Aus aktuellem Anlass hat Jamal Musiala über einen Spieler des FC Bayern München gesprochen, wie sonst Jungs und Mädchen über ihn sprechen: als Fan. Er sei „glücklich“, sagte Musiala in einem kurzen Video, dass der Spieler seinen Vertrag verlängert habe, weil er ihm in den nächsten drei Jahren weiterhin „oft“ zusehen könne.
Das war nicht nur so dahingesagt. Schon in den vergangenen Jahren ist der Fußballspieler Musiala an seinen freien Tagen immer wieder als Fan in der Arena in München gewesen – um einem Basketballspieler zuzusehen.
Mit einem kleinen Feuerwerk aus solchen Videos hat die Basketballabteilung des FC Bayern am Montag auf ihren Social-Media-Kanälen gefeiert, dass Andreas Obst, 29 Jahre alt, Welt- und Europameister mit Deutschland, seinen Vertrag mit dem Klub vorzeitig bis Sommer 2029 verlängert hat. Man sieht, wie neben den Fußballspielern Musiala und Alphonso Davies auch die Fußballspielerinnen Giulia Gwinn und Lena Oberdorf gratulieren. Sie alle sind das, was auch Andreas Obst geworden ist: ein Gesicht des Klubs.
Es erfordert Besonderes, dass sich ein Basketballspieler in einer Fußballstadt einen Namen macht. Andreas Obst ist besonders. Er ist einer der besten Dreipunktewerfer in Europa, viele sagen sogar: der beste. In dieser Saison spielt er aber deswegen so gut wie noch nie, weil er nicht mehr so darauf angewiesen ist, dass seine Mitspieler ihn vor einem Dreipunktewurf freispielen. Er macht das einfach selbst.
Eine Million Euro netto pro Jahr
Und konnte sich damit nun so teuer verkaufen wie noch nie. Hätte er in Athen oder Istanbul mehr verdienen können? Vermutlich. Hätte er einen Wechsel in die NBA versuchen können? Vielleicht. Es habe „ein paar Gespräche“ gegeben, sagte Obst, aber ein Wechsel wäre auch „Gezocke“ gewesen. Er musste sich entscheiden: Entweder ein kleiner Fisch in einem großen Glas sein – oder ein großer Fisch in einem kleinen Glas. Am Ende hat der FC Bayern einem Spieler, der nicht gehen wollte, ein Angebot gemacht, das gut genug war, dass dieser nicht gehen musste.
In den nächsten drei Jahren wird Andreas Obst beim FC Bayern nach F.A.Z.-Informationen rund eine Million Euro pro Saison verdienen – nicht brutto, sondern netto. Für den Klub ist das ein Rekord. Und ein Risiko. Weil ein erheblicher Teil des Budgets für einen Spieler ausgegeben wird. Doch der Klub musste das Geld ausgeben, weil er sich den Abgang des beliebtesten und in dieser Saison auch besten Spielers nicht leisten konnte.
Am Montag wurde durch einen weiteren Social-Media-Post deutlich, dass Obst für den FC Bayern mittlerweile einen besonderen Wert hat. Darin verkündete der Klub, dass er „erstmals überhaupt anlässlich einer Vertragsverlängerung eines Profis eine kleine Merch-Kollektion“ entworfen habe, die dann schon am Dienstagabend im SAP Garden im Olympiapark verkauft werden sollte.
In dieser Arena mit 11.500 Plätzen, in der die Bayern ihre Euroleague-Spiele austragen, hat es schon mehrere Andreas-Obst-Spiele gegeben. In der vergangenen Saison, als er gegen Barcelona elf Dreipunktewürfe verwandelte und damit einen Euroleague-Rekord aufstellte. Und in dieser Saison, als er gegen Baskonia Vitoria-Gasteiz 37 Punkte machte. Wie schafft es ein Basketballklub in einer Fußballstadt, so eine Arena Woche für Woche zu füllen? Mit dem Verweis darauf, dass alle, die nicht kommen, das nächste Andreas-Obst-Spiel verpassen könnten.
Als die Fußballabteilung des FC Bayern vor einem Jahr den Vertrag mit Jamal Musiala verlängert hat, ist auch sie an ihre Grenzen gegangen. Doch selbst wenn Musiala gegangen wäre, wären andere geblieben, Harry Kane, Joshua Kimmich, Manuel Neuer. Wenn Andreas Obst gegangen wäre, wer wäre dann noch gewesen? Deswegen musste die Basketballabteilung über ihre Grenze gehen.
