Liebe Leserin, lieber Leser,
kürzlich
ging es an dieser Stelle darum, dass die Schaustellerkultur auf
Volksfesten in Deutschland jetzt auf der Unesco-Liste des
immateriellen Kulturerbes steht. Es gibt noch einen weiteren
Neuzugang: das Herrenschneiderhandwerk. Und zufällig sitzt der
Schneider, der die Bewerbung geschrieben hat, in Hamburg.
Genauer
gesagt in der Nähe der langen Reihe, sein Name ist Sandro Dühnforth.
Er sagt, er habe darlegen müssen, was sein Handwerk besonders macht:
Außergewöhnlich sei zum Beispiel, dass den Kern der
Herrenschneiderei ein Kleidungsstück ausmache, das “seit
beinahe hundert Jahren unverändert ist”
– der Herrenanzug. Zudem habe er viele Fragen beantworten müssen,
etwa, wie man Frauen den Weg in die Branche erleichtern könne
(tatsächlich, sagt Dühnforth, seien Frauen schon heute in der
Überzahl, “bei
den Inhabern sind wir ungefähr paritätisch, bei den Angestellten
sind es 70 Prozent Frauen”).
Er
wisse von etwa 70 Herrenschneider-Betrieben in Deutschland, so Dühnforth, der
Vorsitzender der Vereinigung “Die
Herrenschneider”
ist, insgesamt seien es maximal 100. Was macht einen Herrenschneider
aus? “Das
Maß beginnt an der Tür”,
sagt Dühnforth. Er schaue sich den Kunden direkt genau an: “Wie
ist die innere Statik?”
Es gebe Dinge wie Augen-, Haut- und Haarfarbe, aber ein Gespräch sei
am wichtigsten. “Ich
muss den Mann kennenlernen – was für ein Bild hat er von sich
selbst? Wie möchte er wahrgenommen werden?”
Im Englischen heiße Maßschneiderei bespoke
tailoring, “was
es viel besser trifft. Je weniger man spricht, desto schlechter wird
der Anzug”.
Ich
fragte Dühnforth auch, wieso er sich Herrenschneider nennt und nicht
etwa Männerschneider (was in meinen Augen zeitgemäßer klingt). “Es
geht bei uns ein bisschen um die alte Welt”,
sagt Dühnforth. “Eine
Welt des Handschlags, der Diskretion.”
Er habe noch nie eine Auftragsbestätigung geschrieben, Preise würden
mündlich vereinbart. Unter Kollegen gebe man Kundennamen nicht
preis.
Es gehe auch um Nostalgie. “Wir
leben das.”
Aber
auch um Zukunft geht es Dühnforth. Er hoffe, dass die Anerkennung
durch die deutsche Unesco-Kommission helfen könne, das Fortbestehen
der Branche zu sichern. In Hamburg sei die erste Schneiderzunft 1152
in Harburg gegründet worden. “Wir
müssen junge Menschen weiter motivieren, das Handwerk zu ergreifen”,
sagt Dühnforth.
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!
Ihr
Yannick Ramsel
Was heute wichtig ist
Trotz
anhaltend angespannter Lage sieht der Verband Deutscher Reeder die
zweiwöchige Waffenruhe
zwischen dem Iran und den USA als wichtiges Signal für die Seeleute,
die im Persischen Golf festsitzen. Mehr als 2.000 Handelsschiffe mit
rund 20.000 Seeleuten sind betroffen, darunter mindestens 50 Schiffe
deutscher Reedereien – sechs davon gehören zu Hapag-Lloyd aus
Hamburg.
Ein
beim Ausheben der Baugrube für die künftige U5-Haltestelle Bramfeld
entdeckter Findling
wurde auf den Namen “Bramfels” getauft.
Laut Hochbahn soll der rund 22 Tonnen schwere Granitstein Hamburg als
Naturdenkmal erhalten bleiben. Sein finaler Platz steht noch nicht
fest.
Die
Staatsanwaltschaft hat der Polizei zufolge eine Belohnung
in Höhe von 5.000 Euro für Hinweise zu einem Tötungsdelikt in
Eißendorf ausgesetzt.
In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar war ein 24 Jahre alter Mann
von fünf maskierten Unbekannten attackiert und tödlich verletzt
worden. Laut Mordkommission stammen die Täter möglicherweise aus
seinem persönlichen Umfeld.
HVV-Geschäftsführerin
Anna-Theresa Korbutt unterstützt die Forderung
nach einem befristeten Rabatt von 30 Prozent auf das
Deutschlandticket,
das dann statt derzeit 63 Euro noch 44,10 Euro kosten würde. Die
hohen Tankpreise belasteten die Pendler, so Korbutt.
Nach
einer Schießerei
am Dienstagabend in Barmbek sucht die Polizei nun Zeugen.
Die Schüsse seien von mindestens einer Person aus einer Gruppe
heraus abgegeben worden. Verletzt wurde niemand; nach der Tat
flüchteten mehrere Personen in einem Auto und zu Fuß.
