Angela Merkel will einfach nicht abtreten. Klar, als Kanzlerin hat sie das längst getan, ihre zweite Karriere als Kriminalistin aber setzt sie unbeirrt fort. Mit „Mord unterm Weihnachtsbaum“ hat David Safier vergangenes Jahr schon den fünften Roman seiner „Miss Merkel“-Reihe veröffentlicht, in der die Altkanzlerin dem Ruhestand in der Uckermark entflieht, um als Hobbydetektivin Verbrechen aufzuklären; drei der Bücher sind mit Katharina Thalbach in der Titelrolle verfilmt worden. Und im Unterschied zur politischen Laufbahn Merkels gilt bei Safier: Nichts bleibt ungelöst.
Gesetztes Alter, gemütliche Statur, die Neigung zu einer gewissen Schrulligkeit und der Ruf, dem Gros der Wähler- und Leserschaft geistig überlegen zu sein: Angela Merkel scheint eine Idealbesetzung für ein Genre zu sein, das hierzulande Schmunzelkrimi heißt und im Angelsächsischen cozy crime, wofür sich dann die Eindeutschung Kuschelkrimi anböte.
Merkel befindet sich dabei in illustrer Gesellschaft. In der Buchreihe „Die Fälle ihrer Majestät“ zum Beispiel darf Elizabeth II. als Krimi-Queen fortleben. Doch nicht nur Royals und Politrentner schickt man auf Mörderjagd. Zu Krimihelden wurden auch schon Oscar Wilde und Charles Dickens, Leonardo da Vinci und Sigmund Freud, Machiavelli und Marx – allerdings nicht Karl, sondern Groucho. Thomas Mann trat schon zweimal als Ermittler auf. Die Männerlastigkeit wenigstens ein bisschen ausgleichen wird im Mai der Historienroman „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer“, in dem es ein Geheimbund um Bettina von Arnim und Annette von Droste-Hülshoff mit rätselhaften Todesfällen zu tun bekommt.
Macht der Erfolg übermütig?
Und warum das alles? Der Krimi ist nun mal der Deutschen liebste Gattung, und während der Autor einen neuen Ermittler erst mühsam beim Publikum etablieren muss, sind bei den prominenten Protagonisten deren Meriten und Marotten längst bekannt. Wobei ein Machiavelli-Roman bei uns sicher nicht das Bestseller-Potential von David Safiers „Miss Merkel“-Büchern hätte. Bei einem Blick in die Vorschau des Rowohlt-Verlags fragt man sich aber, ob Safiers Erfolg ihn nicht übermütig gemacht hat – wird er doch im Juni einen Neuzugang in der Ermittlerriege präsentieren, den niemand ernsthaft erwarten konnte: Armin Laschet.
Ausgangspunkt des Romans „00-Laschet“ (!) ist laut Rowohlt, dass Laschet im Schloss Bellevue als frisch gekürter Bundespräsident (!!) erfährt, dass er im neuen Amt Elite-Agenten bei deren Mission unterstützen soll (!!!). Das wirft nun dermaßen viele Fragen auf, dass wir sie dem Autor sogleich persönlich stellen müssen. Wie es sich für einen Vielschreiber gebührt, beantwortet David Safier unsere E-Mail binnen weniger Minuten.

Frage eins: „Laschet?! Warum ausgerechnet Laschet?“ Antwort: „Ich hatte Lust auf eine lustige Agentengeschichte. Und wer wäre als Topgeheimagent im Dienste Deutschlands besser geeignet als Armin Laschet? Nun, vermutlich sehr, sehr viele. Und genau deswegen habe ich ihn gewählt.“
Frage zwei: „Laschet als Bundespräsident? Haben Sie da irgendwelche Infos, die wir nicht kennen?“ Antwort: „Na, das ist top secret!“

Frage drei: „Wenn er jetzt bei Ihnen als Krimiheld auftaucht, darf Laschet seine politische Karriere als beendet betrachten? Merkel wurde ja erst als Altkanzlerin zur Ermittlerin.“ Antwort: „Jedenfalls freut er sich in meinem Roman am Anfang noch diebisch, dass er nicht Kanzler geworden ist. Viel zu anstrengend, so ein Job. Als Bundespräsident hofft er auf gutes Essen und Treffen mit Schauspielern wie Meryl Streep. Aber dann kommt es anders, und er wird zu 00-Laschet.“
Frage vier: „Wem werden Sie noch so alles eine Romanreihe widmen: Lauterbach? Söder? Wagenknecht?“ Antwort: „Keine Sorge, meine Pläne für die nächsten Reihen sind ganz, ganz andere und ohne Politiker. Also kein Indiana Habeck oder eine romantische Komödie mit Philipp Amthor und Ricarda Lang.“
Immerhin. Am Armin-Laschet-Krimi aber führt dieses Jahr kein Weg mehr vorbei – es sei denn, Markus Söder, der Laschets Karriere schon einmal sabotierte, lässt sich nun, wo der Plan in der Welt ist, noch was einfallen. Denn klänge „00-Söder“ nicht viel kerniger als „00-Laschet“?
Doch das sollen die beiden unter sich ausmachen. Wir selbst haben jetzt auch keine Zeit mehr, denn wir müssen schleunigst ein Exposé schreiben: Wäre doch gelacht, wenn wir die lustige Romanze mit Amthor und Lang nicht irgendeinem Verlag andrehen könnten.
