgesehen für ein Turnier so groß wie
die Grand Slams von Wimbledon oder den French Open in Roland Garros, wird für
13.523.000 Euro “ertüchtigt”, der Derby-Park in Klein-Flottbek, Ort
der Spring- und Dressurreiter, bekommt für 5.922.000 Euro eine neue Tribüne. 35
Prozent Teuerungsrate gegenüber den Preisen von heute sind da überall schon
eingerechnet, ebenso 19 Prozent Mehrwertsteuer; alles validiert von der Boston
Consulting Group.
Wo die Probleme des Hamburger Konzepts liegen,
lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. →
Zum
Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
So
kriegen Sie die Schnäppchen-Wohnung
An günstige Immobilien kommt man bei
Zwangsversteigerungen. Wie man prüft, ob sich der Kauf wirklich lohnt, und was
hilft, gegen andere Bieter zu bestehen – dazu hat sich ZEIT-Autor Niclas Kreft
Gedanken gemacht und war bei einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht
Hamburg-Wandsbek dabei. →
Zum
Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Zum 60. Jubiläum der “Raumpatrouille Orion”
veranstaltet das Metropolis im Planet Harburg einen Serienmarathon mit
60er-Jahre-Buffet. Im Zentrum des Abends steht die Musik des Komponisten Peter
Thomas. Der Komponist war einer der einfallsreichsten und stilprägendsten
Filmkomponisten Deutschlands. Unter anderem stammt auch die Musik zu den
Edgar-Wallace-Verfilmungen oder für “Derrick”, “Der Kommissar” und “Der Alte” von
ihm. Sein Sohn Philipp Thomas verwaltet das musikalische Erbe und wird bei der
Veranstaltung anwesend sein.
Metropolis im Planet Harburg – “Raumpatrouille Orion”; 29.3., 11 Uhr; Herbert-und Greta-Wehner-Platz (S-Bahn
Harburg-Rathaus, Ausgang Großer Schippsee); Tickets bekommen Sie hier
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
Clueso, während seines Konzerts in der Barclays Arena: “Familie ist wie ein
Fußballverein – sucht man sich nicht aus”, überlegt kurz, lacht, “In Hamburg
schon!”
Gehört von Wiebke Neelsen
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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