
Wie kann der Unterricht besser werden? Was können Lehrer tun, um ihren Alltag besser zu machen? Buchtipps für Lehrer aus der FOCUS-SCHULE-Redaktion.
40.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland schwänzen täglich die Schule. Schockiert? Von denen, die die Schule besuchen, gehen 80 Prozent gerne hin. Erleichtert? Sie tun das aber, weil sie dort ihre Freunde treffen, nicht etwa, weil sie gerne lernen. Ein alarmierendes Zeichen!
Von solchen Fakten ausgehend, beschäftigt sich der ehemalige Schulleiter Eugen Füner in seinem Buch „Ist die Schule noch zu retten?“ ausführlich mit der historischen Entwicklung des Schulsystems und der gegenwärtigen Schulwirklichkeit. Aus der Kritik von Schülern, Lehrern, Eltern und Gesellschaft entwickelt er schließlich ein Konzept für ein neues Bildungssystem – ohne Noten, Abschlüsse und Lehrpläne. Wie das gehen soll? Am besten selbst lesen! (Nina Riedel)
“Ist die Schule noch zu retten? Ideen und Vorschläge für ein ganz anderes Bildungskonzept“ von Eugen Füner, Verlag Hartmut Becker, 284 Seiten, 14,80 Euro.
Man kann Schule ändern, verspricht Axel Beyer. Wie das geht erläutert er in seiner Darstellung der „Club of Rome“-Schulen.
Herkömmliche Bildungsanstalten sind von gestern, moderne Schulen wie die „Club of Rome“-Schulen sind das Konzept von heute und die Vision für morgen: Von der klingenden Grundschule, in der jedes Kind ein Musikinstrument lernt, bis zum bewegungsfreundlichen Schulhof – diese Schulen zielen auf handlungsorientiertes Lernen mit spezifischer Wertorientierung.
Der Club of Rome wurde 1968 von einem italienischen Industriellen gegründet und versteht sich als multinationale und interdisziplinäre Denkfabrik, die Fragen der Menschheit für die Zukunft in den Vordergrund rückt. Den Schülern wird Globalitätssinn vermittelt und mit ihnen systemisches Denken geübt. Die Lernstruktur der CoR-Schulen geht über das traditionelle, nach einem linearen Denkmodell entwickelte Lernen hinaus und orientiert sich an aktuellen, komplexen Zusammenhängen. Ein Denken in Szenarien lehrt die Schüler, über die Nachhaltigkeit ihrer Entscheidungen zu reflektieren. Gestaltungsfähigkeit und Verantwortung sind von besonderer Bedeutung. Das Lernkonzept orientiert sich an einer Vielzahl von Themen, mittels derer die Schüler an die Herausforderungen einer globalen Weltwirtschaft geführt werden. Eigenverantwortlich suchen sie Lösungen und lernen mittels verbindlicher Wertorientierungen, verschiedene Lösungsansätze zu bewerten. Das Konzept der CoR-Schulen ermöglicht außerdem, eine Mehrsprachigkeit der Schulkinder zur Selbstverständlichkeit und zur Bereicherung werden zu lassen.
„Wie wir lernen wollen. Schule kann man ändern“ ist ein umfassendes Handbuch für interessierte Lehrer und verantwortungsvolle Eltern, das eine Kursänderung in der Bildung erreichen möchte. Im Buch ist auch eine Liste der CoR-Schulen zu finden. (Renée Rogage)
„Wie wir lernen wollen. Schule kann man ändern“ von Axel Beyer, Murmann, 12,50 Euro.
Immer wieder wird vom Werteverfall bei Kindern und Jugendlichen gesprochen. Welches aber sind diese Werte? Und von wem oder was werden sie eigentlich vermittelt? Nicht nur Eltern, Lehrer und Peer Groups – viele Werte, die Jugendliche haben, sind auch durch die Medien geprägt: Fernsehen, Bücher, Zeitschriften, PC-Spiele, Videos und DVDs. Sie unterhalten Kinder und vermitteln ihnen täglich neue und prägende Erfahrungen.
