Es kommt nun immer häufiger vor, dass Albert Riera Fragen von Medienvertretern auf Englisch nicht versteht. Frankfurts Fußballtrainer fragt dann nach, was genau man von ihm wissen wolle, bevor der Spanier mit seinen oft langen Ausführungen in englischer Sprache beginnt.
Auf der Pressekonferenz am Ostersonntag nach dem unbefriedigenden 2:2 im Heimspiel gegen Köln – die Eintracht hatte einen 2:0-Vorsprung verspielt – war bei Albert Rieras Antworten vor allem eins herauszuhören: Er mag keine kritischen Fragen, die auch seine Arbeit hinterfragen.
Das geht ihm offenbar gehörig auf die Nerven, vor allem wenn sie ihm immer wieder gestellt werden. Der ehemalige Nationalspieler wird dann schnell emotional und redet sich in Rage. Sein Unverständnis darüber, wie seine Tätigkeit von außen bewertet wird, bringt er seinen Zuhörerinnen und Zuhörern deutlich zum Ausdruck. Das fördert Verständnislosigkeit auf beiden Seiten.
In Frankfurt wird nach Meinung von Albert Riera viel zu negativ im Umfeld gedacht. Zweifler und Nörgler ärgern ihn. Sie stören nach seinem Empfinden das Fortkommen. Für ihn, bei dem unbeirrbar positives Denken eine herausragende Rolle zu spielen scheint, sind sie eine Qual. Der selbstbewusste Spanier hat in den vergangenen Wochen viele und zügige Verbesserungen im Frankfurter Spiel versprochen und mit großen, blumigen Worten hohe Erwartungen geweckt. Das kann ihm keiner verbieten.
Er ist damit jedoch ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen. Denn seine Mannschaft und er werden an all den Ankündigungen gemessen. Dementsprechend müssen sie Taten folgen lassen. Tun sie es nicht, stehen sie schnell in der Kritik. Unangenehme Fragen sind die Folge. Eins gab Albert Riera am Ostersonntag allerdings zu verstehen: Er sei nicht dazu da, auf Pressekonferenzen mit sich diskutieren zu lassen. Das klang wie ein Machtwort eines dünnhäutigen Fußballlehrers. Ein souveräner Auftritt sieht anders aus.
Gegen Köln folgt der nächste Schritt zurück
Sind die Fragen sachlich und auch berechtigt, gehört es zu den Aufgaben eines Bundesligatrainers, Rede und Antwort nach den Spielen zu stehen – unabhängig davon, ob die Fragen seinen Gefallen finden oder nicht. Albert Riera, der frühere Mittelfeldspieler mit den Arbeitgebern Liverpool und Manchester City, fühlt sich augenscheinlich angegriffen. Womöglich sieht er seine Tätigkeit mit dem Team nicht genug gewürdigt. Doch die wirft im Hinblick auf das Geleistete und die Ansprüche des Trainers Fragen auf.
Denn die Frankfurter treten auch mit dem selbst ernannten Bessermacher Albert Riera auf der Stelle. Spielerisch sind unter dem Strich Fortschritte kaum erkennbar. Oder anders ausgedrückt: Wenn sich die Mannschaft wie zunächst im Duell mit den Kölnern auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen Angriff und Verteidigung weiterentwickelt zu haben scheint, kommt prompt der große Schritt zurück, der wiederum den Frust neu aufleben lässt. Die alten Probleme kehren schlagartig zurück. Nach wie vor ist Frankfurts Gebilde fragil.

Auch zwei Treffer in schneller Abfolge von Jonathan Burkardt (66. Minute) und Arnaud Kalimuendo (69.) reichten nicht für den elften Saisonsieg des Tabellensiebten. Die Kölner Profis Jakub Kaminski und Alessio Castro-Montes sorgten vielmehr mit ihren Toren (70. und 83.) zum 2:2 für einen Punktgewinn der Rheinländer.
Des einen Freud, des anderen Leid: Eintracht-Kapitän Robin Koch konnte hinterher seine Verärgerung nur mühsam verbergen, als er sich den Fragen stellte. Nach der Führung hätten die Frankfurter „die Ruhe bewahren und die Kontrolle behalten“ müssen. „Es ist aber zu wild geworden“, räumte er ein.
Dann sprach der Verteidiger aus, was viele dachten: „Du darfst das Spiel nicht mehr aus der Hand geben.“ Dieser Gedanke trieb den Abwehrchef, dem Kompaktheit auf dem Platz ein großes Anliegen ist, schon während des Spiels um, darüber gab sein Trainer später indirekt Auskunft. Koch habe ihn gefragt, „ob wir weiter so spielen“. Er habe Ja gesagt, „weil so haben wir zwei Tore geschossen“, berichtete Albert Riera von seiner Vorgabe. Nur: Mit der Ordnung im Spiel der Eintracht war es dann weitgehend vorbei.
„Nach unserem zweiten Tor verlieren wir total die Struktur“, ärgerte sich Burkardt. Frankfurts Befreiungsschlag blieb aus. „Der wichtigste Grund, warum wir nicht gewonnen haben, war der, dass wir in der zweiten Hälfte aufgehört haben, Zweikämpfe zu gewinnen“, sagte Albert Riera.
Vielen Beobachtern ist die Eintracht ein Rätsel. Er selbst wisse genau, was sich bei den Frankfurtern ändern müsse – dieser Satz war schon ein paarmal vom von sich sehr überzeugten Spanier zu hören. Nur mit der Umsetzung hapert es immer wieder, die in Aussicht gestellten Lösungen des Trainers lassen weiter auf sich warten.
Riera rechtfertigte sich daher aufs Neue. Nach dem Köln-Spiel wurde er dabei zum wiederholten Mal in der Vergangenheit fündig – und das, obwohl nach seinen Worten im Fußball immer die Gegenwart entscheidend sei. Er habe hier am 1. Februar angefangen, das sei der „schlechteste Tag“ für einen Trainer.
„Das Transferfenster ist zu, ich hatte keine Vorbereitung und dann direkt ein Spiel“, sagte er. Und weiter: Als er die Mannschaft übernommen habe, sei sie defensiv die schlechteste in Europa gewesen. „Hier war Ängstlichkeit, Enttäuschung, Frustration.“ In zwei oder drei Monaten müssten sie die Probleme der vergangenen sieben Monate lösen.
Seine Ausführungen sollten keine Ausreden sein, betonte Albert Riera. Sie hörten sich aber ganz so an – vor allem gemessen daran, dass der Trainer erst die Schwierigkeit seiner Aufgabe hervorhob, als sich die von ihm prognostizierten Erfolge nicht einstellten. Offenbar zweifelt er jetzt immer mehr an der Qualität seiner Mannschaft.
Intern dürfte Albert Riera schon den ein oder anderen Hinweis bekommen haben, seine Außendarstellung zu verändern und sich damit weniger angreifbar zu machen. Er aber scheint keinen Handlungsbedarf in eigener Sache zu sehen. So geht das Aufsehen um seine Person weiter. Die Diskussionen über sein Auftreten reißen nicht ab. Irgendwann hat er sich womöglich um Kopf und Kragen geredet.
