Liebe Leserin, lieber Leser,
nachdem der Neuschnee über Nacht alle Bemühungen der Stadtreinigung wieder
zunichte gemacht hat, die öffentlichen Fuß- und Radwege wenn schon nicht ohne
Weiteres passierbar, so doch wenigstens als solche erkennbar zu halten, möchte
ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein ganz anderes Thema lenken: die letzten Stunden
des alten Jahres.
Für die hatte Hamburg sich viel vorgenommen. Auf einer im Hafenbecken
hinter dem Westfield-Überseequartier schwimmenden Bühne moderierten Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner die offizielle ZDF-Silvesterparty. Bis zum
vergangenen Jahr hatte die immer in Berlin stattgefunden, vor dem Brandenburger
Tor, nun zog man nach Hamburg um; auf die Umstände dieses Transfers habe ich mir bereits hier einen Reim zu machen
versucht.
Die Party begann um 20.15 Uhr, und ja, es war eine Silvesterparty wie aus
dem Lehrbuch: Man steht immer wieder eher ungemütlich draußen herum, es läuft
vor allem Musik, die man früher mal mochte, und ab und an versucht man ein
bisschen Smalltalk (Moderatorin: “Der Rolling Stone hat Eure Band zur Band des
Jahres gekürt!” Frontmann: “Das war vor zehn Jahren.”)
Und ja, auch der betriebene Aufwand nötigt einem Respekt ab: eine
schwimmende Bühne auf einem Ponton, 80 Meter breit, von zwei Schleppern
gehalten, in 25 Metern Entfernung zur Kaimauer – wow. Verständlicherweise drehten sich auch die
meisten Moderationen von Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner darum, mit
welchen Anforderungen das Setting die Mitwirkenden konfrontierte und wie tapfer
man damit umging – alle Beteiligten mussten von Anfang bis Ende an Bord
bleiben, es zog auf der Bühne recht frisch vom Wasser nach oben. Außerdem
regnete es über Stunden hin sehr ergiebig und zumeist waagerecht, sodass neben
den Künstlern auch die Kameralinsen tropfnass waren. Klar, da kann man nichts
machen, sicher hatten die Veranstalter auf eine lauschige Sommernacht gehofft.
Also, ja, sicher, eine wirklich respektable Sache, diese Show auf die Beine
zu stellen. Und, klar, sie überhaupt nach Hamburg geholt zu haben. Und nochmal,
ja, die schwimmende Bühne ist spektakulär.
Aber warum all die Mühe? Warum fand das alles nicht in einer Halle statt,
an Land, überdacht? Die Wiener Philharmoniker spielen ihr Neujahrskonzert ja
auch nicht im Park von Schloss Schönbrunn. Sie könnten, sicher, aber sie tun’s
nicht, aus guten Gründen.
Und dort sähe man immerhin das Schloss Schönbrunn.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, ganz ohne Niederschläge
Ihr Florian Zinnecker
Wollen Sie uns Ihre Meinung
sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine
E-Mail an hamburg@zeit.de.
WAS HEUTE WICHTIG IST
Trotz langwieriger
Verhandlungen rechnet Bürgermeister Peter Tschentscher bis Ende 2029 mit der
Fertigstellung des Elbtowers und dem Einzug des Naturkundemuseums. “Die
Baugenehmigungen liegen ja im Prinzip schon vor”, sagte Tschentscher. “Das
heißt, es ist eine Frage von wenigen Jahren.” Seit Dezember 2024 verhandelt ein
Konsortium um den Hamburger Immobilienentwickler Dieter Becken mit dem
Insolvenzverwalter über den Kauf des halb fertigen Rohbaus am Ostende der
HafenCity. Dass die Verhandlungen schon so lange dauern, störe ihn nicht, sagte
Tschentscher. Am Ende scheiterten Dinge oft im Detail – “wir wollen aber einen
Vertrag, der am Ende auch so umgesetzt werden kann, wie er gedacht ist”.
Bei Ernie kannst du
gehen, bei Bert bleibst du stehen: Die beiden Figuren aus der NDR-Serie Sesamstraße
regeln ab der kommenden Woche an zwei Kreuzungen in Hamburg den Verkehr.
Sie übernehmen die Rolle der Ampelmännchen am Hugh-Greene-Weg, Ecke
Julius-Vosseler-Straße, sowie an der Rothenbaumchaussee, Ecke Oberstraße, wie
der NDR mitteilte.
Hamburgs Umweltsenatorin
Katharina Fegebank (Grüne) hat die Bürger zum Schneeschippen aufgerufen.
