
Vor Kurzem hat die Deutsche Bahn zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Thema der Veranstaltung gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium: eine „attraktive und funktionierende Anschlussmobilität“ an jedem Bahnhof in Deutschland. Man will erörtern, wie Zugpassagiere am besten von den Bahnhöfen wegkommen und mit welchen Verkehrsmitteln.
Selbst wenn es spannender wäre, sich um das größere Problem nicht erreichbarer Zuganschlüsse zu kümmern: Auch die so verstandene Anschlussmobilität ist ein respektables Thema. Zumal auf der zweitägigen Konferenz laut Einladung drei Verkehrsmittel gleichermaßen diskutiert werden: „Radfahrende, E‑Scooter-Nutzende und zu Fuß Gehende“. Fachlich sehr löblich. Aber leider ein sprachlicher Verkehrsunfall. Die Bahn hat die Fußgänger abgeschafft.
Solche Sprachkritik könnte die Bahn locker-flockig abbügeln. Etwa so: „Zu Fuß gehen“ abschaffen ist doch schon seit 200 Jahren das Geschäftsmodell der Eisenbahn. Ja, stimmt. Und über die vermeintlich übertriebene Wokeness des Staatskonzerns lamentieren Leute wie die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die die Social-Media-Abteilung des Konzerns vor einiger Zeit deshalb in die Wüste schicken wollte („Die Rückfahrt fällt leider aus“).
Denglisch gaukelt Modernität vor
Aber hier geht es um mehr. Es geht um die Verantwortung für eine Sprache, mit der täglich Millionen Bahnkunden konfrontiert werden. An dieser Verantwortung scheitert die DB genauso wie an der Bereitstellung pünktlicher Züge. Der Bahnschalter hieß zeitweise „Service Point“, das Mietradprogramm nennt sich „Call a Bike“, die schaffnerlose Ticketkontrolle „Komfort Check-in“, die Rabattkarte „BahnCard“. Das alles kommt nicht von ungefähr. Denglisch klingt trendig, gaukelt Modernität vor – ein gutes Produkt, wo doch jeder weiß, dass es das oft nicht ist.
Beide Phänomene, die Anglizismen und die Gendersprache, folgen derselben Logik: Die DB spricht nicht mit ihren Kunden, sie inszeniert sich vor ihnen. Einmal als weltläufiger Mobilitätsdienstleister, einmal als fortschrittlicher Gesellschaftsakteur. Das Problem: Der Fahrgast – Pardon: der Zuggastierende – kommt in beiden Fällen nicht vor, so wenig wie sein Zug.
