Es war ein Morgen im Oktober 2001, als Steve Jobs eine neue Zeitrechnung für Apple einläutete und der Welt versprach, Musikhören werde nie wieder so sein wie früher. In seiner gewohnten Kluft mit Bluejeans und schwarzem Rollkragenpullover trat er auf die Bühne der Konzernzentrale im kalifornischen Cupertino und stellte den iPod vor, einen digitalen Musikspieler mit einem Speicherplatz für 1000 Lieder.
„Eure ganze Musikbibliothek passt in eure Hosentasche“, schwärmte der Mitgründer und Vorstandschef des Unternehmens vor seinem Publikum. Vorbei seien die Zeiten, in denen man sich im Auto darüber ärgere, eine bestimmte CD vergessen zu haben. Jobs prophezeite, der iPod werde das „heißeste Geschenk“ im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft werden. Kein anderes Unternehmen wäre in der Lage gewesen, ihn zu entwickeln.
Mit dem iPod löste Apple eine Revolution im Musikmarkt aus und transformierte sich auch selbst. Der Musikspieler wurde zu einem Wegbereiter für Geräte wie das iPhone und das iPad, die aus dem einstigen Computerspezialisten einen breit aufgestellten Elektronikkonzern werden ließen. „Hätten wir den iPod nicht gemacht, wäre das iPhone nicht herausgekommen“, sagte der frühere Apple-Manager Tony Fadell, der eine führende Rolle in der Entwicklung des iPods hatte, dem „Wall Street Journal“ vor einigen Jahren.
Für viele Menschen war der iPod ihr erstes Apple-Produkt, die zugehörigen weißen Kopfhörer wurden zu einem allgegenwärtigen Teil des Straßenbildes und zu einem Statussymbol. Zeitweise stand der iPod für mehr als 50 Prozent des Konzernumsatzes.
Die Ära der 99-Cent-Downloads
Als der iPod herauskam, kämpfte die Musikindustrie mit gewaltigen Schwierigkeiten. Das Internet brachte ihr Geschäftsmodell ins Wanken. Onlinetauschbörsen wie Napster ermöglichten kostenloses Herunterladen urheberrechtlich geschützter Musik, und die Branche tat sich schwer damit, kostenpflichtige Alternativen zu Raubkopien zu etablieren.
„Niemand hat wirklich ein Rezept für digitale Musik gefunden“, sagte Jobs bei der Vorstellung des iPods. Mit dem Musikspieler und der mit ihm verbundenen Plattform iTunes versprach er einen Weg aus der Krise. Apple machte es einfach und erschwinglich, Musik in digitaler Form zu kaufen und mit iPods zu synchronisieren. Es begann eine Ära, in der es zur Gewohnheit wurde, einzelne Titel für 99 Cent herunterzuladen. iPod und iTunes wurden zu einem Paradebeispiel dafür, wie es Apple versteht, Hardware und Software miteinander zu integrieren.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Apple war öfters in seiner Geschichte nicht das erste Unternehmen, das eine neue Produktkategorie erschließt, dann aber den Markt von hinten aufrollt und ganz neu definiert. Der iPod ist ein Beispiel dafür. Digitale Musikspieler gab es auch schon vorher, üblicherweise passten allerdings nur ein paar Dutzend Titel auf die Geräte. Mit seiner Kapazität für 1000 Lieder und seinem schlichten, benutzerfreundlichen Design setzte sich der iPod von der Konkurrenz ab.
Dennoch war er nicht aus dem Stand ein Erfolg. Vielen Menschen kam der Preis von 399 Dollar ungerechtfertigt hoch vor. 2003 gab Apple dem Geschäft einen wesentlichen Schub, als iTunes für das marktbeherrschende Betriebssystem Windows von Microsoft verfügbar wurde. Zuvor gab es das Programm nur für Apples eigenes Betriebssystem Mac OS. Das machte den iPod für ein viel breiteres Publikum interessant.
Kassenschlager iPod Mini
Endgültig zum Massenphänomen wurde der Musikspieler, als Apple 2004 den billigeren iPod Mini herausbrachte. Die bunten Geräte waren vielerorts sofort ausverkauft, viele Leute mussten lange auf ein Exemplar warten. Danach baute Apple die iPod-Familie weiter aus. Der Mini wurde nach zwei Jahren durch den Nano ersetzt, Apple brachte das Kleinstmodell Shuffle heraus und später den iPod Touch. 2008 erreichte das Geschäft seinen Höhepunkt, als Apple fast 55 Millionen iPods verkaufte.
Zu dieser Zeit war der Anfang vom Ende schon eingeläutet. 2007 brachte Apple das iPhone heraus, ein Multifunktionsgerät, das auch als Musikspieler genutzt werden konnte. Viele Menschen kamen zu dem Schluss, dass sie keinen separaten iPod mehr brauchen. Schon 2009 sagte Apple einen permanenten Niedergang seines iPod-Geschäfts voraus und gab zu: „Wir kannibalisieren uns selbst.“ Auch das mit dem iPod verbundene Herunterladen von Musik verlor an Bedeutung, zugunsten von Streamingdiensten wie Spotify oder Apple Music, die für eine monatliche Gebühr Zugriff auf eine riesige Musikbibliothek bieten.
„Wir kannibalisieren uns selbst“
2014 fing Apple an, iPod-Modelle einzustellen. Erst traf es den iPod Classic, das Nachfolgegerät des ursprünglichen iPods, dann den Nano und den Shuffle, und 2022 wurde auch das letzte verbleibende Modell aufgegeben, der iPod Touch. Apple sagte damals tröstend und mit Verweis auf die anderen Musikangebote des Unternehmens: „Der Geist des iPods lebt weiter.“ Insgesamt wurden zwischen 2001 und 2022 rund 450 Millionen iPods verkauft.
Obwohl Apple sich aus der Produktkategorie verabschiedet hat, scheint sich der iPod in jüngster Zeit tatsächlich verstärkter Beliebtheit zu erfreuen. „iPods erleben aktuell eine Renaissance“, teilt der Onlinehändler Ebay mit und verweist auf steigende Suchanfragen nach dem Gerät auf seiner Seite. „iPod“ habe im vergangenen Jahr global zu den meistgesuchten Begriffen auf seiner Plattform gehört, im Schnitt habe es mehr als 1300 Anfragen in der Stunde gegeben. Auf der deutschen Seite sei der durchschnittliche Verkaufspreis für iPods zwischen Anfang und Ende 2025 von 65 auf mehr als 80 Euro gestiegen.
Diese Entwicklung wird zum Teil mit Nostalgie erklärt, aber auch damit, dass iPods es ihren Nutzern leichter machen, sich auf Musik zu konzentrieren, ohne dauernde Benachrichtigungen und andere Ablenkungen, wie sie Smartphones mit sich bringen.
Die Handelsplattform Back Market sagt: „In einer Zeit digitaler Dauerverfügbarkeit wächst der Wunsch nach einfacheren, zweckgebundenen Geräten.“ Insbesondere Schüler führen noch einen anderen Grund an, warum sie wieder auf iPods zurückgreifen. Viele Schulen haben Smartphone-Verbote eingeführt. iPods werden aber oft geduldet – und sind somit eine Alternative, um Musik hören zu können.