Es habe so viel geschneit wie seit 15 Jahren nicht mehr. “Aber so schön der
Schnee auch ist – wir wollen alle sicher zur Arbeit, zur Schule oder zum Sport
kommen. Deshalb heißt es jetzt anpacken”, schrieb die Zweite Bürgermeisterin im
Netzwerk LinkedIn. Die Stadtreinigung
sei aktuell mit mehr als 720 Mitarbeitern und rund 360 Fahrzeugen im Einsatz.
Bei den Gehwegen seien aber alle gefordert.
In aller Kürze
• Wegen des winterlichen Wetters sind am Hamburger Flughafen mehrere
Flüge gestrichen worden. Betroffen waren unter anderem Verbindungen
zwischen Hamburg und Amsterdam, Mailand und Paris • Laut einer
vorläufigen Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik wurden von Januar
bis November vergangenen Jahres knapp 7.900 Gewalttaten registriert – etwa sieben
Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum • In Wandsbek ist am Montag
ein Haus nach einem Brand eingestürzt. Nach Angaben der Polizei brach
das Feuer aus bisher unbekannten Gründen am frühen Morgen in einem
Einfamilienhaus im Schleusenredder aus. Zum Zeitpunkt des Brandes habe sich
niemand im Haus befunden
AUS DER HAMBURG-AUSGABE
Man muss die Chance auch als Krise sehen
Für
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher endet das Jahr mit einem Wortbruch
und einer kapitalen Fehleinschätzung. Höchste Zeit für ein paar
Neujahrsvorsätze, kommentiert ZEIT-Redakteur Christoph Heinemann. Lesen Sie
hier einen Auszug.
Das Verflixte an Krisen
ist, sie kündigen sich selten an. Eben war der Himmel noch blau, schon ist man
bis auf die Unterhose nass. Halt, würde Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)
aber bereits an dieser Stelle rufen, Krisen? Welche Krisen?
Die gab es, wenn es nach
ihm geht, im Jahr 2025 in Hamburg nicht, und sie kommen unter seiner Führung
natürlich auch in Zukunft nicht vor. Schon das Wort mag er gar nicht. Das ist
verständlich. Aber dunkle Wolken verschwinden nicht dadurch, dass man sie nicht
sehen will.
Im Oktober setzte eine Initiative per Volksabstimmung (Z+) durch, dass Hamburg fünf Jahre früher als
geplant, schon 2040, klimaneutral sein soll. Ein halbes Jahr nach der
Bürgerschaftswahl, deren Ergebnis Peter Tschentscher noch als breite
Bestätigung seines politischen Kurses lesen konnte, erklärt sich also ein
großer Teil der Bevölkerung für nicht einverstanden mit der Klimapolitik des
Senats. Die Sorge um das Klima und um die Zukunft Hamburgs ist offensichtlich
groß – zu groß, um sie zu ignorieren. Tschentschers erste Reaktion nach der
Entscheidung im Oktober aber lautete: Erst mal ändern wir gar nichts.
Dann weiter: Im Hafen
werden Drohnen gesichtet, immer wieder, immer größere Modelle. Sie könnten zu
Russland gehören, was nicht belegt ist, aber plausibel wäre. Dazu verzeichnen
Unternehmen ständige Cyberangriffe, was wirkt, als hätten es Großmächte verstärkt
auf Hamburg abgesehen.
Womit die Stadt und damit der Erste Bürgermeister noch
konfrontiert ist, lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung auf zeit.de.
DER SATZ
“Wichtig ist für Mieter, dass die Pflicht im Mietvertrag
oder in der Hausordnung wirksam übertragen wurde – Mietervereine empfehlen, das
zu klären.”
Eis und Schnee machen Gehwege gefährlich –
wenn dann ein Unfall passiert, wird es juristisch schnell kompliziert.
ZEIT-Redakteurin Tina Groll hat alle Fragen zum Räumen und Streuen rund um die sogenannte
Verkehrssicherungspflicht zusammengestellt.
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Noch bis Anfang Februar ist
die Schau “Luminary/Lichtung” im Ausstellungsraum “Parabel”
zu sehen. Präsentiert werden Werke des chinesischen Künstlers Wang Yefu und der
Hamburgerin Silke Silkeborg. In der Begegnung der beiden zeitgenössischen
Positionen entwickelt sich ein Spannungsfeld zwischen Ost und West, zwischen
Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht, die in Zeichnung und Malerei Ausdruck
finden.
“Parabel”, Zentrum für Kunst in Hamburg,
Fuhlsbüttler Str. 656; Öffnungszeiten: Fr, 14–18 Uhr; Sa/So, 11–18 Uhr
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
In einem Supermarkt lege ich bei einem Einkauf
auch eine einzelne Banane auf das Kassenlaufband. Der Kassierer: “Wow, so viel
Bananen.” Ich: “Ja, wir wollen es zu Weihnachten mal so richtig krachen
lassen.”
Erlebt von Bernd Becker
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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