
Wer zum Praktikum in einem Unternehmen antritt, hat gewisse Erwartungen, was die eigenen Aufgaben angeht. Auch wenn es sich bis heute hartnäckig hält: Kaffee kochen oder kopieren sollte nicht zum Tätigkeitsspektrum von Praktikanten und Praktikantinnen gehören. Stattdessen geht es darum, das Geschäft eines Betriebs kennenzulernen, sich mit dessen Alltag vertraut zu machen und vielleicht in mehrere Abteilungen reinzuschnuppern und unterschiedliche Tätigkeiten kennenzulernen.
Damit das gelingt, sollten Praktikanten möglichst offen auf ihre neuen Kolleginnen und Kollegen zugehen. Dabei gilt manch ungeschriebene Regel, zum Beispiel: Lieber einmal zu viel sagen, wer man ist, als niemals. Es hat noch niemandem geschadet, sich in der Teeküche doppelt oder dreifach vorzustellen. Schließlich ist man ja der Neue. Wer das beherzigt, pünktlich, neugierig und aufmerksam ist und dann auch noch Leistungsbereitschaft signalisiert, ohne zu aufdringlich zu werden, legt die Grundlage dafür, in guter Erinnerung zu bleiben.
Karriere geht durch den Magen
Gegen Ende eines Praktikums ergibt sich dann eine weitere Gelegenheit, sich länger im Gedächtnis zu halten. Dabei kommt die nächste ungeschriebene Regel ins Spiel: zum Abschied Selbstgebackenes mitbringen. Es dürfte kein Geheimnis sein, dass kulinarische Mitbringsel in nahezu jedem Unternehmen gern gesehen sind, nach dem Motto: Karriere geht auch durch den Magen. Das gilt ausdrücklich auch für Sandkuchen – es muss ja nicht immer Rhabarberbaiser sein!
Allerdings brauchen backende Berufseinsteiger eine gute emotionale Konstitution. Das zeigt eine nicht-repräsentative Umfrage im Bekanntenkreis. Ausnahmslos jeder wurde im Praktikum für seinen Einsatz an Rührgerät und Backform gerühmt, doch hinterließen manche Sätze einen faden Beigeschmack: „Wenn bei uns die Stellen nach Backkünsten vergeben würden, hätten Sie jetzt eine.“ Oder: „Falls es mit diesem Beruf nicht klappt, können Sie ja immer noch Bäcker werden.“ Abschrecken lassen sollte man sich trotzdem nicht, auch wenn die süßen Gaben solch saures Lob nach sich ziehen. Es gilt die nächste ungeschriebene Regel: Wer in der Backstube steht, darf keine Angst vor Feuer haben. Oder anders gesagt: weitermachen, weiterbacken.
In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.
