Barbara und George Woodroof haben 6000 Dollar bezahlt, um bei der Conservative Political Action Conference in einem Vorort von Dallas dabei zu sein. Der Silberstatus auf den Namensschildern um ihren Hals garantiert Zugang zur Lounge, Fotos mit Rednern und Cocktails in der VIP-Ecke. Aber erst einmal stellt sich das Ehepaar zum Foto vor einem Bus mit überlebensgroßem Konterfei Donald Trumps auf. „Er ist unser Mann“, sagt Barbara.
Sie waren beim republikanischen Parteitag 2024, haben für Trump Wahlkampf in Pennsylvania gemacht, sind zur Amtseinführung nach Washington gefahren und freuen sich jetzt auf vier Tage unter Gleichgesinnten in Texas. In einer Halle hier in Dallas haben die Woodroofs Trump vor elf Jahren zum ersten Mal live reden hören. Und das ging direkt ins Herz, sagt George.
Die CPAC-Konferenz ist in den vergangenen Jahren von einer Plattform für konservative Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten zu einem Festival zu Ehren Trumps geworden. Nur dass die Woodroofs ihn dieses Mal wohl nicht zu Gesicht bekommen. Nach neun Jahren hat Trump sich zum ersten Mal nicht als Hauptredner angemeldet. Stattdessen sollte er das Wochenende in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida verbringen. Das Ehepaar aus der Nähe von Dallas versteht das – schließlich gibt es ja den Irankrieg.
Sie schwärmen von Trumps Brillianz
Als Trump vor drei Jahren auf der Konferenz sprach, sagte er, unter ihm werde Amerika keine „endlosen Kriege“ mehr führen. Es gab großen Jubel. Im vergangenen Jahr versprach er, sein größtes Vermächtnis werde das eines Friedensbringers sein. George Woodroof findet nicht, dass er dieses Versprechen mit dem Angriff auf Iran gebrochen hat, auch wenn der inzwischen vier Wochen läuft. Das hier wird kein langer Krieg wie im Irak oder in Afghanistan, sagt der Texaner: Trump hat einen Plan, und das iranische Regime hat es schon lange verdient.

George kann das alles also nur gut finden. Der frühere Marine lernte seine Frau Barbara kennen, als er in Okinawa stationiert und sie dort Lehrerin für amerikanische Soldatenkinder war. Er hatte enge Freunde, die 1980 am Befreiungsversuch der amerikanischen Geiseln in der Botschaft in Teheran beteiligt waren.
Über das Regime sagt der Achtundsiebzigjährige: „Sie haben eine Menge Leute hier und anderswo umgebracht.“ Trump wisse, was er tue. Auch wenn die Energiepreise gerade in die Höhe schnellten, er und seine Berater seien „brillant“, gerade was die Wirtschaft angehe.
Der MAGA-Kern steht hinter Trump
Trump hat Barbara und George nicht ein einziges Mal enttäuscht in den vergangenen Jahren, da müssen sie nicht zweimal nachdenken. Barbara sagt außerdem, man habe gerade Jahre der hohen Benzinpreise hinter sich, und meint damit die Präsidentschaft des Demokraten Joe Biden. „Das ist hier nichts dagegen.“

So überschwänglich wie hier in Dallas reden nicht alle Republikaner dieser Tage über Trump. Nach einer jüngsten Umfrage von Reuters und Ipsos liegen die Zustimmungswerte des Präsidenten bei 36 Prozent – dem niedrigsten Wert seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Ein Drittel der befragten republikanischen Wähler ist unzufrieden mit seinem Vorgehen gegen die wachsenden Lebenshaltungskosten. Knapp zwei Drittel der Amerikaner beurteilen die Wirtschaft als „etwas“ oder „sehr schwach“.
Ein isolationistischer und antiisraelischer Flügel der „Make America Great Again“-Basis randaliert außerdem offen gegen Trumps Entscheidung, einen Krieg in Iran zu beginnen. Doch der harte Kern von MAGA steht laut Umfragen weiterhin aufseiten des Präsidenten. Und auf der CPAC wird Kritik, wenn überhaupt, nur zurückhaltend geäußert.
MAGA ist längst auch ein Geschäftsmodell
Der Personenkult um Trump kennt keine Grenzen. Sein Gesicht ist auf Hunderte T-Shirts gedruckt, für 32 Dollar gibt es auf Baumwolle das Motiv mit gereckter Faust nach dem Attentat. Zwei Dollar mehr kostet das schwarz-weiße Shirt mit der Aufschrift „Daddy ist zu Hause“, einem Spruch, den Trump selbst in Umlauf gebracht hat. An einem Stand liegen strassbesetzte Anstecker: „Ich liebe Jesus“ und „Ich liebe Trump“, hergestellt in China.

