Europa, so
forderte Emmanuel Macron in seiner europäischen Grundsatzrede 2017 an der Sorbonne, müsse seine nationalen Spaltungen überwinden und endlich eine eigene
“Souveränität aufbauen”. Die Rede des französischen Präsidenten war mitreißend,
sie sprühte vor Fantasie und zehrte glaubwürdig vom europäischen Traum, von
“Freiheit, Menschenrechten und Gerechtigkeit”. Doch man rätselte. Was meinte
Macron mit “Souveränität”, diesem ebenso schwierigen wie abgründigen Begriff?
Gestern hat Macron
erklärt, was er sich unter europäischer Souveränität vorstellt, und seine
nachgereichte Klärung klingt erschreckend. Inmitten einer Kulisse
voller stählerner Düsternis, auf dem Marinestützpunkt für Atom-U-Boote Île
Longue in Crozon, sagte er: “Um frei zu sein, muss man gefürchtet werden,
und dazu wiederum muss man Macht haben.” Er sprach nicht von
Verteidigungsfähigkeit oder Abschreckung, sondern bediente – “muss man
gefürchtet werden” – die Rhetorik der Furcht.
