
Am Muttertag verwüstete ein Tomahawk unsere Küche. Das kam so: Normalerweise würden wir das Rindersteak dieses Namens, früher hätte man es Hochrippe am Knochen genannt, auf dem Grill zubereiten. Doch auf der Titelseite zeigte ein dem Essen und Trinken gewidmetes Magazin eine Zubereitung, die unsere Neugier widmete. Das Steak wird dafür in der Pfanne kurz angebraten und anschließend, in einem Bräter auf Heu und Kräuter gebettet im Ofen fertig gegart. Dort allerdings fing das getrocknete Gras bald Feuer. Der Schwelbrand war rasch zu löschen, der Rauchmelder zu beruhigen, sogar das Fleisch mit leichten Röstaromen zu retten. Ob des durchs Haus wabernden Brandgeruchs entschied die Familie allerdings, den Esstisch in den Garten zu verlagern. Herrlich so ein spontanes Abendessen draußen.
Zur gleichen Stunde entschieden die Berliner, dass sie drinnen bleiben dürfen. Also die Autos in der Stadt. Das Volksbegehren „Berlin autofrei“, das Anwohnern ein Kontingent von maximal zwölf privaten Autofahrten im Jahr zugestehen wollte, scheiterte. Bis zum Ablauf der Sammelfrist kam die benötige Zahl von 175.000 Unterschriften nicht zusammen. Aufatmen dürften nicht nur Autobesitzer, Hoteliers und andere Gewerbetreibende, sondern auch Stefan Evers. Das ist der Finanzsenator der Hauptstadt, er müht sich, das chronische Haushaltsdefizit in Milliardenhöhe abzubauen. Dabei behilflich sind die Autofahrer, jene zumindest, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. 120 Millionen Euro kamen so im vergangenen Jahr zusammen, ein neuer Rekordwert. Selbstlosigkeit oder Verrohung? Die Gewerkschaft der Polizei weist darauf hin, dass die deutliche Zunahme registrierter Geschwindigkeitsverstöße auf zusätzlich angeschaffte mobile Blitzer zurückzuführen ist.
Der Vatertag fiel deutlich kälter und nässer aus als der Muttertag, an sich schon eine schreiende Ungerechtigkeit. Zumal für eine Gruppe Väter, die nicht mit dem bierbeladenen Leiterwagen durch Wald und Wiesen zieht, sondern mit den Kindern an einem See in Mittelhessen zeltet, Mütter sind verboten, sonst ist (fast) alles erlaubt. Der Freude an der Gemeinsamkeit tat das Wetter keinen Abbruch. Doch es wäre schön gewesen, sich ab und an in einem gemütlichen Zimmer aufwärmen zu können. Die Meldung von Audi, man biete demnächst mit dem 5,3 Meter langen Q9 einen „mobilen Lebensraum“ an, der als „Rückzugsort für Familie, Business und lange Reisen“ diene, traf etwas zu spät ein. Vielleicht eine Lösung für das kommende Jahr. Aber auch dann gilt: Gegrillt und gegessen wird ausschließlich draußen!
