
Wenn er seinen Namen ausspricht, klingt er ganz einfach: „Ajub Ameimuni-Eschgujab“. Zwei Silben für den Vornamen, vier für den ersten Teil des Nachnamens, drei für den zweiten. Wie zum Beispiel Uwe Beckenbauer-Overath. Da käme auch niemand auf den Gedanken, von einem Zungenbrecher zu sprechen. Aber die Schreibweise ist nun mal deutlich komplizierter, und so bekam Ayoube Amaimouni-Echghouyab zunächst den Titel „der Unaussprechliche“, wo immer er in Deutschland hinkam, um Fußball zu spielen.
Aber überall machte er sich schon nach wenigen Spielen einen anderen Namen: der Dribbler, der Zocker, der mit dem Ball tanzt, das Talent. Es kennzeichnet die kurze Karriere des 21 Jahre alten Flügelstürmers, dass er jede weitere Stufe mit Schwung nahm. Seit Anfang Januar ist er in der höchsten deutschen Spielklasse angelangt, und sein Start sorgt in ganz Fußballdeutschland für Aufsehen.
Aus Überzeugung zur Eintracht
Zwei Tore und ein Assist lautet seine Bilanz nach sechs Bundesliga-Einsätzen für die Frankfurter Eintracht, die ihr Glück kaum fassen kann, dass sie ganz unverhofft doch noch einen erstligatauglichen Stürmer aufbieten kann, nachdem alle anderen wegen Verletzung ausgefallen sind.
Eigentlich sollte Amaimouni-Echghouyab erst im Sommer an den Main kommen, wenn sein Vertrag mit der TSG Hoffenheim ausgelaufen wäre. Die Kraichgauer hätten den in Spanien geborenen Sohn marokkanischer Eltern gerne behalten. Kein Wunder nach 16 Treffern und 15 Torvorlagen in 46 Spielen für die zweite Mannschaft in der Regionalliga und dritten Liga. Aber der Offensivspieler nahm das Vertragsangebot nicht an, sondern ließ sich von der Offerte der Eintracht überzeugen.
Da die Hoffenheimer kein Interesse hatten, in der Rückrunde einen Kaderplatz in der dritten Liga durch einen Spieler zu blockieren, der den Klub im Sommer verlassen würde, einigten sie sich mit der Eintracht darauf, ihn schon in der Winterpause gegen eine Zahlung von 200.000 Euro ziehen zu lassen. Was auch im Interesse der Frankfurter lag, angesichts ihrer Verletzungsmisere im Sturm.
Als sich auch noch die Elversberger Neuverpflichtung der Eintracht, Younes Ebnoutalib, nach einer hoffnungsvollen Premiere schwer verletzte, war der ursprüngliche Plan obsolet, Amaimouni-Echghouyab langsam aufzubauen. Sportdirektor Timmo Hardung hatte noch bei der Ankunft des Talentes gesagt: „Unser gemeinsames großes Ziel ist es natürlich, dass der Junge im Deutsche Bank Park aufläuft, und das trauen wir ihm absolut zu. Der Schritt über zwei Ligen hinweg jedoch ist groß, das wissen wir. Deshalb haben wir den Zeitpunkt Winter bewusst gewählt, damit er sich adaptieren kann.“
Wie einst Arjen Robben
Und auch dieses Debüt veredelte er mit einem Tor. Es war eine Dublette seines ersten: von rechts in den Strafraum hineinziehen, den Ball am Gegenspieler vorbeilegen und ins linke Toreck schlenzen. Ein Bewegungsablauf, der stark an den früheren Bayernstürmer Arjen Robben erinnert.
Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche geriet ganz gegen seine sonstige Gewohnheit ins Schwärmen: „Jupp ist unbekümmert. Er hat eine Spielfreude und natürlich eine gewisse Qualität mit seinem Speed und auch dem Mut im Eins-gegen-eins. Dazu einen Superlinksschuss.“ In anderen Worten: Er ist ein Straßenfußballer.
Ein Kicker, der sich auf seinen Instinkt und seine flinken Beine verlassen kann. Natürlich hat der Flügelstürmer auch noch Schwächen, sein Defensivverhalten im Zweikampf und im Stellungsspiel sind alles andere als erstligareif. Aber Amaimouni-Echghouyab vermittelte auf jeder seiner Stationen den Eindruck, hinzulernen zu wollen und auch die Gabe zu besitzen, sich höheren Anforderungen schnell anpassen zu können.
Neymar war und ist sein Held
Noch in seiner Hoffenheimer Zeit beschrieb er seine Einstellung: „Du kannst vieles im Training lernen. Ich lerne jeden Tag sehr viele Dinge dazu. Aber das Kreative, das lernst du besonders in jungen Jahren, finde ich. Das kannst du dir, je älter du wirst, nur noch schwer aneignen.“
Seinen Esprit, seinen Instinkt entwickelte Amaimouni-Echghouyab in seiner Kindheit, die er in der spanischen Kleinstadt Vic, 70 Kilomter nördlich von Barcelona verbrachte. Stark beeinflusst von dem, was die Stars des FC Barcelona so vollführten. Neymar war und ist sein Held. Mit zehn zog er mit seiner Familie nach Dortmund, sein Vater hatte eine lukrative Arbeitsstelle angeboten bekommen.
Schnell integrierte sich die Familie, auch dank des Fußballs, mit seiner Art zu spielen, kam Ayoube überall gut an. Dass er der Einfachheit halber von seinen Mitspielern „Jupp“ umgetauft wurde, machte ihm nichts aus. Und bei „Jupp“ ist es geblieben. Bis in die Bundesliga.
