
In der Fastenzeit könnte man auf Kaffee und Schokolade verzichten. Autofahrern wird diese Entscheidung durch den Benzinpreisanstieg erleichtert: Wer an der Raststätte einen Latte Macchiato und einen süßen Riegel weniger bestellt, gleicht die gestiegenen Spritpreise einer ganzen Woche aus.
Die geringe Zusatzbelastung seit Beginn des Iran-Kriegs steht in keinem Verhältnis zur Empörung der Öffentlichkeit und zum Aktionismus der Politik. Union und SPD wollen Ölreserven freigeben und ihr „Kraftstoffmaßnahmenpaket“ durch den Bundestag peitschen. Der Entwurf ist mit heißer Nadel gestrickt, im zentralen Paragraphen zur Missbrauchsaufsicht findet sich ein dicker Schreibfehler. Für Speditionen mag die Situation angespannt sein, für normale Autofahrer ist sie es nicht. Sie können Preisschwankungen verkraften, zumal der Anstieg normalerweise geringer ist als die allgemeine Inflation.
Vielleicht ist es an der Zeit, jetzt weniger Auto zu fahren oder zumindest zu begreifen, wie ernst die (Kriegs-)Lage in anderen Weltgegenden ist. Deutschland hat den Verzicht verlernt, nicht nur in der Fastenzeit.
