Das Experiment ist gescheitert. 106 Tage hat Eintracht Frankfurt gebraucht, um das einzugestehen – schneller als viele Krisen im Fußballgeschäft überhaupt sichtbar werden. Der Klub hat sich in bemerkenswerter Geschwindigkeit an einer Idee abgearbeitet, die mit Albert Riera vom ersten Moment an fremd wirkte.
Der Trainer trat auf wie ein Mann, der Widerstand als Qualitätsmerkmal versteht. Was er öffentlich von sich gab, irritierte. Mal ging es um Sprünge vom Balkon, mal um Haie, die Blut riechen. Dann stellte er Comebacks von Spielern in Aussicht, die in Wahrheit verletzt waren, oder er heizte seine Meinungsverschiedenheit mit Torjäger Jonathan Burkradt öffentlich an. Autorität entstand bei ihm aus Konfrontation, und das nicht nur nach außen. Zum Abschied sagte er: „Ihr habt nur 20 Prozent von Alberts Power genutzt.“
In Frankfurt traf der skurrile Führungsstil auf eine Mannschaft, die an vielen Stellen nicht mehr die Stabilität früherer Jahre besaß. Aus der Verbindung mit Riera entstand nie die produktive Spannung, die sich die Klubführung nach der Trennung von Dino Toppmöller erhofft hatte. Stattdessen entwickelte sich eine Atmosphäre des Misstrauens.
Das eigentliche Problem von Markus Krösche
Auf dem Platz verlief die Entwicklung entsprechend rückläufig: Der kurzen Stabilisierung zu Beginn folgte danach ein Rückfall in bekannte Probleme; der Punkteschnitt fiel bescheiden aus und lag unter dem seines Vorgängers. Die Führung hielt dennoch lange an einem Projekt fest, dessen innere Risse nicht zu übersehen waren.
Dass Markus Krösche nun die Reißleine zog, ist konsequent. Dass der Sportvorstand so lange brauchte, ist sein eigentliches Problem: Die zweite Freistellung eines Trainers binnen fünf Monaten beschädigt zwangsläufig auch die Autorität jener, die diese Entscheidungen verantworten.
Krösche prägte über Jahre das Bild eines Managers mit sicherem Fingerspitzengefühl für Dynamiken, Kaderprofile und Entwicklungen. Zuletzt verlor er dieses Gespür – und Rieras Intermezzo wurde zum sichtbarsten Ausdruck seiner Fehleinschätzungen.
Trotzdem wäre es zu einfach, den Spanier als alleinigen Verursacher eines gescheiterten Sportjahres darzustellen. Mit seinem Abschied verschwindet auch das bequemste Alibi der Mannschaft. Die Spieler können sich nun nicht länger hinter dem polarisierenden Heißsporn verschanzen. Ihr Erklärungsmuster über die Schwierigkeit des Arbeitsumfelds fällt weg und der Blick richtet sich direkter auf eine Gruppe, die trotz zahlreicher Nationalspieler über Monate kaum Führungsstärke, Widerstandskraft oder Konstanz entwickelte.
Die vergangenen Monate waren verschenkte Zeit für alle Beteiligten. Die Eintracht hat daher mehr zu entscheiden als die Trainerfrage. Sie muss festlegen, welche Identität ihre Mannschaft künftig verkörpern soll – und mit welchem Personal. Daran vor allem wird sich erkennen lassen, ob sie aus dieser Saison eine Lehre zieht oder lediglich ein neues Kapitel aufschlägt. Der Unterschied zwischen beidem ist größer, als Vereinsverantwortliche in solchen Momenten gerne glauben.
