Diese Personalie beflügelt die Phantasie: Knapp zwei Jahre lang bleibt an der EBS-Universität für Wirtschaft und Recht der Posten des Rektors unbesetzt – und dann ist der gewählte Kandidat ausgerechnet ein Fachmann für Transformation, Restrukturierung und Sanierung. Geht es der privaten Hochschule, die sich nach einer tiefen Krise in den 2010er-Jahren zwischenzeitlich stabilisiert hatte, etwa wieder schlechter? Braucht sie deshalb einen, der aufräumt?

Davon könne keine Rede sein, beteuert Henning Werner. Zusammen mit EBS-Präsident Günther Oettinger und Geschäftsführerin Dorothée Hofer legt der neue Rektor im Gespräch mit der F.A.Z. dar, dass die Hochschule weiterhin auf einem guten Weg sei. Nach Jahren mit teils hohen Etatdefiziten erziele die EBS inzwischen ein „mehr oder weniger ausgeglichenes“ Geschäftsergebnis, sagt Hofer. Das vergangene Jahr sei in dieser Hinsicht noch besser gewesen als 2024. Hätten nicht Sondereffekte wie stark gestiegene Bau- und Pachtkosten das Budget belastet, wäre 2025 sogar ein Gewinn möglich gewesen, meint die Geschäftsführerin.
Werner ist nach eigenem Bekunden denn auch nicht von der Heidelberger SRH University in den Rheingau gewechselt, um dort im Auftrag des Bildungskonzerns SRH – der Träger der EBS ist – den Chefsanierer zu geben. Maßgeblich für die Bewerbung um das Rektorenamt seien andere Gründe gewesen. Zum einen habe er sich nach 21 Jahren als Professor in Heidelberg, davon 16 Jahren als Dekan, noch einmal beruflich verändern wollen, sagt der 56 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler. Außerdem biete die EBS mit ihren zwei Fakultäten – Business School und Law School – beste Bedingungen, um sich dem Thema Restrukturierung wissenschaftlich zu widmen. Dass sich gerade in der deutschen Wirtschaft vieles ändern müsse, sei offensichtlich. Werner plant daher, Studienangebote aufzubauen, in denen die Teilnehmer lernen, solche Transformationsprozesse zu managen.
„Mit dem EBS-Virus infiziert“
Ein dritter Grund, sich um das Rektorenamt zu bewerben, waren laut Werner die guten Erfahrungen, die er 2020 und 2021 in der EBS gesammelt hat. Damals war er Vorsitzender des Präsidialrats, der zu jener Zeit die akademischen Geschicke der Hochschule lenkte. Werner sagt, er habe sich während dieser Tätigkeit „mit dem EBS-Virus infiziert“. Begeistert habe ihn das starke Gefühl der Zusammengehörigkeit unter Mitarbeitern und Studenten. Obwohl Letztere hohe Studiengebühren zahlen, herrscht aus Werners Sicht unter ihnen keine „Konsumentenhaltung“ vor, sondern der Wille, zu einer Gemeinschaft zu werden und sich weiterzuentwickeln.

Um den „Team Spirit“ zu fördern, ist für den Rektor ein attraktiver Campus unverzichtbar. 2024 hat die EBS ihren Standort in Wiesbaden aufgegeben und konzentriert sich mit ihren rund 2200 Vollzeitstudenten nun ganz auf ihren Stammsitz in Oestrich-Winkel – auch baulich. Nach mehreren Sanierungs- und Erweiterungsrunden ruhen laut Geschäftsführerin Hofer derzeit die Arbeiten: Man brauche auch einmal eine Zeit „ohne Bagger, ohne Lärm“.
Ursprünglich sollte die Modernisierung des Geländes 2028 mit der Sanierung von Schloss Reichartshausen, dem EBS-Hauptgebäude, abgeschlossen werden. Schon 2024 war klar, dass die Gesamtkosten der Campus-Erneuerung stark steigen würden, von 32 auf voraussichtlich mehr als 50 Millionen Euro. An dieser Schätzung hält Hofer fest; ob der Zeitplan gehalten werden kann, lässt sie offen. „Wir wissen im Moment nicht einmal, ob wir das schaffen wollen.“ Einige Räume im Schloss seien schon saniert worden, und vielleicht müsse dort nicht alles so umgestaltet werden, wie man es sich einst vorgestellt habe.
Weiter warten auf Akkreditierung
Mit der attraktiven Lage am Rhein mitten in den Weinbergen, dabei nicht allzu weit entfernt vom Frankfurter Flughafen, wirbt die EBS auch außerhalb Deutschlands. Den Ausländeranteil unter den Studenten zu erhöhen, ist eines der Ziele von Rektor Werner. Helfen könnte dabei eine Akkreditierung der Hochschule durch das European Quality Improvement System, kurz EQUIS. Seit Jahren bekundet die Hochschule, dieses Gütesiegel anstreben zu wollen; die lange Vakanz der Rektorenstelle hat den Prozess weiter verzögert. Für Werner hat nun erst einmal die 2027 fällige Reakkreditierung der EBS durch den Wissenschaftsrat Vorrang. Was EQUIS betreffe, so habe man nun einen „Antrag auf Vorprüfung“ eingereicht, ergänzt Hofer. „Der Prozess ist gestartet.“
Gerade für internationale Studenten könnten Deutschland und die EBS in unruhigen Zeiten ein „sicherer Hafen“ sein, glaubt Werner. Das Ausbleiben zahlender Kundschaft fürchtet er daher ebenso wenig wie Präsident Oettinger – trotz der schwierigen Wirtschaftslage, die manchen vielleicht zögern lässt, viel Geld für ein Master- oder Executive-Programm auszugeben. Dabei sei gerade heutzutage kein Investment so lohnend wie das in die eigene Bildung, findet Werner.
Auch Oettinger macht sich nach eigenem Bekunden keine Sorgen um die EBS. Sie habe einen „stabilen Gesellschafterkreis“; der SRH-Konzern werde die Hochschule weiterhin tragen. Auch profitiere die Uni sehr von ihrem Alumni-Netzwerk. Im „Wettbewerb um Köpfe“ sieht der frühere EU-Kommissar und baden-württembergische Ministerpräsident die Hochschule ebenso gut aufgestellt wie das Land insgesamt. Gerade angesichts von „Trumps erratischer Politik“ könne es für junge Menschen aus dem Ausland verlockend sein, in Deutschland zu studieren, anstatt dort, „wo man Liberalität mit Füßen tritt“.
