
Wenn Andrea Nahles, Chefin der Bundesarbeitsagentur (BA), in den vergangenen Monaten den Arbeitsmarkt beschreiben musste, griff sie auf das gleiche Sprachbild zurück: Man sei in einer „Talsohle“. Da machte sie auch bei der Vorstellung der neuen Zahlen keine Ausnahme. Auf der Pressekonferenz am Dienstag ergänzte sie lediglich: „Das Tal wird halt einfach ein bisschen länger.“
Drei Jahre Wirtschaftsflaute haben den Arbeitsmarkt gezeichnet. Daran kann auch der Frühling nichts ändern. Zwar waren im März 49.000 Menschen weniger arbeitslos als noch im Februar. Dieser Rückgang ist aber üblich für die Jahreszeit, also ein saisonales Muster. Rechnet man das heraus, hat sich im Vergleich zum Februar nichts getan. Insgesamt waren im vergangenen Monat 3.021.000 Millionen Menschen ohne Job. Mit 6,4 Prozent liegt die Arbeitslosenquote derzeit auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
Auch ein anderer Kurs setzt sich fort. In Deutschland sind immer weniger Menschen beschäftigt, zumindest in Vollzeit. Von den sozialversicherungspflichtigen Angestellten arbeiten derzeit drei von zehn Personen in Teilzeit. Diese Zahlen steigen seit etwa zwei Jahren. Konkret gingen im Januar 177.000 Menschen mehr einem Teilzeitjob nach als im Jahr zuvor. Die Zahlen der Vollzeitbeschäftigten sank im gleichen Zeitraum: Im Vergleich zu 2025 weist der Monatsbericht zum Jahresbeginn ein Minus von 249.000 Beschäftigten aus.
Die Beschäftigung sinkt
Dieser Rückgang ist also größer als der Zuwachs in Teilzeit. Damit geht die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Angestellten insgesamt zurück, gezählt wurden im Januar 34,75 Millionen Beschäftigte. Das sind 72.000 weniger als im Jahr zuvor. Und dieser Abstand zum Vorjahr wird von Monat zu Monat größer, bilanzierte Nahles am Dienstag. Man könne sagen, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung habe ihren Zenit mittlerweile „sichtbar“ überschritten, schloss die BA-Chefin.
Die politischen Krisen der Welt machen sich mit etwas Verzögerung oft auch am hiesigen Arbeitsmarkt bemerkbar. Doch die jüngste Eskalation im Nahen Osten und die hohen Energiepreise, über die seither hitzig gestritten wird, schlagen sich zumindest in den Daten vom März noch nicht nieder. Auch darauf wies Nahles in der Pressekonferenz hin. „Konjunkturelle Impulse sehen wir derzeit nicht“, erklärte die Behördenchefin. „Auch die potentiellen Folgen des Krieges in Iran spüren wir aktuell noch nicht auf dem Arbeitsmarkt.“
Auf Nachfrage bezog Nahles auch zu einem anderen außenpolitischen Thema Stellung. Kanzler Merz verkündete gestern im Beisein des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa, die Schutzbedarfe der geflüchteten Syrer neu bewerten zu wollen. Der Bürgerkrieg in Syrien sei zu Ende, 80 Prozent der Geflüchteten sollen deshalb in ihr Heimatland zurückkehren, sagte der Kanzler. Andrea Nahles verwies, darauf angesprochen, auf die gute Integration der Syrer in den Arbeitsmarkt.
320.000 syrische Staatsangehörige seien in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Von den Menschen, die 2015 bis 2016 im Zuge der großen Flüchtlingswelle gekommen sind, gehen 60 Prozent einer geregelten Arbeit nach. Das sei ein guter Wert. Die Beschäftigtenquote der Deutschen betrage im Vergleich 71 Prozent. Die Geflüchteten würden vor allem im Gesundheitswesen, der Pflege, in Handel und Logistik arbeiten. All das seien Branchen mit einem Bedarf an Arbeitskräften.
