Am Morgen nach dem Triumph galt die Sorge dem Diamanten: Edin Džeko, der Veteran und Star der bosnischen Nationalmannschaft, hatte sich beim letzten Angriff im Spiel gegen Italien verletzt, und die Bilder sahen nicht gut aus. Džeko war unglücklich auf die Schulter gefallen, und es hieß, womöglich habe er sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen und müsse operiert werden.
Am Vormittag kam die Entwarnung: Medien berichteten, ein operativer Eingriff sei wohl nicht erforderlich. Der Diamant, wie sie ihn in seiner Heimat nennen, wird an der WM teilnehmen können. Sofern sich der in den Diensten von Schalke 04 stehende Rekordspieler (fast 150 Partien) und Rekordtorschütze (mehr als 70 Treffer) der Bosnier in der zu Ende gehenden deutschen Zweitligasaison nicht noch verletzt.
Zuvor hatten die Menschen in Bosnien den Sieg über Italien gefeiert, als habe sich ihre Nationalmannschaft nicht nur für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert, sondern diese auch gewonnen. Das Zentrum der Hauptstadt Sarajevo war in eine blau-gelbe Begeisterung getaucht.
Zehntausende Fans jubelten über die „Zmajevi“ (Drachen), die Italien soeben ins tiefste Fußballelend gestürzt hatten. Dass Džeko mit bandagiertem Arm in einem Lokal in Sarajevo feierte und lauthals sang, wurde dabei als erste Entwarnung aufgenommen, denn dann könne es wohl so ernst nicht sein mit seiner Verletzung.
In Bosnien-Hercegovina herrscht Optimismus, dass die zweite WM-Teilnahme erfolgreicher verlaufen könnte als die erste im Jahr 2014 in Brasilien, als man in der Vorrunde ausschied. Im zweiten Anlauf sind die Gegner in der Vorrunde Kanada, Qatar und die Schweiz. Kanada und Qatar sollten lösbare Aufgaben sein, und an einem guten Tag kann die bosnische Auswahl auch gegen die Schweiz bestehen.
Dass es zuletzt häufiger gute Tage gab im bosnischen Fußball wird auch dem Trainer Sergej Barbarez zugeschrieben. Dem ehemaligen HSV-Fußballer ist es gelungen, eine spielstarke Mannschaft aufzubauen. Dabei war der Beginn alles andere als glänzend.
Unvergessen ist etwa das 0:7 gegen Deutschland im November 2024. Doch mit beharrlicher Aufbauarbeit hat Barbarez um den 40 Jahre alten Routinier Džeko ein Team geformt, das überraschen kann – die Bosnier selbst, die Italiener auch – und vielleicht im Sommer sogar die ganze Welt.
