
Während viele Länder unter Krisen und Handelshemmnissen leiden, beschleunigt sich der chinesische Exportmotor immer weiter. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres legten die Ausfuhren um mehr als ein Fünftel zu, wie Chinas Zollbehörde am Dienstag in Peking mitteilte. Die Einfuhren stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls stark, allerdings weniger schnell als die Ausfuhren.
Beide Werte übertrafen die Erwartungen von Volkswirten bei weitem. Januar und Februar werden in vielen chinesischen Statistiken gemeinsam ausgewiesen, weil das chinesische Neujahrsfest mal in den Januar und mal in den Februar fällt und deshalb die Monatsdaten verzerrt.
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist damit auf dem besten Weg, den Exportüberschuss, der im Vorjahr den Rekord von 1,2 Billionen Dollar erreicht hatte, noch zu übertreffen. Im Januar und Februar legte dieser um mehr als ein Viertel von 171 auf 214 Milliarden Dollar zu. Offen ist indes, wie sich der Irankrieg auf Chinas Außenhandel auswirkt.
Chinas Export nach Deutschland wächst rasant
Der Handel des einstigen Exportweltmeisters Deutschland mit der Volksrepublik wird immer einseitiger. Chinas Export nach Deutschland legte um knapp ein Drittel zu, die deutschen Lieferungen in die Gegenrichtung stiegen dagegen nur um fünf Prozent. Das Land ist Deutschlands wichtigster Handelspartner.
China schickte den Daten zufolge in den ersten beiden Monaten Waren im Wert von knapp 22 Milliarden Dollar nach Deutschland, den umgekehrten Weg traten nur Waren im Wert von knapp 14 Milliarden Dollar an. Damit ist Deutschlands Import aus China gut die Hälfte größer als der Export ins Reich der Mitte.
Insgesamt stagnierten Deutschlands Exporte in die Welt im Januar, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gegenüber dem Vorjahresmonat legten die Ausfuhren um 0,6 Prozent auf 130,5 Milliarden Euro zu, im Vergleich zum Dezember gab es jedoch ein Minus von 2,3 Prozent. Der Import sank gegenüber dem Januar 2025 um vier Prozent.
Handel mit den USA gibt nach
Chinas Handel mit Deutschland entwickelt sich ähnlich wie der mit vielen anderen Ländern. Nach Frankreich, Italien, Malaysia oder Thailand lieferten chinesische Unternehmen rund ein Drittel mehr, während Chinas Einfuhren von dort deutlich weniger schnell anstiegen. Der Export der Volksrepublik nach Afrika schoss sogar um die Hälfte in die Höhe, Chinas Einfuhren legten dagegen nur um 16 Prozent zu. Andere Länder, darunter etwa Vietnam, Singapur, Südkorea, Australien und Brasilien steigerten ihre Lieferungen in die Volksrepublik schneller als Chinas Ausfuhren in die Gegenrichtung zulegten.
Insgesamt gelang es dem Reich der Mitte aber wie schon im vergangenen Jahr, den stark sinkenden bilateralen Handel mit den USA mehr als zu kompensieren. Dieser gab in Folge der hohen Zölle zwar um 15 Prozent nach, insgesamt legte der Außenhandel aber um ein Fünftel zu. Offen ist, wie sich der Handel der beiden größten Volkswirtschaften der Welt nach dem Zollurteil des Obersten Gerichtshofs entwickelt.
Autos, Schiffe und Computerchips boomen
Getrieben wurde der Exportboom von Waren, die das Zollamt unter „elektromechanischen Produkten“ zusammenfasst. Diese Güterklasse macht rund zwei Drittel der chinesischen Ausfuhren aus und legte um mehr als ein Viertel zu. Dazu zählen etwa Mobiltelefone, Maschinen oder Flachbildschirme, aber auch Autos, Schiffe oder Computerchips, deren Export besonders rasant wuchs. So lieferte China Autos im Wert von 27 Milliarden Dollar ins Ausland, nach 16 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Export von Computerchips stieg sogar um mehr als 18 Milliarden auf 43 Milliarden Dollar. Der Wert der exportierten Schiffe schoss von sieben auf 10,5 Milliarden Dollar in die Höhe.
Die Zahlen sind ein Indiz dafür, dass die Bemühungen westlicher Regierungen, der chinesischen Exportwelle Einhalt zu gebieten, weitgehend erfolglos sind. Mit Halbleitern, Autos und Schiffen legten ausgerechnet die Sektoren im Export am stärksten zu, die die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren besonders ins Visier genommen hatten.
Erst Ende Februar hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf seiner Reise nach China die Ungleichgewichte in der Handelsbilanz als Problem angesprochen und etwa eine Aufwertung der chinesischen Währung gefordert. Weder die Rede des Ministerpräsidenten Li Qiang auf dem Nationalen Volkskongress in der vergangenen Woche noch der kürzlich vorgestellte neue Fünfjahresplan legen nahe, dass die chinesische Führung auf die Beschwerden reagiert und ihre Industriepolitik anpasst.
