
Es war Teleprompter-Trump, der die kurzfristig angekündigte Ansprache zum Irankrieg hielt: verhältnismäßig zurückhaltend, verhältnismäßig kurz, vor allem aber mit verhältnismäßig wenig Neuigkeiten. In den vergangenen Wochen ließ der amerikanische Präsident kaum eine Gelegenheit aus, sich zur Lage im Nahen Osten zu äußern. Donald Trump beklagte sich über die ausbleibende Hilfe der Verbündeten in der Straße von Hormus, überzog Iran mit Drohungen und gab immer wechselnde Kriegsziele aus. Am Mittwochabend hielt er sich während seiner ersten Live-Ansprache zum Krieg dafür größtenteils an bereits Gesagtes.
In ungewohnter Manier formulierte der Präsident sogar, warum er sich zu diesem Zeitpunkt an die Amerikaner richtete. Er wolle ein Update über die „enormen Fortschritte“ in Iran geben und außerdem darlegen, warum die Militäroperation „für die Sicherheit Amerikas und der freien Welt“ notwendig sei. Das klang, als habe man Trump im Weißen Haus nahegelegt, seine Botschaften statt nach außen auch an die eigenen Leute zu richten.
Noch unterstützt eine Mehrheit an der Basis Trumps Entscheidung, einen Krieg in Iran zu beginnen. Doch nur wenige Stunden vor der Rede veröffentlichte der Sender CNN eine aktuelle Umfrage, wonach nur ein Drittel aller Amerikaner glaubt, der Präsident habe einen konkreten Plan im Nahen Osten. Zwei Drittel lehnen die Militäroperation ab, mehr als noch vor zwei Wochen. Das entspricht dem allgemeinen Trend in Umfragen.
„Erfolge, wie sie nur wenige jemals gesehen haben“
Trump hielt sich im Weißen Haus an die Botschaft der vergangenen Tage, Amerika sei eigentlich schon auf dem Absprung. Man sei „ganz nah dran“ und werde das schnell zu Ende bringen, versicherte er, blieb jedoch eine Erklärung schuldig, wie genau ein Abzug aussehen könnte. Man werde Iran in den nächsten zwei, drei Wochen „extrem hart“ treffen. Überhaupt hätten die amerikanischen Soldaten in den vergangenen vier Wochen Erfolge eingefahren, „wie sie nur wenige jemals gesehen haben“. Washington habe Iran „besiegt und vollständig vernichtet“.
Die strategischen Ziele des Angriffs beschrieb Trump als „sehr einfach und klar“. Man zerstöre systematisch Irans Fähigkeit, Amerika zu bedrohen und über seine Grenzen hinaus Macht auszuüben. Niemals dürfe das Regime in der Lage sein, eine Atombombe zu bauen. Von den iranischen Atomanlagen geht nach Aussage Trumps keine Gefahr mehr aus.
Man habe sie dermaßen dem Erdboden gleichgemacht, dass es Monate dauern würde, „bis man sich dem radioaktiven Staub auch nur nähern könnte“. Die Orte würden jedoch streng überwacht. Sollte man „die geringste Bewegung“ feststellen, werde man abermals angreifen. In den vergangenen Tagen hatten amerikanische Medien berichtet, Trump erwäge eine komplexe und riskante Operation, um Uran aus Iran zu bergen.
Von dem zuvor geäußerten Wunsch, auf Irans Öl zuzugreifen, sprach er am Mittwochabend ebenfalls nicht. In einer Ansprache vor Glaubensführern am Mittag hatte er das Thema noch erwähnt – die Veranstaltung war allerdings auch nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Das Weiße Haus veröffentlichte eine Videoaufnahme offenbar aus Versehen und löschte sie wenig später; ein Journalist verbreitete sie jedoch in den sozialen Netzwerken. Darin ist zu hören, wie Trump seinen wiederholt, er wolle sich das iranische Öl am liebsten „einfach nehmen“. Er sei sich nur nicht sicher, ob „die Leute in unserem Land“ die Geduld dafür hätten. Das sei bedauerlich. Weiter scherzte Trump, er werde später allen erzählen, „wie großartig ich bin, was für einen phänomenalen Job ich gemacht habe“.
Kein Frontalangriff auf die Verbündeten
In der Live-Ansprache beließ er es bei dem Hinweis, er habe als Präsident ein „totes und zerrüttetes Land“ in kürzester Zeit wieder auf Vordermann gebracht. Ja – viele Amerikaner seien „besorgt“ über den jüngsten Anstieg der Benzinpreise. Die Gallone kostete am Dienstag zum ersten Mal seit drei Jahren wieder mehr als vier Dollar, damals ein Ergebnis des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Diesmal, hob Trump hervor, sei der „kurzfristige Anstieg“ allein auf iranische Attacken auf Öltanker in Nachbarländern zurückzuführen. Nur weil er die „stärkste Wirtschaft der Geschichte“ aufgebaut habe, habe man es mit dem „Krebsgeschwür“ des iranischen Regimes aufnehmen können. Die Benzinpreise würden nach dem Ende des Krieges schnell wieder fallen, versprach er. Das ist in den vergangenen Wochen zu seinem Mantra geworden.
In seiner Rede forderte Trump Geduld der Amerikaner ein. Sie müssten den Konflikt im Verhältnis sehen – andere Kriege hätten weitaus länger gedauert, sagte er, und nannte zum Vergleich unter anderem den Zweiten Weltkrieg und den Vietnamkrieg. Es handele sich bei der Militäroperation gegen Iran um eine „Investition in die Zukunft eurer Kinder und Enkelkinder“.
Nachdem Trump und mehrere seiner Minister in den vergangenen Tagen einen Austritt aus der NATO nahegelegt hatten, beließ er es am Mittwoch bei einer kurzen Schelte, ohne konkrete Namen zu nennen. Die Länder, die auf Öl aus der Straße von Hormus angewiesen seien, müssten sich um die Passage kümmern. „Sie müssen sie sich nehmen und schützen.“ Die Vereinigten Staaten würden helfen, aber andere müssten die Führung übernehmen, sagte Trump.
Dann fand er eine neue Formulierung für die schwierige Lage rund um die Passage, durch die rund ein Fünftel der globalen Ölversorgung läuft. Die Straße werde nach dem Krieg „ganz von selbst“ wieder öffnen. Schließlich wolle Iran ja auch Öl verkaufen. Das sei alles, was ihnen bleibe.
