Aus der Serie:
Die Position
Die steigende Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen hat andere Gründe. Natürliche Intelligenz wird mehr denn je gebraucht.
© Tanja Ivanova/Getty Images
Enzo Weber ist Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Zahlen schrubben, Präsentationen vorbereiten, Dokumente glattbügeln: typische Berufseinsteiger-Aufgaben. Weil all das mittlerweile eine künstliche Intelligenz (KI) erledigen kann, werde sie massenweise junge Leute im Arbeitsleben ersetzen – das wird derzeit häufig behauptet. Gefolgt von der Warnung, Berufseinsteiger könnten sich dadurch erst gar nicht mehr für andere Aufgaben weiterentwickeln. Aber stimmt das?
2022 wurde ChatGPT vorgestellt. In Deutschland ist die Arbeitslosigkeit von Menschen unter 30 Jahren seit September 2022 um 27 Prozent gestiegen und damit stärker als in der Gesamtbevölkerung (19 Prozent). Aber folgt daraus, dass Arbeitslose unter 30 im Vergleich zu anderen tatsächlich schlechter in Jobs kommen? Die Antwort ist Nein. Ihre Jobaufnahmequote – also der Anteil derer, die aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung gehen – hat genau parallel zur allgemeinen Jobaufnahmequote abgenommen. Anders gesagt: Im Abschwung sinken alle Schiffe.
