Seit Mitte der 1990er-Jahre ist Mercedes-Benz mit der V-Klasse im Markt aktiv. Für viele ist sie eine Alternative zum VW Bus, auch mit dem V-Klasse-Nutzfahrzeug Vito ist der Hersteller gut im Geschäft. Jetzt hat man in Stuttgart die Zukunft der Baureihe vorgestellt, die im Sommer 2026 mit dem VLE 300 und dem VLE 400 beginnt. Beide stehen auf einer modularen, flexiblen und skalierbaren Plattform, die erstmals zum Einsatz kommt. Sie wurde zunächst rein auf Elektroantrieb ausgelegt, später entschied man sich aber, den Diesel doch nicht aufs Altenteil zu schicken.
Das gilt im übrigen auch für die aktuelle V-Klasse und den Vito, die bis auf weiteres noch gebaut werden, Ausnahme ist der elektrische EQV. Zumindest bis die Verbrenner kommen, geht es noch weiter. Das kann sich aber wohl noch bis zu anderthalb Jahren hinziehen. Der Camper auf V-Klasse-Basis, der Marco Polo, wird gar bis 2030 im Werk in Ludwigsfeld weiter produziert. Nun sogar in Eigenregie und nicht mehr bei Westfalia.
Viel Bling-Bling an der Front
Bis dahin wird wohl ein Camper auf VLE-Basis fertig sein. Das E in VLE steht nicht für Elektro, sondern für die E-Klasse, also eine mittlere Baureihe. Sie ist vom Auftritt her nicht so weit weg vom Prototyp und Showcar Vision V, der vor genau einem Jahr in Shanghai Premiere hatte. Also gibt es einen selbstbewussten Auftritt mit viel Bling-Bling an der Front, es leuchten die Sterne um die Wette, und die Motorhaube ist mit Power-Domes geschmückt. Das ist eher unpassend für einen Van, den Mercedes als Symbiose zwischen einer Limousine und einem MPV, also einem Multipurpose-Vehicle, einem Vielzweck-Fahrzeug, verstanden wissen will. Das Beste aus zwei Welten sozusagen.

Wie der Vision V ist der VLE riesig, sprich 5,31 Meter lang, es gibt fünf bis acht Sitzplätze, je nach Konfiguration, und ohne Rücksitze einen Laderaum mit maximal 4078 Liter Fassungsvermögen. Die Seitenlinie ist Pkw-ähnlich, das Dach schwingt hinten fein nach unten ab, die Heckklappe umrahmt ein breites Leuchtenband, wie bislang öffnet das Heckfenster separat. Zwei elektrische Schiebetüren an der Seite sind ebenso serienmäßig wie ein großes Glasdach. Die Seitenfenster an den Schiebetüren lassen sich jetzt öffnen. Neu ist ein Head-up-Display, das gab es in der V-Klasse noch nicht. Die aktuelle ist allerdings auch schon seit 2014 auf dem Markt.
Gegen Aufpreis eine Luftfederung
Im VLE 300 werden die Vorderräder angetrieben, 276 PS liegen an, dank einer riesigen 115-kWh-Batterie sind Reichweiten von gut 700 Kilometer möglich. Laden kann der VLE mit bis zu 300 kW, was mehr als 300 Kilometer Reichweite in kaum 15 Minuten Ladezeit bedeutet. Der VLE 400 hat 415 PS und dank eines zweiten Motors an der Hinterachse Allradantrieb. Mit 2,5 Tonnen gibt es hier sogar eine respektable Anhängelast, der 300 schafft immerhin 1,75 Tonnen. Gegen Aufpreis steht eine Luftfederung zur Verfügung, mit der die Karosserie um vier Zentimeter nach oben oder nach unten gefahren werden kann. Bemerkenswert ist zudem die optionale Hinterachslenkung, welche die Räder um bis sieben Grad einschlagen kann, was den Wendekreis auf 10,90 Meter minimiert. Das ist der gleiche Wert wie im kompakten CLA.

Preislich bewegen sich die elektrischen VLE je nach Ausstattung etwas unterhalb von 100.000 Euro, es werden aber weitere Varianten mit einer 80-kWh-Batterie nachgeschoben. Die sollen kaum teurer sein als die jetzige V-Klasse, also um die 58.000 Euro. In der Warteposition steht zudem noch der VLS, der noch einmal 17 Zentimeter länger ist und damit fast an die 5,50 Meter heran reicht, welche der Vision V auf die Räder brachte. Hier wird noch mehr auf Luxus gesetzt als im VLE, und auch hier sind Elektro- und Dieselantriebe vorgesehen. Schon für den VLE steht in der Aufpreisliste ein aus dem Dach ausklappender TV-Monitor im Fond mit 31,3 Zoll Diagonale, im VLS soll es von allem ein bisschen mehr sein.
Gebaut werden die VLE/VLS-Fahrzeuge in Vittoria in Spanien, die Produktion hat schon begonnen, für den chinesischen Markt wird ebendort produziert. Mit Spannung darf auf die Nutzfahrzeug-Varianten des VLE gewartet werden. Auf derselben Plattform werde ein völlig anderes Auto stehen, das äußerlich nichts mit den Personenwagen zu tun habe.
