Sei es mit dem Rad oder zu Fuß, bei Mehrtagestouren fernab von Hütteninfrastruktur und Gästehauszivilisation ist es immer eine Herausforderung, an warmes Wasser zu kommen, um sich etwas Warmes zu Essen zu kochen. Wohl dem, der einen guten Gaskocher dabei hat!
Jetboil und MSR haben kürzlich zwei leichtgewichtige Systemkocher auf den Markt gebracht. Wir haben uns beim Test für den MSR Switch entschieden, weil sein mitgelieferter Topf etwas größer als der von Jetboil ist und ein Volumen von einem Liter hat. Das reicht bequem für zwei große Tassen Tee oder zwei Dryfood-Mahlzeiten. Die Abkürzung MSR steht für Mountain Safety Research. MSR wurde 1969 gegründet und hat seinen Sitz im amerikanischen Seattle. Ob Wasseraufbereitung, Zelte und Schneeschuhe, die Entwickler haben Erfahrung mit allem, was mit Outdoor zu tun hat. Gegründet wurde MSR von dem Outdoor-Enthusiasten Larry Penberthy, der mit der Zuverlässigkeit des bisherigen Ausrüstungsangebots nicht zufrieden war. Das erste Produkt, mit dem MSR Anfang der 70er-Jahre von sich reden machte, war ein Kocher, den die Outdoor-Community vor allem deshalb feiert, weil sich Schnee damit problemlos und schnell schmelzen ließ. Das klingt schon mal vielversprechend.
Druckregler. Mischerrohr. Piezoelektrode. Wie?
Wir besorgen uns also den MSR Switch. Und erschrecken erst einmal, als wir interessehalber die Gebrauchsanleitung zur Hand nehmen. Ein bisschen ähnelt sie sogar in der Aufmachung dem Beipackzettel von einem Medikament. Kann der Umgang mit einem Gaskocher tatsächlich so kompliziert sein? Der Angetraute liest vor. „Klappen Sie den Flammenregler (E) auf und schließen Sie das Flammenreglerventil (F) durch Drehen im Uhrzeigersinn“, so lautet der erste Satz. Bei Schriftgröße 6 ist das nach wenigen Sekunden ein ziemliches Geschwurbel, das der Vorleser da von sich gibt. Irgendwann geht es nur noch darum, mit Buchstaben beschriebene Teile auf einer Mini-Zeichnung zu identifizieren: Druckregler. Mischerrohr. Piezoelektrode.

Warum so kompliziert, wenn es doch eigentlich ganz einfach ist. An sich erklärt sich das von selbst. Den Brenner auf die Gaskartusche schrauben. Den unverkennbaren Regler für das Gas aufdrehen. Und per Knopfdruck mit dem integrierten Piezozünder für eine Zündung sorgen. Schon brummt der Kocher.
Ein durchdachtes System
Der MSR Switch wird mit einem passenden Topf geliefert. Richtig kochen kann man damit nicht. Das halbkugelförmige Design das Topfbodens sorgt dafür, dass Flüssigkeit schneller erwärmt wird als bei einem flachen Boden. Zweieinhalb Minuten dauert es laut Herstellerangaben, bis ein halber Liter Wasser heiß ist. Als wir frisch aus dem Zelt gekrochen am frühen Morgen verträumt in den Tag starteten, kochte das Wasser schneller als wir das erwarteten und lange bevor der Teebeutel in der Tasse war. Echt praktisch: Der Topf hat eine isolierenden Korkummantelung. Heißes Wasser lässt sich auch ohne Kochhandschuh oder Geschirrtuch ausgießen.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Ist es doch mal nötig, lassen sich an der Topfauflage drei Hebel ausklappen und ein anderer Topf verwenden. Weil das System insgesamt recht durchdacht ist, kann man zumindest die kleine Gaskartusche neben Brenner und Kartuschenstandfuß handlich in dem Topf verpacken. Mit allem Drum und Dran wiegt das ganze System nicht einmal 400 Gramm und ist in etwa so groß wie eine Flasche Milch.
Uns hat der Kocher überzeugt. Wir haben ihn übrigens nicht bei den Outdoor-Sachen in der Garage verstaut, sondern im Küchenschrank. Sollte auch uns einmal ein längerer Stromausfall treffen, wie Anfang des Jahres der in Berlin, dann sind wir perfekt vorbereitet, um uns schnell einen Kaffee oder eine Instant-Nudelsuppe brühen zu können.