Besucher können Zigarren mit einem Foto des Präsidenten kaufen, Quietsche-Entchen mit blonder Tolle und dunkelblauem Anzug, Trinkflaschen in Handgranatenform und pinke Badehosen mit Adler, amerikanischer Flagge und Maschinengewehr.
MAGA ist längst auch ein Geschäftsmodell geworden, das stabiler ist als vorübergehende politische Krisen. Jimmy Pauscher und sein Partner haben ihr Geschäft 2016 aus einer Garage in Colorado heraus begonnen. Bemalte und gravierte Holzplatten mit patriotischer Botschaft. Nach mehreren Auftritten in konservativen Sendern kamen die Auftragsarbeiten, beim feierlichen Abendessen mit Sonderticket auf der CPAC wird nun eine Waffenkiste der Männer versteigert.
Kurze Antworten auf komplexe Fragen
Pauscher war zwanzig Jahre lang Barkeeper und weiß, wie man mit Leuten redet. Am liebsten sind ihm aber die Veranstaltungen, bei denen niemand am Stand vorbeiläuft und sich verächtlich äußert. Über die Motive des ermordeten MAGA-Aktivisten Charlie Kirk zum Beispiel oder die Holzuntersetzer mit dem „Golf von Amerika“ oder zwei gekreuzten Gewehren und der Aufschrift: „Fuck around and find out“, wer provoziert, wird die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Pauscher hält sich aus politischen Diskussionen heraus. Die Lage in Iran hat er kaum verfolgt, er kommt gerade erst vom Rodeo in Houston. „Ich hasse Krieg“, sagt er. Seine Frau war in der Air Force. Aber was Trump da treibt, findet er dann doch in Ordnung. Denn „was in Iran seit Jahrzehnten vor sich geht“, sei auch nicht richtig, sagt Pauscher, ohne dass er das weiter ausführt.
Er hat viele kurze Antworten auf schwierige Sachverhalte. Die Aufklärung der Verbrechen des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein? Das ist für ihn eine globale Sache. Trump tue sein Bestes. Die aus dem Ruder gelaufenen Einsätze der Einwanderungspolizei ICE in den vergangenen Monaten? „Es hätte nie dazu kommen dürfen, dass wir sie brauchen.“
Kritiker wurden nicht eingeladen
Ein Stockwerk über Pauscher lässt sich Trumps Grenzbeauftragter Tom Homan feiern. Er plaudert aus dem Nähkästchen – Trump arbeite rund um die Uhr, rufe ihn oft nachts um halb drei an, wolle immer deeskalieren. Im Übrigen bete er, Homan, jede Nacht für die Sicherheit der ICE-Beamten und auch für den „besten Präsidenten meiner Lebzeit“. Das Publikum jubelt. Zum Ende seines Auftritts betet Mercedes Schlapp für ihn, eine der Organisatorinnen der Konferenz. Ohne Gott keine CPAC.

