
Die digitale Neobank Revolut hat im zehnten Jahr nach ihrer Gründung Rekordgewinne erzielt und wächst auch in Deutschland weiter rapide. Wie das britische Unternehmen am Dienstag mitteilte, stieg der Vorsteuergewinn im vergangenen Geschäftsjahr um 57 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um fast die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro zu.
Revolut konnte die Zahl seiner aktiven Kunden um 30 Prozent steigern und hat inzwischen die Marke von 70 Millionen überschritten. Die Einlagen wuchsen auf fast 60 Milliarden Euro. Die erst 2015 gegründete Bank sieht sich weiter auf dem Weg, schon Mitte 2027 das Ziel von 100 Millionen Kunden zu erreichen.
In Deutschland gewann Revolut im vergangenen Jahr 800.000 Kunden hinzu und erreicht nun mehr als drei Millionen. Diese Basis soll weiter in großen Schritten wachsen. In diesem Jahr werde Revolut auf dem deutschen Markt eine Million Kunden dazugewinnen, sagte der für Wachstum und Marketing zuständige Vorstand Antoine Le Nel der F.A.Z. „Im Jahr 2030 sollten wir dann bei acht bis zehn Millionen Kunden in Deutschland liegen.“
In den Anfangsjahren war Revolut vor allem für Geldtransfers und Währungsumtausch beliebt, inzwischen ist die Palette der angebotenen Bankdienstleistungen breit. Zwei Kundengruppen würden dominieren, sagte Le Nel: Gutverdiener mittleren Alters, die viel reisen, und junge Erwachsene, für die die Revolut-App die erste Bankverbindung werde.
Die erste „wirklich globale Bank“
Revolut-Mitgründer und Vorstandschef Nik Storonsky will die derzeit in vierzig Ländern tätige Digitalbank zu einer „wirklich globalen Bank“ ausbauen. „2025 war ein entscheidendes Jahr für uns“, sagte er. „Wir haben ein diversifiziertes und robustes Geschäftsmodell aufgebaut, das profitabel skaliert und die Grundlage für weiteres Wachstum bildet.“ Die 2015 gegründete Neobank hat im vergangenen Jahr auch ihre Stellung als mit Abstand wertvollstes europäisches Fintech-Start-up gefestigt. Bei einer Finanzierungsrunde, an der sich auch Nvidia beteiligte, wurde Revolut mit 75 Milliarden Dollar bewertet – das ist mehr als beispielsweise der Börsenwert der Deutschen Bank.
Vorstandsmitglied Antoine Le Nel sagte im Gespräch mit der F.A.Z.: „Was wirklich herausragend ist an den Resultaten, ist die Steigerung des Kundenengagements und der Effizienz des Unternehmens. Die Kundenzahl stieg 2025 um 30 Prozent, der Umsatz jedoch um 46 Prozent und das Einlagenvolumen um mehr als 66 Prozent.“ Es gebe zwei exponentiell wachsende Kurven: mehr Kunden und mehr Engagement je Kunde. Das führe zu sehr steil steigenden Erträgen.
Gleichzeitig unterstreicht die Neobank, wie diversifiziert ihr Geschäftsmodell und ihre Erträge sind. Es gebe elf Produktlinien, die jeweils mehr als 100 Millionen Euro Umsatz überschritten. „Keine einzelne Einnahmequelle macht mehr als 23 Prozent am Gesamtumsatz aus“, betont das Unternehmen. Das Modell werde damit zunehmend unabhängig von Zinsumfeld und Marktzyklen und unterscheide sich damit von vielen Wettbewerbern, vor allem den klassischen Banken.
Die größten Umsatzfelder sind laut Le Nel erstens Kartenzahlungen, womit Revolut im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete, zweitens die Nettozinserträge (1,1 Milliarden Euro Umsatz), drittens Abonnements für verschiedene Stufen von Services und Bankkonditionen (gut 800 Millionen Euro), viertens Währungsumtausch und fünftens Vermögensverwaltung, Handel mit Aktien, Wertpapieren sowie Kryptowährungen. Der reine Kryptohandel mache nur einen einstelligen Prozentsatz des Gesamtumsatzes aus.
Revolut ist inzwischen auf dreißig von vierzig Märkten als lizenzierte Bank tätig. Jüngst erhielt das Fintech-Unternehmen die Volllizenz für Großbritannien, wo es schon mehr als 13 Millionen Kunden gewonnen hat. Anfang März hat Revolut eine Banklizenz für die USA beantragt.
