In einem vom WDR organisierten Stadtgespräch ist der Chef der Sparkasse Gelsenkirchen, Michael Klotz, erstmals mit Betroffenen des Einbruchs zusammengetroffen. Diese hatten viele Fragen – und übten auch Kritik am Vorgehen der Sparkasse. Klotz sagte, seit Ende Dezember sei “kaum eine Minute vergangen, in der ich mich nicht mit dem Einbruch beschäftigt hätte, im Büro und außerhalb”. So ein Diebstahl gehe “an keinem spurlos vorüber”.
Ende Dezember hatten bislang unbekannte Täter sich durch das angrenzende
Parkhaus Zugang zu einer Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen verschafft
und dort mehr als 3.000 Kundenschließfächer leer geräumt.
Der Wert der gestohlenen Gegenstände – Geld, Gold und Juwelen –
beläuft sich auf etwa 100 Millionen Euro. Mindestens drei Geschädigte
haben Klage gegen die Sparkasse eingereicht.
Klotz sagte, es könne keine hundertprozentige Sicherheit vor solchen Taten geben. “Es trifft uns natürlich zutiefst, und es tut uns auch leid”, sagte der Sparkassen-Chef. “Ich verstehe den Unmut, ich verstehe den Ärger. Ich bitte umgekehrt für Verständnis: Die Sparkasse ist nicht der Täter, sie ist wie die Kunden das Opfer des Verbrechens.”
Eine Betroffene sagte: “Der erste Schock ist verdaut, aber das Gefühl ist immer noch da – diese Hilflosigkeit, die Zukunftsängste. Es war das Ersparte für nach der Rente.”
Großen Unmut äußerte ein weiterer Betroffener darüber, dass er nachweisen muss, was in seinem Schließfach gelagert wurde. Er müsse beweisen, dass bei seinem allerletzten Besuch am Schließfach alles wie angegeben drin war, was aber nicht gehe, sagte der Mann.
War die Sparkasse nach dem Einbruch überfordert?
Der Sparkassen-Chef sagte, der Fall habe eine Dimension, die mit 3.000 Betroffenen einmalig sei. Ursprünglich habe er geplant, die Filiale in Gelsenkirchen am 30. Dezember, am Tag nach dem Einbruch, zu öffnen, um mit den Betroffenen zu reden. Aber der Zulauf sei zu groß gewesen. “Rückschauend betrachtet hätte man das anders machen sollen.”
Klotz sagte, dass 140 Schließfächer nicht vom Einbruch betroffen seien. Ab der übernächsten Woche sollen Termine gemacht werden, damit die Kunden wieder Zugang zu ihren Fächern bekommen.
Außerdem zu Gast war der Gelsenkirchener Polizeipräsident Tim Frommeyer. Er sagte: “Jeder Vergleich mit George Clooney oder jeder Vergleich mit Ocean’s Eleven verbietet sich einfach. Also das ist eine Tat, die von Schwerstkriminellen in sehr professioneller Art und Weise durchgeführt wurde.” Man sei mittlerweile bei über 600 Hinweisen. Wie lange die Ermittlungen dauern, könne er nicht sagen, er gehe aber von Monaten aus. “Aufgrund der vielen Spuren, die da sind, werden wir, da bin ich positiv, diese Täter irgendwann bekommen.”
