Liebe Leserin, lieber Leser,
eine Woche lang klappert die “Mein Schiff 4” bei
der Seereise “Zauber des Orients” Küstenstädte in den Vereinigten Arabischen
Emiraten (VAE) und dem Oman ab. Die Reise der Hamburger Reederei Tui Cruises
ist ein Klassiker – jetzt gerät sie zum Horrortrip. Denn die “Mein Schiff 4”
liegt im Hafen von Abu Dhabi (VAE), aktuell also mitten im Kriegsgebiet. Ähnlich ergeht es
dem Schwesterschiff “Mein Schiff 5”, es liegt etwa 150 Kilometer entfernt im
Hafen von Doha, der Hauptstadt von Katar.
Nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den
Iran hat das dortige Regime hunderte Raketen und Drohnen auf diese Staaten
abgefeuert. Viele werden abgefangen, manchmal aber gibt es Einschläge neben den
Schiffen. Es sind Detonationen zu hören und Rauchwolken zu sehen. Das zeigen
Handyvideos von Passagieren. “Wirklich beängstigend”, nannte das ein Passagier namens Folkert Middelmann der ZEIT gegenüber am Telefon. Das Schiff verlassen und nach Hause fliegen konnten die Touristen bislang nicht, weil wichtige Lufträume in der Region gesperrt sind.
Tausende
Passagiere und Seeleute sind betroffen. Laut dem Verband Deutscher Reeder befinden
sich mindestens 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien in den Gewässern des
Golfs. Darunter sind auch Massengutfrachter der Lübecker Reederei Oldendorff
Carriers und Containerschiffe der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd. Diese Schiffe
können den Persischen Golf nicht verlassen, dazu müssten sie durch die Straße
von Hormus fahren. Die Meerenge zwischen dem Iran im Norden sowie dem Oman und den
VAE im Süden ist de facto dicht, denn iranische Behörden fordern Kapitäne per
Funk auf, die Passage nicht zu nutzen. Auch östlich der Meerenge gibt es Stau,
dort warten mehr als 150 Öltanker auf die Einfahrt. Alle Schiffe sind live auf
der Plattform “MarineTraffic” zu sehen.
Bisher soll bei Angriffen auf Handelsschiffe ein
Mensch gestorben sein, mehrere Seeleute wurden verletzt. Deutsche Schiffe und
Seeleute sind laut dem Verband Deutscher Reeder bislang nicht direkt betroffen,
die Lage sei aber “äußerst
besorgniserregend”.
Kommen Sie gut durch den Tag!
Ihre Kristina Läsker
WAS HEUTE WICHTIG IST
Wegen gesperrter
Lufträume im Nahen Osten aufgrund des Iran-Kriegs haben mehrere Airlines ihre
Flüge zwischen der Region und Hamburg ausgesetzt. Laut Hamburger Flughafen
wurden etwa Flüge von und nach Dubai, Doha, Tel Aviv und Erbil gestrichen.
Im Jahr 2025 haben in
Hamburg 869 Unternehmen Insolvenz angemeldet – 2,4 Prozent mehr als im
Vorjahr. Mindestens 5.267 Beschäftigte verloren dadurch ihren Arbeitsplatz, wie
das Statistikamt Nord mitteilte. Besonders betroffen war das Gastgewerbe mit
222 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen.
Nach vierwöchiger Pause
ging gestern der Prozess um die Entführung der beiden jüngsten Kinder der Hamburger
Unternehmerin Christina Block weiter. Nun sagte eine Mitarbeiterin des
Hamburger Jugendamtes aus. Die Sozialpädagogin hatte die Kinder am 4. Januar
2024 bei einem Besuch im Haus von Christina Block getroffen. Ihr zufolge gab es
damals keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung.
Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall baut künftig auch Schiffe. Die Übernahme des Marineunternehmens
Naval Vessels Lürssen (NVL) sei abgeschlossen, teilte das Unternehmen mit. NVL
hat neben dem Verwaltungssitz in Bremen vier Werften: Eine ist in
Wilhelmshaven, eine in Wolgast und zwei in Hamburg.
Hamburgs Bildungsbehörde
hat den Sozialindex aller 329 allgemeinen staatlichen Schulen neu berechnen
lassen. Bei den Grundschulen haben sich demnach in 22 der 198 Einrichtungen
die Rahmenbedingungen – also etwa Ausstattung, Klassengröße oder
Sprachförderung – verschlechtert, bei 19 verbessert. Nach Behördenangaben bekommen Schulen mit einer sozial benachteiligten
Schülerschaft bis zu 50 Prozent mehr Lehrkräfte.
