
Der Landesvater zeigt sich als gelehriger Schüler. Boris Rhein steht auf dem Spargelfeld am Rand von Darmstadt und lässt sich zeigen, wie die Stangen gestochen werden. Der CDU-Politiker hat zwei gute Lehrer an der Seite, die an dem Damm aus Sand vormachen, wie es geht: den Spargelbauern Max Benz und die Spargelkönigin Elena I., die kurz zuvor von Rhein gekrönt worden ist. Der Ministerpräsident lernt, wie man richtig mit dem Gewächs des heimischen Bodens umgeht.
Erst muss man die Stange, die ihren Kopf aus dem Sand reckt, ein wenig freigraben, damit Nachbarstangen nicht beschädigt werden. Dann folgen der Schnitt und ein kleiner Ruck, um die Spargelstange herauszuziehen. Nach dem Ende seiner politischen Karriere werde er sich auf dem Hof Benz als Helfer für die Ernte bewerben, witzelt der Ministerpräsident. Der Spargelbauer kontert mit Humor: Wenn das nicht so richtig klappe, könne Rhein immer noch im Verkauf im Hofladen arbeiten.
Der Landesvater ist auf den Hof Benz in Darmstadt gekommen, um zur Eröffnung der Saison für die hessische Landwirtschaft und besonders für den Spargel aus dem Anbaugebiet in Südhessen zu werben: Was wäre die Landschaft ohne die Landwirtschaft, und der Spargel als Frühlingsbote mache gute Laune, sagt er. Er spart nicht an Lob für das Gewächs aus regionalem Anbau: „Wir schmecken die gute Herkunft, wir schmecken die Handarbeit der Höfe.“
Rhein: Hessen nicht nur Land der Auto- und Pharmaindustrie
Die landwirtschaftlichen Betriebe seien wichtig für Wohlstand und Arbeitsplätze, hebt der Ministerpräsident hervor. Hessen sei eben nicht nur ein Land der Auto- und Pharmaindustrie, sondern auch ein Land der Landwirtschaft. Rhein zeigt Verständnis für die Herausforderungen, mit denen die Bauern zu kämpfen hätten, von den hohen Preisen für Treibstoff und Dünger bis zur Kohlendioxidsteuer.
Über das alles beklagt Landwirt Benz sich nicht. Vielmehr hat er nur positive Nachrichten. Der kalte Winter habe dem Spargel gutgetan. Und den Verkaufspreis habe er nicht erhöhen wollen, sagt der Bauer. Wenn schon so viel anderes teurer werde, wolle er den Kunden nicht auch noch die Lust auf den Spargel verderben.
In dieser Saison kostet ein Kilogramm zehn bis 18 Euro, je nach Qualität und Sortierung, wie Chantal Wendel, Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, sagt. Die weißen Stangen gelten als die edelsten. Sind die Köpfchen ein wenig violett geworden, kosten die Stangen etwas weniger.
Grüner Spargel ist bei jungen Kunden beliebt, wie Benz sagt. Ohnehin macht er sich keine Sorgen, Spargel könnte zu einem Seniorengemüse werden. Denn in sozialen Medien seien es junge Köche, die Spargelrezepte vorführten. Benz verrät auch, wie er selbst die Stangen am liebsten zubereitet: weiße Stangen im Dampf gegart, grüne auf dem Grill.