Zwölf namhafte Jugendmedienforscher aus dem deutschsprachigen Raum haben sich in dem Buch „Jugend – Werte – Medien: Ein Diskurs“ dieses hoch spannenden Themas angenommen. Sie diskutieren in ihren Aufsätzen unter anderem über den Zweck des Internets, die Orientierungsfunktion der Medien und das Weltbild des Fernsehens. Außerdem beleuchten sie, wie Kinder und Jugendliche als Konsumenten und Zielgruppe angesprochen werden. Titel der Aufsätze sind beispielsweise: „Das Todesbild in Daily Soaps“ oder „Keine Sterne für die Stars? Was Jugendliche an ihren medialen Bezugspersonen kritisieren“.
Ein spannendes Buch für Lehrer, Pädagogen und Interessierte, die die hin und wieder etwas trockene Sprache nicht scheuen, in der hier von empirischen Forschungen berichtet wird. (Nina Riedel)
„Jugend – Werte – Medien: Der Diskurs“ von Gudrun Marci-Boehncke und Matthias Rath (Hrsg.), Stiftung Ravensburger/Beltz, 199 Seiten, 26,90 Euro
Schlechte Noten fürs deutsche Schulsystem von der UN-Inspektion, Nachsitzen für deutsche Schüler nach der Pisa-Studie und Alarmmeldungen in den Medien. Gibt es einen Weg aus dem Dilemma jenseits von öffentlichen Debatten, die in den alten Sackgassen der Bildungspolitik münden? Peter J. Brenner wagt nicht nur eine unverblümte Moment-Aufnahme an deutschen Schulen (Wie sieht Schule aus?) und kommentiert die verschiedenen Schularten, sondern beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie und was Schüler lernen sollen.
Schule muss „fernab von jeder Werterziehung und jedem Gesinnungsunterricht ihren Schülern zivilisierte Verhaltensweisen und disziplinierte Arbeitsformen als Grundlage jeden Lernens vermitteln“, fordert Brenner als oberste Prämisse an jede Reform der deutschen Schule. Er zeigt dabei Wege und Irrwege auf und erläutert auch pädagogische Konzepte wie „offener“ und „fächerübergreifender“ Unterricht.
Und wie steht es mit der Zukunft einzelner Schulfächer und Disziplinierung im Unterricht? Brenner fordert Schulen auf, ein „kulturelles Kerncurriculum“ zu definieren, denn über die Lerninhalte bestehe kein Konsens. Pisa lehrt uns lediglich, was Schüler können müssen, nicht aber, was sie lernen sollen. Was also tun? Wie es besser wird, erläutert Brenner ausführlich und zeichnet auch den Weg des Scheiterns der Bildungsreform nach.
Denkanstöße für eine bessere Bildung unserer Schüler, kompetent und fundiert, keine leichte Kost, aber es lohnt sich! (Renée Rogage)
„Schule in Deutschland. Ein Zwischenzeugnis“ von Peter J. Brenner, Verlag W. Kohlhammer, 22 Euro.
Dieses Handbuch richtet sich gleichermaßen an Lehrer und Eltern. Es ist der Versuch einer Annäherung zur Überwindung von Vorurteilen. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele sind Eltern gefordert, ihre Möglichkeiten der aktiven Mitarbeit und Mitbestimmung in der Schule zu nutzen. Der Aufruf richtet sich auch an Lehrer, das Potential der Eltern auszunutzen. Alle Beispiele beruhen auf wahren Begebenheiten der Autorin als Elternvertreterin und in der Elternberatung.
In einem ersten Teil reflektiert Frie ihre eigenen Erfahrungen mit Schule – Schule früher und heute – und wagt eine Selbstdarstellung von Lehrern, Eltern und der Institution Schule: Was erwarten die einzelnen Interessensgruppen voneinander und wie lässt sich dies umsetzen? Eine komplexe Antwort findet sich in den Praxistipps vom ersten Kennenlernen und Elternabend bis zum Elternsprechtag. Was tun in Konfliktsituationen – aus Sicht der Eltern mit Lehrern bzw. Lehrer mit Schülern?
Frie beleuchtet grundsätzlich beide Seiten und rückt ins Bewusstsein: Was können Eltern als außerschulische Experten leisten? Welche Bedeutung haben Lehrer als Partner und Experten? Verbesserungsvorschläge und praktische Tipps, Analysen von Praxisbeispielen und immer wieder der Anstoß: Mitmachen! Das zeichnet dieses Handbuch aus und bietet außerdem einen Fundus an Literatur- und Webtipps. (Renée Rogage)
„Wie Eltern Schule mitgestalten können. Ein Handbuch für Lehrer und Eltern“ von Petra Frie, Verlag an der Ruhr, 12,80 Euro.