Wenige Stunden vorher hat Schlapp die Lesart des Irankriegs für die Konferenz ausgegeben: Trump habe den Krieg nicht begonnen, er beende vielmehr einen jahrzehntealten Krieg. Auch da bricht die Menge in Applaus aus. Eine amerikanisch-iranische Podiumsteilnehmerin versichert, der endgültige Schritt zu einem Regimewechsel sei Sache des iranischen Volkes – das verlange man nicht von den Amerikanern. Trump lege dafür nur die Grundlage.
Die lautesten Kritiker des Irankriegs, unter ihnen die früheren Fox-News-Moderatoren Tucker Carlson und Megyn Kelly, stehen dieses Jahr gar nicht erst auf der Rednerliste. Der vormalige Journalist Benny Johnson, dem in den sozialen Netzwerken etwa zwölf Millionen Menschen folgen, sieht sich dennoch zu einer Botschaft des Zusammenhalts genötigt.
Trump kommt dieses Jahr nicht zur CPAC
Der Feind, sagt er in Dallas, ist nicht derjenige innerhalb der eigenen Bewegung, mit dem man auf Augenhöhe verschiedener Meinung sein könne. „Dein Feind sind die Marxisten, die uns in den Zwischenwahlen und 2028 heftig herausfordern werden.“ Derlei Parolen kommen für den Moment gut an.

Doch aller Glitzer und aller Jubel können nicht überdecken, dass die CPAC schon bessere Tage gesehen hat. Nicht nur bleibt der Präsident der eigenen Huldigungsveranstaltung fern, er schickt noch nicht einmal den Vizepräsidenten J.D. Vance, auch wenn ein Überraschungsbesuch nicht ausgeschlossen ist.
Vor einem Jahr stand der damals von Trump als oberster Sparbeauftragter ausgewählte Elon Musk mit einer Kettensäge auf der CPAC-Bühne in Washington, um die Erfolge der DOGE-Behörde zu feiern. Trump selbst schwärmte von seiner Bewegung, die Washington dominiere wie nie zuvor.
Vertrauen auf Trump
Wer dieses Jahr parallel zur CPAC die Nachrichten verfolgt, der liest von einem Ölpreis von mehr als hundert Dollar, Trumps mäanderndem Kurs gegenüber Teheran und Benzin, das im Schnitt inzwischen einen Dollar je Gallone teurer ist als vor Beginn des Irankriegs.
Alex Lorusso sagt: „Ich habe Trump gewählt und damit auch seine Entscheidungen.“ Wer sich im Wahlkampf gegen Kriege ausspricht und dann so eine Entscheidung trifft, der muss einen guten Grund haben, sagt der dreißig Jahre alte rechte Aktivist. Für ihn ist klar, dass Trump sich jetzt nicht zu Details äußern kann. „Und am Ende“, sagt Lorusso, „wird ohnehin erst die Zeit zeigen, ob das die richtige Entscheidung war.“

Lorusso gehört zur jüngeren Generation der Trump-Versteher. Der dreißig Jahre alte Mann hat sich in der rechtskonservativen Szene einen Namen gemacht, als sein Twitter-Account 2020 wegen Verstößen gegen die Richtlinien zu Manipulation und Spam gesperrt wurde und er sich zum Vorkämpfer für Meinungsfreiheit ausrief. Heute folgen ihm eine Million Menschen – und auf der Plattform Truth Social auch der Präsident selbst, wie er stolz erzählt.
Von Fan zum Redner
Lorusso will es gewesen sein, der Trump riet, der erste Beitrag auf X nach der Sperrung von Trumps Konto müsse einschlagen wie eine Bombe: Er solle sein Polizeifoto vom Wahlbetrugsprozess in Georgia veröffentlichen. So kam es. Und Lorusso schreibt das seinem Rat zu.
Er ist in den Trump-Kosmos hineingewachsen. Als er 2017 zu seiner ersten CPAC in Washington fuhr, kam er mit dem Nachtbus von der Universität in Massachusetts. Fünf Uhr morgens Ankunft, in die Schlange für Trumps Rede und nachts wieder nach Hause. Diesmal nimmt er selbst an einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz teil. Dass Trump nicht kommt, findet er schade. Aber Lorusso war auch schon mal in Mar-a-Lago zum Abendessen eingeladen, deswegen ist das nicht so schlimm.
Auf seinem Pullover ist die Silhouette des Präsidenten abgebildet, mit weißen, glühenden Augen. Am Himmel darüber ein B-2-Bomber und darunter der Schriftzug: „American Supremacist“. Das Wort „Vorherrschaft“ findet Lorusso unbedenklich. Es komme darauf an, was davor stehe, sagt er und grinst. Das heiße nur, dass Amerika das beste Land der Welt sei.