AUS HAMBURG
Töten war für ihn, wie einen Furz zu lassen
Die Hamburger Philharmoniker spielen “Peter und der Wolf”
an der Reeperbahn. In ihrer Version kommt weder Peter vor, noch der Wolf. Dafür
Zuhälter und ein Auftragsmörder. ZEIT:Hamburg Redakteur Oskar Piegsa war am
Sonntag bei der Premiere, lesen Sie hier einen Auszug aus seiner Rezension:
Die
Hamburger Philharmoniker geben jetzt Konzerte an der Reeperbahn. Umhüllt von
Currywurstdunst und begleitet von Bierflaschenklirren spielen sie Peter und
der Wolf von St. Pauli, das musikalische Märchen von Sergei Prokofjew, aber
neu erfunden für Erwachsene. Peter, sein Großvater und der Wolf kommen in
dieser Version nicht vor. Stattdessen erzählt gleich im ersten Monolog Jutta
aus Barmbek von ihrer “trockenen Muschi”,
die gerne mal wieder “ficken” würde.
Geht leider nicht, denn Jutta ist tot. Vielleicht klingen die Streicher deshalb
so himmlisch.
Vor genau 90 Jahren wurde Peter und
der Wolf in Moskau das erste Mal aufgeführt. Damals war die Idee, Kinder
mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen. Das Stück ist
eine Mischung aus Lesung und Konzert: Ein Erzähler oder eine Erzählerin liest
eine Geschichte vor, kurze Melodien dienen als Erkennungszeichen der Figuren.
Die Streicher stehen für den unbekümmerten Peter, das Fagott für seinen
mürrischen Großvater und die Hörner für den Wolf, der durch das offenstehende
Tor in den Garten zu kommen droht.
Auch bei Peter und der Wolf von St.
Pauli geht es darum, nicht nur Orchestermusik zu spielen, sondern mit der
Orchestermusik zu spielen – und dadurch vielleicht ein neues Publikum zu
gewinnen. Am Sonntagabend feierte das Stück seine Premiere, es ist eine
Zusammenarbeit des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und des Schmidts
Tivoli. Das Tivoli ist ein Privattheater an der Reeperbahn, in dem das Publikum
dazu animiert wird, während der Vorführungen zu essen und zu trinken. Daher die
Currywurst und die Bierflaschen.
Den
vollständigen Artikel von Oskar Piegsa lesen Sie auf zeit.de. → Zum
Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
“Wie weit KI-Systeme sind, ist manchmal beängstigend”
Ein Physiker vom Desy in Hamburg,
ein Softwareentwickler und ein Ingenieur erzählen der ZEIT-Autorin Stella
Bruttini von den
Möglichkeiten und Grenzen der KI. Und wie sie die Angst überwinden, von ihr
ersetzt zu werden.→ Zum Artikel (Z+)
DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN
Kurzentschlossene können heute Abend im
Schauspielhaus Navid Kermani und Olaf Scholz gemeinsam auf der Bühne erleben.
In der Reihe “Der Norden liest” stellt der Schriftsteller und ZEIT-Autor Navid Kermani sein neues Buch “Sommer 24” vor. Der Verlag beschreibt den Roman als
den Versuch, “das scheinbar Unversöhnliche zu versöhnen und das wirklich
Unversöhnliche auszuhalten”. Kermani, in Deutschland als
Sohn iranischer Einwanderer geboren, wird angesichts der aktuellen Weltlage aber
vermutlich nicht nur über seinen Roman sprechen. Der Schauspieler Markus John
liest Auszüge, der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz ist als Gast auf der
Bühne, und der Journalist Alexander Solloch moderiert den Abend.
“Navid Kermani: Sommer 24”, 3.3., 20 Uhr, Schauspielhaus, Kirchenallee 39; Tickets gibt es hier
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
Beim Konzert der Australian Pink Floyd Show
in der Sporthalle Hamburg. Auf die Rückwand der Bühne werden weidende Schafe
projiziert, aus den Lautsprechern tönt lautstarkes Blöken. In der Reihe hinter uns
sagt jemand belustigt: “Da hätten wir ja auch gleich zu Hause bleiben können.”
Gehört von Kay Kankowski
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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