Aus Hamburg
Hamburgs Hafen droht der Engpass
Ein
internes Behördendokument zeigt: Die Sperrung der Köhlbrandbrücke
für den Schwerlastverkehr ist nur der Anfang. Dem Hamburger Hafen
droht schwerer Schaden. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel
von ZEIT-Redakteur Frank Drieschner.
Die
Hamburger Köhlbrandbrücke, die wichtigste Straßenverbindung
innerhalb des größten deutschen Überseehafens, könnte auf
mittlere Sicht für den Güterverkehr vollständig ausfallen. Darauf
deutet ein sieben Jahre altes internes Dokument der Hamburger
Wirtschaftsbehörde hin.
Ab
Mai dieses Jahres wird die Köhlbrandbrücke für den
Schwerlastverkehr gesperrt, also für Lkw von mehr als 44 Tonnen
Gewicht. In der Vergangenheit waren Wirtschaftsbehörde und die
zuständige Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) jedoch davon
ausgegangen, dass der Zeitpunkt für diese Maßnahme erst Ende der
2030er-Jahre erreicht würde – sollte die Brücke nicht bis dahin
durch einen Neubau ersetzt werden.
Grund
für die Sperrung sind die zunehmenden Schäden der maroden Brücke
infolge der starken Verkehrsbelastung. Der Eingriff sei erforderlich,
“um die Verkehrssicherheit und die Funktionsfähigkeit der Brücke
zu gewährleisten”, teilte die HPA mit.
Allerdings
kommt der frühe Zeitpunkt dieser Maßnahme überraschend. In der
Vergangenheit sind Hafen- und Wirtschaftsbehörde von einer deutlich
längeren Nutzbarkeit der Brücke ausgegangen. Eine Präsentation der
Wirtschaftsbehörde im Januar 2019 im Bundesverkehrsministerium,
deren grafische Darstellungen der ZEIT vorliegen, zählte eine
Abfolge sich allmählich steigernder Nutzungseinschränkungen auf,
die seinerzeit ins Auge gefasst wurden: vom seit 2012 gültigen
Überholverbot für Lkw über ein Abstandsgebot und
Geschwindigkeitsbeschränkungen, die zwischenzeitlich ebenfalls
eingeführt worden sind, bis zur Sperrung der äußeren Fahrstreifen
Mitte der 2030er-Jahre. Ein Nutzungsverbot für den gesamten
Lkw-Verkehr erwarteten die Hamburger Behörden seinerzeit erst zu
Beginn der 2040er-Jahre.
Für
das Jahr 2037 war vorgesehen, Schwerlasttransporte zwar nicht zu
verbieten, aber sie einzuschränken: Dauergenehmigungen sollten
gestrichen werden, sodass die betroffenen Speditionen ihre Transporte
über die Köhlbrandbrücke jeweils einzeln würden beantragen
müssen. Und erst 2039 war eine allgemeine Gewichtsbeschränkung für
Gütertransporte geplant, wie sie nun bereits ab Mai dieses Jahres
gelten soll.
Wie
es um die Zukunft des Verkehrs im Hamburger Hafen steht,
lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung. →
Zum
Artikel (Z+)
Schon gelesen?
Wo geht’s hier zu diesen Plaketten?
Vor einem Jahr
eröffnete das Westfield Hamburg-Überseequartier; zum Jubiläum wird
am Wochenende gefeiert. Doch was macht eigentlich das Gedenken an die
toten Bauarbeiter? ZEIT-Autor Christoph Twickel ist der Frage nachgegangen. →
Zum
Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Die
23. Dokumentarfilmwoche lädt mit rund 50 Filmen und Veranstaltungen in verschiedene Kinos
der Stadt ein. Etliche Vorführungen werden von Gesprächen mit
Regisseuren und anderen Gästen begleitet. Ein Schwerpunkt liegt auf
der Retrospektive des japanischen Dokumentarfilmers Kazuo Hara, die
vier seiner “Action Documentaries” präsentiert. Der Filmemacher
wird persönlich anwesend sein. Am 18. April findet nach der
Vorführung im Metropolis zudem ein Werkstattgespräch statt.
Dokumentarfilmwoche, 14. – 19. April, Festivalzentrum in der frappant Galerie in der
fux eG, Eingang Kubus, Zeiseweg 9, Treppenhaus C; teilnehmende Kinos
sind 3001, B-Movie, fux-Lichtspiele, Metropolis, Slot-Clubkino
Meine Stadt
Hamburger Schnack
Einer
meiner Drittklässler fragte mich aus heiterem Himmel: “Frede
Schmerz ist doch der Chef von Deutschland, oder?” Ich stutze kurz,
lasse mir diesen merkwürdigen Namen auf der Zunge zergehen und
antworte dann schmunzelnd: “Ach, du meinst Friedrich Merz! Ja, das
ist der deutsche Bundeskanzler.”
Gehört
von Janette Syllwasschy
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